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Buchmesse

Buchmesse Frankfurt: Rassismus damals und heute

  • Oliver Teutsch
    VonOliver Teutsch
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Biograf Alexander Heflik erzählt über den ersten schwarzen Nationalspieler Erwin Kostedde.

Für viele Fußballer ist es der größte Traum, einmal im Londoner Wembley-Stadion spielen zu dürfen. In der Biografie Erwin Kosteddes ist Kapitel 3 betitelt: „Wembley, der Alptraum“. Denn vor dem zweiten von nur drei Länderspielern des ersten dunkelhäutigen deutschen Nationalspielers im Jahre 1975 hatte ein deutscher Fan Kostedde bei der Abfahrt vom Teamhotel rassistisch beleidigt.

Kostedde spielte schlecht, seine Länderspielkarriere war bald beendet. „Er war mal stabil, aber auch mal wankelmütig und schwächlich“, sagt Alexander Heflik über den heute 75-Jährigen.

Heflik hat eine Biografie geschrieben mit dem programmatischen Titel „Erwin Kostedde. Deutschlands erster schwarzer Nationalspieler“. Es ist ein bisschen Etikettenschwindel, dass die Veranstaltung der SPD-Parteizeitschrift „Vorwärts“ auf der Buchmesse unter genau diesem Titel läuft. Moderator Kai Doering ist ein bisschen perplex, als er gefragt wird, wo denn Kostedde bleibe. „Ach so, man könnte vermuten, dass Kostedde selbst hier ist.“ Das sei aber nie geplant gewesen. Doch Heflik kann anschaulich über den Mann erzählen, der Anfang der 70er Jahre die Fans von Kickers Offenbach verzückte: Schließlich hat er sich rund 70-mal mit Kostedde getroffen, der wie er aus Münster in Westfalen kommt.

Heflik gibt Einblicke in das Leben eines ehemaligen Fußballstars, dessen Karriere nicht zuletzt durch Rassismus begrenzt wurde. So habe der damalige DFB-Präsident Hermann Neuberger Kostedde nicht die Hand schütteln wollen. „Brauner Bomber“ war noch einer der liebevolleren Spitznamen für den Straßenkicker. Als er bei Standard Lüttich in Belgien spielte und sich über die schmutzige Kabine beschwerte, zeigte ihm ein Mannschaftskamerad den Hitlergruß. So hat Kostedde nirgendwo richtig dazugehört.

Das alles wäre weniger schlimm, wenn es den Rassismus nicht heute immer noch gäbe. „Der Rassismus heute ist frontaler, er war früher weicher“, hat sich Heflik von Kostedde berichten lassen. Eine bedenkliche Entwicklung.

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