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2016 fand die Eröffnung der Open-Books-Veranstaltung im Chagallsaal im Schauspiel statt, mit Bodo Kirchhoff (li.) und Volker Weidermann. 

Interview

Buchmesse in Frankfurt: „Beim Sachbuch haben wir immer volle Säle“

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Sonja Vandenrath,die Literaturbeauftragte der Stadt Frankfurt, spricht über das diesjährige Lesefest Open Books, das unter anderem Ökologie und Radikalisierung zum Schwerpunkt hat.

Sonja Vandenrath, geboren 1965, ist seit 2006 die Literaturbeauftragte der Stadt. Im Kulturamt leitet sie das städtische Lesefest Open Books im Rahmen der Frankfurter Buchmesse sowie weitere Literaturveranstaltungen wie die Frankfurter Premieren, die Frankfurter Lyriktage, Fokus Lyrik und Literaturm. 

Frau Vandenrath, was gibt es in diesem Jahr neues bei Open Books?
Wir dehnen uns in diesem Jahr in die neue Altstadt aus. Damit erweitern wir uns um sehr attraktive Veranstaltungsorte, ohne unser Konzept, das Lesefest rund um den Römer zu veranstalten, aufzugeben. Wir bleiben uns also treu und haben dennoch ein wunderschönes neues Quartier hinzugewonnen.

Warum ist ein Lesefest begleitend zur Buchmesse wichtig für Frankfurt?
Weil mit Open Books die Buchmesse in die Stadt hinein pulst. Die internationale Buchmesse ist ein weltweit wahrgenommenes Kulturfestival und Anziehungspunkt schlechthin für alle, die dem Wort verpflichtet sind. Das passt perfekt zu Frankfurt als Stadt Goethes und Adornos. Aber natürlich werden auf der Buchmesse vor allem die neuen Titel des Herbstes präsentiert. Dass ein Teil dieser Bücher nunmehr nicht nur auf dem Messegelände, sondern ebenfalls auf 170 Lesungen im Herzen Frankfurts vorgestellt werden, davon profitieren wir alle: die Stadt, Autoren, Verlage, Buchhandel und natürlich unser Publikum, in das sich unter die Frankfurter immer mehr Menschen etwa aus Wiesbaden, Heidelberg und Marburg mischen.

Vorbild war „Leipzig liest“, nicht wahr?
Es gab vor dem ersten Lesefest im Jahr 2008 eine Debatte darüber, dass so etwas wie „Leipzig liest“ hier in Frankfurt fehlt. Bis dahin haben wir immer auf den noch von Hilmar Hoffmann initiierten Lesungsmarathon „Literatur im Römer“ verwiesen. Als es dann den Suhrkamp-Verlag aus Frankfurt Richtung Berlin zog, war das ein Einschnitt für die Buch- und Literaturstadt Frankfurt. Das war der Moment, in dem wir Open Books als städtisches Begleitprogramm zur Frankfurter Buchmesse entwickelt haben. Wir wollten ein Lesefest der kurzen Wege, in dem man sich ein bisschen wie ein Flaneur von einer Lesung zur nächsten treiben lässt. Das lädt ein, sich auf Neues und bislang Unbekanntes einzulassen. Dies alles bei freiem Eintritt.

Das Lesefest Open Books gibt es nun seit elf Jahren. Wie hat es sich verändert?
Die Keimzelle war der Frankfurter Kunstverein, dort haben wir die ersten Lesungen gemacht. Danach hat es sich immer weiter ausgedehnt, weil auch das Interesse der Verlage größer wurde und wir schon sehr früh auf das Sachbuch und Graphic Novels gesetzt haben. Gerade das Sachbuch ist enorm erfolgreich, da haben wir immer volle Säle. Hier finden anhand der Bücher gesellschaftlich relevante Diskussionen über die großen Themen unserer Zeit statt. Die Verlage wissen, dass wir ein großes Publikum anziehen und wollen unbedingt bei Open Books dabei sein. In diesem Jahr hatten wir so viele Anfragen wie nie zuvor. Um in der Vielfalt des Angebots etwas Struktur zu schaffen, haben wir die Sparten wieder auf verschiedene Häuser aufgeteilt: die deutschsprachige Belletristik im Römer, Stadthaus, Struwwelpeter-Museum und im MMK, das Sachbuch im Haus am Dom, die Lyrik im Frankfurter Salon, die internationale Literatur in der Evangelische Akademie Frankfurt und die Comics im Fotografie-Forum Frankfurt. Open Books Kids findet wieder im Jungen Museum statt.

Welche Schwerpunkte gibt es in diesem Jahr?
Die Ökologie ist ein großes Thema, aber auch Radikalisierungstendenzen in unserer Gesellschaft. Weitere Cluster sind der Feminismus, die Entwicklung in Ostdeutschland seit der Wende und immer wieder der digitale Wandel.

Sie selbst moderieren mit bei der mittlerweile ausverkauften Eröffnung von Open Books in der Deutschen Nationalbibliothek am 15. Oktober, auf der unter anderem Altbundespräsident Joachim Gauck sein Buch „Toleranz: einfach schwer“ vorstellen wird. Gast ist wie in jedem Jahr der Gewinner oder die Gewinnerin des Deutschen Buchpreises, der oder die am Vortag bekanntgegeben wird. Wer ist Ihr Favorit?
Ich glaube nicht, dass einer der drei Debütanten den Buchpreis gewinnen wird. Oft wird derzeit Saša Stanišic mit „Herkunft“ als Favorit genannt. Ich tippe jetzt einfach mal auf Jackie Thomae mit „Brüder“.

Welche Bücher liegen bei Ihnen auf dem Nachtisch?
Die einen nehmen ein Betthupferl, ich lese vor dem Einschlafen ein Gedicht; gerade etwa aus dem Band „Vogelwerk“ von Henning Ziebritzki, der wunderschöne Porträts von Vögeln versammelt. Darunter liegt aber immer ein Klassiker; davon lese ich dann immer mal ein paar Seiten. Aber bei mir stapeln sich die Bücher nicht nur auf dem Nachtisch, sondern auch neben dem Sofa, im Büro, in der Tasche, darunter natürlich viele Herbsttitel, vor allem, wenn sie dann bei Open Books vorgestellt werden. Bücher begleiten mich durch mein Leben.

Interview: Florian Leclerc

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