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Der „Literaturbahnhof“ findet in diesem Jahr ebenfalls unter Corona-Bedinungen statt.

Veranstaltungen

„Die Leute brauchen das“

  • Claus-Jürgen Göpfert
    vonClaus-Jürgen Göpfert
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Lothar Ruske organisiert den „Literaturbahnhof“ auch unter Corona-Bedingungen.

Er ist der erfahrenste und wichtigste Literaturveranstalter in Frankfurt und in der Region: Seit mehr als 30 Jahren bringt Lothar Ruske Menschen und Bücher zusammen. Und davon lässt er auch in Zeiten der Corona-Pandemie nicht ab. Aufgeben, einfach alles absagen? Das ist Ruskes Ding nicht. „Ich wollte, dass die Menschen auch jetzt die Chance bekommen, sich mit Literatur auseinanderzusetzen“, sagt er. Und fügt nach einer Pause hinzu: „Die Leute brauchen das.“

Also eröffnet der 74-Jährige am heutigen Mittwoch, 14. Oktober, im Haus des Buches an der Braubachstraße in Frankfurt seinen diesjährigen „Literaturbahnhof“ und hält ihn bis Sonntag, 18. Oktober, in Betrieb. Sechzehn Autorinnen und Autoren sind in dieser Zeit zu erleben im Großen Saal, freilich unter Corona-Abstandsregeln. Nur aus 35 Menschen darf das Publikum bestehen und es muss eine Mund-Nasen-Bedeckung getragen werden, bis der Sitzplatz erreicht ist.

Selbstverständlich weiß Ruske, dass Corona die Begegnung zwischen Autorinnen und Autoren einerseits und Leserinnen und Lesern andererseits verändert. Und zwar möglicherweise für eine ziemliche lange Zeit. Der Veranstalter hat von Anfang an bezweifelt, dass sich eine Frankfurter Buchmesse unter Corona-Bedingungen in den Messehallen organisieren lasse. „Ich konnte mir das nicht vorstellen.“ Ruske hat am Ende recht behalten. Dennoch glaubt er, dass Lesungen im kleinen Rahmen weiter möglich bleiben. „Die Leute sind sehr diszipliniert.“ Auch wenn die Atmosphäre eine andere ist als früher. Doch nach sieben Monaten Corona sieht der Literaturliebhaber eine Mund-Nasen-Bedeckung samt Abstand auch in Lesungen als nichts Verstörendes mehr an: „Die Leute gewöhnen sich“, ist seine Erfahrung.

Ruske organisiert auch das Lesefest „Frankfurt liest ein Buch“ vom 24. Oktober bis 1. November in der Stadt. In dessen Mittelpunkt steht in diesem Jahr der Roman „Rosemarie“ von Erich Kuby, in dem die Geschichte der Edelprostituierten Rosemarie Nitribitt vor dem Hintergrund der 50er Jahre in Deutschland erzählt wird.

Der Organisator glaubt nicht daran, dass Buchmessen und Lesefeste schnell wieder in alter, unbeschwerter Form mit dichtgedrängten Begegnungen stattfinden können, auch wenn ein Impfstoff gegen Corona gefunden sein sollte. „Das wird dauern“, sagt er und prophezeit: „Die Leute werden zurückhaltender sein.“ Er ist „skeptisch“, dass die Frankfurter Buchmesse im Jahr 2021 schon wieder so sein wird wie früher.

Aber erst einmal eröffnet jetzt der „Literaturbahnhof“ seine Pforten, wie stets bei freiem Eintritt. „Einfach kommen, es gibt noch Plätze“, heißt Ruskes Einladung.

Der gelernte Speditionskaufmann ist ein Mann der Praxis, er hat sich in den verschiedensten Berufen durchgeschlagen, bevor er zur Literatur fand. Er war Vertreter für Tabakwaren und Weinspediteur, bevor er anfing, journalistische Texte für Stadtmagazine zu schreiben und literarische Reisen zu organisieren. 1989 gründete er in Bornheim sein eigenes Büro.

Alles, was Lothar Ruske über Literatur weiß, und das ist eine Menge, hat er sich selbst beigebracht. Er ist einer, der den Mund aufmacht und mit Kritik nicht hinter dem Berg hält, ganz gleich, ob es um die umstrittene Programmreform von HR2 Kultur oder die Defizite der Literaturstadt Frankfurt geht.

Das ausführliche Programm des Literaturbahnhofs ist im Internet zu finden unter www.kulturundbahn.de

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