+
So war es 1988: Gisela Marx (links) und Sissi Perlinger.

Tipp

Buchmesse Frankfurt: Atmosphäre bei „Literatur im Römer“  legendär

  • schließen

„Literatur im Römer“, die älteste Live-Leseveranstaltung Deutschlands, präsentiert in diesem Jahr zehn Autorinnen und sechs Autoren.

Es ist mit Abstand die älteste Live-Leseveranstaltung in Deutschland. 1975 hatte die Stadt Frankfurt zum ersten Mal während der Frankfurter Buchmesse zu einem „Literatur-Circus“ in die Römerhallen eingeladen. Später bekam das Format dann den Namen, den es heute noch hat: „Literatur im Römer“. An zwei Tagen, am Mittwoch, 16. und Donnerstag, 17. Oktober, öffnet sich das Erdgeschoss des Frankfurter Rathauses für insgesamt 16 Autorinnen und Autoren, jeweils von 20 Uhr an.

Es war der damalige Kulturdezernent Hilmar Hoffmann (SPD), der 1973 die Idee hatte, den Menschen in der Stadt die Literatur auf besondere Art und Weise näher zu bringen. 1973 fuhr zum ersten Mal während der Frankfurter Buchmesse die „Büchertram“ durch die Stadt. In der Straßenbahn lasen und diskutierten Schriftsteller vor und mit dem Publikum, etwa Gerhard Zwerenz und Horst Bingel.

Im Jahr darauf legte ein „Literaturdampfer“ vom Eisernen Steg ab, an Bord präsentierten sich etwa der Schriftsteller Franz Xaver Kroetz, die Schauspielerin Lilli Palmer und sogar der Filmregisseur Rainer Werner Fassbinder, der mit seinen Arbeiten damals für Aufregung sorgte.

Die Frankfurter Rundschau verlost fünf Mal zwei Karten für die Open Party im Rahmen von Open Books am Samstag, 19. Oktober, ab 21 Uhr, im Literaturhaus Frankfurt. Interessierte können sich unter fr.de/gewinnspiel beteiligen, bis Mittwoch, 16. Oktober, 8 Uhr. Das „Lösungswort“ lautet „Open Books“. Die Gewinner werden gelost und benachrichtigt. Die Karten werden an der Abendkasse hinterlegt. Die Frankfurter Rundschau ist in diesem Jahr Medienpartner des Frankfurter Kulturamts für das Lesefest Open Books.

1975 gastierte dann erstmals der „Literatur-Circus“ im Frankfurter Römer. Damals gab es tatsächlich zwischen den Lesungen noch Varieté und Artistik. Mit Siegfried Lenz und Johannes Mario Simmel traten zwei absolute Literatur-Stars, dazu kamen zum Beispiel die Frauenrechtlerin Alice Schwarzer und der kritische Dramatiker Rolf Hochhuth.

Die Atmosphäre bei „Literatur im Römer“ war und ist legendär. Die drangvolle Enge, die Kommentare aus dem Publikum, das Gelächter im Gewölbe des Römers. Zeitweise drängten sich in den 70er Jahren bis zu 3000 Menschen an einem Abend. 1980 reagierte die städtische Bauaufsicht und begrenzte die Zuschauerzahl auf 500.

„Literatur im Römer“ machte bundesweit Furore, andere Städte organisierten Nachahmer-Veranstaltungen. Das Fernsehen übertrug, sogar Bundespräsident Richard von Weizsäcker schaute 1985 unangekündigt vorbei.

In diesem Jahr sind bei dieser Feier des Buches zehn Autorinnen und sechs Autoren zu erleben. Am ersten Abend etwa Katharina Hacker, die Trägerin des Deutschen Buchpreises, mit ihren leicht hingeworfenen „Minutenessays“. Oder Katja Oskamp mit „Marzahn, mon amour – Geschichten einer Fußpflegerin“, in denen die Schriftstellerin aufschreibt, was ihr im neuen Beruf in einer Plattenbausiedlung begegnete. Oder Arno Camenisch mit „Herr Anselm“, dem Schulhausmeister, dessen Schule abgewickelt wird.

Am zweiten Abend folgen dann unter anderem Steffen Kopetzky mit „Propaganda“ über einen US-Propaganda-Offizier, Alexander Osang mit „Die Leben der Elena Silber“ und Burkhard Spinnen mit „Rückwind“. Einlass ist jeweils ab 19.15 Uhr. Der Eintritt ist frei. Es empfiehlt sich, früh da zu sein. Bei Überfüllung kann nämlich der Zugang auch verwehrt werden. Es gibt allerdings für alle eine Lautsprecherübertragung auf den Römerberg hinaus.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare