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Können sich weit aus dem Fenster lehnen: die Klangkünstler Sam Auinger und Bruce Odland.
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Können sich weit aus dem Fenster lehnen: die Klangkünstler Sam Auinger und Bruce Odland.

Frankfurts Geräusche

Brummende Kugel

  • Friederike Tinnappel
    VonFriederike Tinnappel
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Ein runder Lautsprecher soll über der Deutschherrnbrücke hängen und den Sound of Frankfurt reproduzieren. Auto- und Flugzeuglärm, Gesprächsfetzen und spielende Kinder verschmelzen zu einem Klangmix - in H und Fis.

Ein wohliges Wabern klingt über den Hinterhof des Physik-Professors Werner W. Lorke in Frankfurt-Bockenheim. Lorke ist für die technische Umsetzung eines Pionier-Projektes verantwortlich: Es geht darum, wie Frankfurt klingt, wie sich auditive und visuelle Wahrnehmung ergänzen. Es geht aber auch um einen anderen Umgang mit dem Lärm in der Stadt und ganz konkret um zwei meterlange Rohre und zwei große Kugeln, die an der Deutschherrnbrücke befestigt sind und den Sound of Frankfurt erzeugen sollen.

Die Klangkünstler Sam Auinger und Bruce Odland arbeiten schon seit Jahren zusammen. Sie schaffen einen akustischen Zugang zum öffentlichen Raum. In New York haben sie einen Würfel gebaut, auf dem man auch Sitzen kann. In erster Linie aber ist der Würfel ein Lautsprecher, der Klänge aus dem urbanen Alltag verströmt, die wie ein Anti-Stress-Programm wirken.

Das Gehirn kann Geräusche unterschiedlich wahrnehmen und verarbeiten, erläutert Auinger. Offenbar unterscheidet es angenehme von unangenehmen Geräuschen. Ein Symphoniekonzert wird in der Regel, anders als Fluglärm, nicht als Belästigung empfunden.

Die Deutschherrnbrücke ist eine zweigleisige Eisenbahnbrücke über den Main. Sie wurde 1911 gebaut, um den damals neuen Ostbahnhof mit dem Südbahnhof zu verbinden. Die beiden Rohre, die den Alltagslärm einsaugen werden, sind 5,48 Meter und 3,65 Meter lang und mit Mikrofonen bestückt. Die Rohre sind auf H und Fis gestimmt. Der Standort der Mikrofone ist entscheidend für den Klangmix, der über die beiden hoch über der Brücke verankerten Kugel-Lautsprecher das Ohr des Passanten erreicht. Beim Werkstatt-Termin am Dienstag gab die eine Kugel ein sympathisches Brummen, keine schrillen Töne, keine Dissonanzen von sich.

Natur unten, Lärmteppich oben

Auf der Brücke werden dann in Echtzeit Gesprächsfetzen, spielende Kinder, Autos, Flugzeuge und Schiffe zu hören sein – und natürlich die Bahn, die immer wieder drüber donnert.

Der Grüngürtel ist in diesem Jahre stolze 20 Jahre alt geworden. Grund genug, sich etwas Klangkunst zu gönnen. Lärm und Geräusche – das sei doch „ein großes Thema“, meint Klaus Hoppe, Leiter der Projektgruppe Grüngürtel. So viel Natur und dann oben die Flugzeuge und der Lärmteppich.

Das Brückenprojekt soll nur der Auftakt einer neuen Klang-Kultur sein. „Wir wollen gern mehr machen“, meint Hoppe. „Sonic Vista“ haben die Künstler ihr erstes Frankfurt-Projekt getauft und es ist, versteht sich, weltweit einmalig – weil „nirgendwo sonst Hör- und Sehraum zusammenfallen“, wie das Grünflächenamt schreibt. Der Blick von der Brücke auf die Skyline ist nämlich auch ganz nett.

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