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Die Auswahl an Büchern ist beachtlich.

Immigrationsbuchmesse Frankfurt

Ein Buch für Isabella

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Zum ersten Mal gastiert die Immigrationsbuchmesse im neuen Historischen Museum. Es geht um afrikanische Weihnachtsmänner und Dokumentationen aus Syrien.

Zum ersten Mal konnte sich die Immigrationsbuchmesse am Wochenende ganz zentral im neuen Historischen Museum präsentieren und tatsächlich ist es gelungen, ein ganz neues Publikum zu gewinnen. „Als wir noch im Nordwestzentrum waren, kamen vor allem Freunde und Bekannte aus der Nachbarschaft“, erzählt Hamidul Khan, die Seele und das Herz der Messe.

Der 59-Jährige stammt aus Bangladesh. Als politisch Verfolgter kam er 1982 und blieb. „Das ist meine neue Heimat hier.“ Mit kleinen Lesungen hat er begonnen, bis die Idee einer eigenen Messe reifte. Die diesjährige war bereits die siebte. „In Bangladesh war ich Lehrer, jetzt arbeite ich bei einer Catering-Firma am Fließband“, beantwortet Khan die Frage nach der Berufstätigkeit.

Der Nachmittag zeigt, dass Khan mehr kann, als am Fließband stehen. Kenntnisreich und mit Augenmaß führt er Regie: Den Musikern, die sich im Hinterzimmer melden, ruft er zu, sie sollten „langsam, langsam“ machen. So ganz entrückt vom üblichen Buchmessen-Rummel hat sich im Sonnemann-Saal des Historischen Museums eine engagierte Fangemeinde gefunden, die sich allesamt der interkulturellen Idee verschrieben haben.

So wie Paula Abtt-Herberg und die Zeichnerin Doris Lerche, die den Weg ins Museum gefunden haben – die eine aus dem Nordend kommend, die andere aus dem Ostend. Beide arbeiten in einem interkulturellen Verein mit und wollen wissen, „wie es den Menschen geht, die hierher kommen“ und die „Vielfalt der Lebensentwürfe im fremden Land“ erkunden. Nie und nimmer wären sie mit diesem Anliegen in das Nordwestzentrum gegangen und so ist die Messe ihnen entgegengekommen.

Gedichte in drei Sprachen

Auf der Bühne trägt Sabrina Brancato Gedichte in drei Sprachen vor, etwa das vom Weihnachtsmann: Begleitet von einer Querflötistin und einem Geigenspieler, erzählt sie von der „gelben Weihnacht“ in Afrika. Dort sei es heiß im Dezember und der Weihnachtsmann komme mit seinen Geschenken aus dem Fluss. „Mein Weihnachtsmann ist so schwarz wie ich – und welche Farbe hat Deiner?“, fragt sie das Publikum, das sie mit freundlichem Applaus belohnt.

An den Wänden stehen schlichte Tische mit bunten Decken und vielen Büchern darauf. Hinter einem Tisch sitzt der Verleger Joachim Schäfer. Er betreut den syrischen Journalisten, der das Buch „Krieg und Chaos in Nahost: Eine arabische Sicht“ geschrieben hat. Er selbst sei vor allem viel mit Afrikanern zusammen und helfe mit, das Afrikanisch-Karibische Kulturfest am Rebstockbad zu organisieren.

Dann aber sind die Musiker an der Reihe. Zunächst müssen sie die Bühne um- und ihre Lautsprecher aufbauen. Für Hamidul Khan eine willkommene Gelegenheit, um „zehn Minuten Pause“ anzusagen. „Da haben die Leute Zeit, sich die Bücher anzuschauen.“ Ganz zufällig vorbeigekommen ist eine 34-jährige Ärztin, die als Baby nach Deutschland kam und ihre achtjährige Tochter mitgebracht hat. Die 34-Jährige, die auch sonst viel in der Literatur-, Kunst- und Musikszene unterwegs ist, spricht von einer „schönen Überraschung“. Jetzt wird sie gleich nach einem Buch für Isabella suchen.

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