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Für große und kleine Leserinnen und Leser.

Buchhandlung Eselsohr

Ein Paradies für Kinder

Internetriesen und Buchhandelsketten zum Trotz hält sich die Kinder- und Jugendbuchhandlung seit 38 Jahren.

Es ist Samstag, und Am Weingarten 11 nahe der Leipziger Straße strahlt die Sonne durch das Schaufenster in das Eselsohr. Plötzlich fängt ein kleines Kind an zu weinen. Es möchte noch nicht nach Hause. „Wir müssen aber los, wir kommen ein anderes Mal wieder“, beschwichtigt die Mutter.

D as Kind will aber unbedingt noch länger bleiben, wegen der bunten Bücher und Spielsachen in den Regalen. Die roten und blauen Regale sind mit ausgewählten Kinder- und Jugendbüchern ausstaffiert. In der Leseecke laden ein rotes Sofa und ein gepolsterter Kinderstuhl zum Verweilen ein. Der Duft von Papier liegt in der Luft.

G egründet wurde das Eselsohr 1982. Inhaberin Grischa Götz und ihr Team, zu dem auch die frühere Inhaberin Ulrike Boessneck-Voigt zählt, verleihen dem kleinen Laden einen besonderen Charme. „Hier gibt es flache Hierarchien, wir bringen uns alle ein. Das ist der Spaß daran, dass man ein Team ist“, sagt Boessneck-Voigt. Fachkompetenz und Beratung werde im Eselsohr großgeschrieben.

„Hier haben alle studiert oder eine Buchhandelsausbildung absolviert und ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht“, sagt die studierte Pädagogin und Germanistin Boessneck-Voigt. Die Kunden schätzten die individuelle Beratung und das Sortiment. Die meisten kämen immer wieder, egal ob Groß oder Klein. Neben Kinder- und Jugendbüchern bietet das Eselsohr auch Spielsachen und Literatur für Erwachsene an.

Fahrradkurier war nötig

Seit 38 Jahren ist das Eselsohr in Bockenheim ansässig. Seitdem habe man sich im Stadtteil viel Wertschätzung erarbeitet. „Persönliche Kontakte, Emotionen und Verbindungen“, das sei die Formel für eine enge Bindung an Kunden und den Stadtteil, sagt Boessneck-Voigt.

Die Wertschätzung für das Eselsohr sei auch in Zeiten von Corona zu spüren. Als das Ladengeschäft von Mitte März bis Mitte April schließen musste, seien die Online- und Telefonbestellungen stark gestiegen. „Diese Solidarität hat mich sehr gefreut“, sagt Inhaberin Grischa Götz. Insbesondere Kinderbücher und Spielsachen seien gefragt gewesen. „Wir haben in dieser Zeit sogar viele neue Kunden dazugewonnen“, berichtet Götz.

Das Eselsohr-Team habe die Bestellungen aus dem Stadtgebiet sogar selbst zu Fuß und mit dem Fahrrad ausgeliefert oder in einem benachbarten Kiosk zur Abholung hinterlegt. „Wegen der hohen Nachfrage mussten wir später dann sogar einen Fahrradkurier beauftragen“, erzählt Götz.

Die Serie

Der Autor besucht das Fortbildungsprogramm Buch- und Medienpraxis an der Goethe-Universität Frankfurt. Der Beitrag ist im Rahmen eines Kurses entstanden, den FR-Redakteur Florian Leclerc leitet. FR

Die Anfangszeit der Corona-Krise sei für Inhaberin Götz und ihr Team jedoch nicht einfach gewesen. Auch Existenzängste seien vorhanden gewesen, schließlich habe man nicht wissen können wie lange das Eselsohr geschlossen bleiben müsse und wie stark die Kunden von den Liefermöglichkeiten Gebrauch machen würden.

Seit dem 20. April hat das Eselsohr wieder geöffnet. Mittlerweile dürfen unter Beachtung der Abstands- und Hygieneregeln wieder drei bis vier Leute gleichzeitig in die Buchhandlung. Die Kunden freue es, nun auch wieder persönlich vorbeischauen zu können.

In die Zukunft blicke Inhaberin Götz trotz Corona und der Konkurrenz durch Versandriesen und Buchhandelsketten sehr zuversichtlich. „Wir besetzen mit dem Eselsohr eine Nische und haben ein tolles Team. Unsere Kunden wissen das zu schätzen“, sagt Götz.

Das Eselsohr ist schon zweimal als beste Kinder- und Jugendbuchhandlung Hessens ausgezeichnet worden und holte 2016 den dritten Platz beim Deutschen Buchhandlungspreis.

Und auch das weinende Kleinkind freut sich wieder und geht, als es schließlich sein neues Kinderbuch in den Händen hält, mit breitem Grinsen nach Hause.

http://www.eselsohr-buchhandlung.de

MARCEL SCHUFF

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