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Frankfurter Buchmesse: Ambivalentes Polizeiverhältnis

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Von: Ramona Wessmann

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FR-Redakteur Pitt von Bebenburg (li.) im Gespräch mit Tobias Singelnstein am FR-Stand.
FR-Redakteur Pitt von Bebenburg (li.) im Gespräch mit Tobias Singelnstein am FR-Stand. © Renate Hoyer

Wer vertraut der Polizei? Über solche Fragen spricht Kriminologe Tobias Singelnstein am Buchmessenstand der Frankfurter Rundschau.

Für wen ist die Polizei Helfer, für wen Gegner? Diesen und anderen Fragen gehen die Autoren Tobias Singelnstein und Benjamin Derin in ihrem im März erschienenen Buch „Die Polizei. Helfer, Gegner, Staatsgewalt“ nach. Pitt von Bebenburg, Chefreporter der Frankfurter Rundschau, stellte das Buch am Donnerstag gemeinsam mit einem der Autoren, Professor Tobias Singelnstein, Rechtswissenschaftler und Kriminologe an der Goethe-Universität, vor.

Singelnstein beginnt mit einer Statistik: Rund 80 Prozent der Menschen vertrauen der Polizei, die restlichen 20 Prozent vertrauen ihr nicht oder nur wenig. Laut der Forschung seien diejenigen mit wenig oder keinem Vertrauen bestimmte Gruppen, darunter People of Color. Trotzdem sei es so, dass jeder ein ambivalentes Verhältnis zur Polizei pflegen würde, da diese in verschiedenen Situationen immer andere Rollen einnehmen würde.

Zum Thema Rassismus in der Polizei sei es schwer zu sagen, wie verbreitet vieles tatsächlich ist, z. B. Racial Profiling, so Singelnstein. Dies läge hauptsächlich an mangelnder Forschung, aber auch an fehlenden Daten. Denn das Forschungsfeld sei nicht transparent. Es würde noch vieles versteckt. Dennoch ist Singelnstein überzeugt, dass in den letzten Jahren etwas ins Rollen gekommen sei. Die Tatsache, dass es Probleme mit Rassismus und rechtsextremistischem Gedankengut in der Polizei gebe, könne nun nicht mehr ignoriert werden. Was der Kriminologe oft betont, ist, dass es keine Fehlerkultur gebe und diese besonders von den Polizeigewerkschaften nicht gewollt wäre. Dort müsse angesetzt werden, damit sich die Polizei nicht immer als die Guten sähe. Denn Kritik an der Polizei sei keine Kritik am Rechtsstaat und kein Infragestellen der Institution, so Singelnstein weiter.

Auch diverser könnte die Polizei sein, mehr als jetzt. Doch das wäre natürlich kein „Allheilmittel für Rassismus“, beeilt sich Singelnstein zu sagen. Institutionen würden eher die Menschen verändern als die Menschen die Institutionen.

Es wird klar: Die Polizei muss einiges aufarbeiten, um transparenter zu werden. Besonders Reflektion sei nötig, zum Beispiel in Form von Weiterbildungsmöglichkeiten, so Singelnstein. Es könnten auch die Aufnahmekriterien der Polizei angepasst werden, um präventiv vorzugehen. Doch das Wichtigste: Die Polizei braucht eine gesunde Fehlerkultur.

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