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Es sieht gerade nicht so aus, aber beim Muddy Angel Run an der Commerzbank-Arena durfte frau auch klettern und laufen.

"Muddy Angel Run"

Viel guter Wille, mickrige Spenden

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Der "Muddy Angel Run" wirbt damit, Spenden für den Verein Brustkrebs Deutschland zu sammeln - bei den Betroffenen kommt allerdings nur ein Bruchteil an. Die Organisatoren verteidigen sich.

Als Kind gab es für so etwas Ärger von den Eltern, als Erwachsene gäbe es skeptische Blicke. Doch beim Muddy Angel Run lässt es sich ganz ungeniert im Schlamm wühlen. Auf einer fünf Kilometer langen Strecke rund um die Commerzbank-Arena laufen, kriechen, krabbeln und klettern knapp 11 000 Mädchen und Frauen durch Matsch und über Hindernisse.

„Mir graut es am meisten davor, unter diesen Gittern durchzutauchen“, sagt Denise Klassert. Die 40-Jährige aus Hainburg nimmt nicht nur wegen der Herausforderung an dem Hindernislauf teil: „Ich habe beruflich mit Brustkrebspatientinnen zu tun, weil ich medizinische Brustpigmentierungen mache. Es ist wichtig, auf das Thema aufmerksam zu machen.“

Der Muddy Angel Run wirbt damit, Spenden für den Verein Brustkrebs Deutschland zu sammeln. Neben Sport und Spaß ist das für einige Läuferinnen ein wichtiger Grund, 29 bis 49 Euro Startgeld zu zahlen. Dabei ist vielen gar nicht bewusst, dass lediglich ein Euro pro Ticket gespendet wird. Diese Information trübt kurz die gute Stimmung der neun Freundinnen aus Hochheim, die mit Team-T-Shirts und Tutus in der Sonne auf den Startschuss warten. „Das ist sehr traurig, das finde ich wirklich schade“, sagt Patrizia Cirillo (30) und erntet zustimmendes Nicken.

Sie seien davon ausgegangen, dass mindestens die Hälfte des Preises gespendet werde. 42 Euro haben sie fürs Mitmachen bezahlt, ein pinkfarbenes Stirnband mit der Startnummer und Wasser am Streckenrand inklusive. Wer weitere Andenken an den Muddy Angel Run möchte, bekommt sie am Merchandise-Stand.

Lara Waßmus (21) aus Riedstadt hat gerade 50 Euro für einen Pullover ausgegeben, ein Euro geht an den Verein Brustkrebs Deutschland. „Ich finde das genauso schlimm wie mit den Tickets. Die könnten schon die Hälfte spenden oder so“, sagt Waßmus. Cirillo aus Hochheim fasst zusammen: „Die Veranstalter machen Werbung mit Brustkrebs und kriegen dicke Taschen. Hier helfen doch sogar Leute freiwillig.“

Knapp 150 sogenannte Volunteers arbeiten an diesem Wochenende beim Muddy Angel Run in Frankfurt. Lohn für eine drei- bis siebenstündige Schicht ist ein kostenloser Startplatz. Julia Heinen ist Serienleiterin des Muddy Angel Run in Deutschland, Österreich und der Schweiz. In diesem Jahr organisiert sie elf Veranstaltungen für ihren Arbeitgeber Xletix. Hinzu kommen neun Muddy Angel Runs in anderen europäischen Ländern. Die Enttäuschung der Teilnehmerinnen über die Höhe der Spenden kennt Heinen: „Das ist ein bekanntes Missverständnis. Wir sind ja keine Charity-Veranstaltung. Wir sind eine Sportveranstaltung, die Erlebnis anbietet und das zu einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis.“ Spenden und Aufmerksamkeit für die Aufklärung über Brustkrebs versteht sie als Bonus der profitorientierten Veranstaltung. „Zudem vergeben wir 50 kostenlose Startplätze an Betroffene“, betont Heinen.

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