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Der Weihnachtsmann freut sich.

Gallus, Höchst und Dornbusch

Brücken bauen bei Glögi und Rentiersuppe

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Weihnachtsmärkte in den Frankfurter Stadtteilen locken Tausende Besucher. Seit etwa 40 Jahren organisiert die finnische Gemeinde in Frankfurt am ersten Adventswochenende einen Weihnachtsmarkt an der Dornbuschkirche.

Zum ersten Adventswochenende haben in den Stadtteilen zahlreiche kleine Weihnachtsmärkte Tausende Besucher angelockt. Und natürlich wurde viel getrunken. Aber nicht überall dasselbe. Die Frankfurter Weihnachtsmärkte sie sind so heterogen wie die Stadtgesellschaft. „Glögi“ heißt der finnische Glühwein, der eigentlich gar kein Glühwein ist.

„Die Weinreben wachsen bei uns in Finnland eben nicht so gut“, räumt Katriina Wegener ein. Sie ist die Vorsitzende der finnischen Gemeinde in Frankfurt. Seit etwa 40 Jahren organisiert die Gemeinde zum ersten Adventswochenende einen finnischen Weihnachtsmarkt. Zum „Glögi“, ein warmer gewürzter Beerensaft, gab’s am Wochenende an der Dornbuschkirche Rentiersuppe, Flammlachs und weitere finnische Spezialitäten.

Zum „Vorglühen“ ist „Glögi“ an sich ungeeignet, wenn er denn nicht mit alkoholischen Getränken gestreckt wird. Für Tanja Helgert muss er das nicht sein. Glühwein schmecke ihr zu sehr nach Alkohol, sagt sie am Samstagnachmittag vor der Dornbuschkirche im Zelt sitzend. Die 23-jährige Studentin ist zusammen mit Steven Knoll zum Weihnachtsmarkt gekommen, den sie als Finnland-Fan vorstellt.

Nein, dort sei er noch nicht gewesen, berichtet Knoll, dafür habe er aber ein Jahr versucht, die Sprache zu lernen, weil er eben gerne hinwolle. Weihnachten möge er grundsätzlich nicht, sagt Knoll, „Glögi“ hingegen schon. Wenig später im Gallus. André Eisenbach nippt an seinem Glühwein und beschwert sich darüber, dass es im Gallus keinen zentralen Platz für Stadtteilfeste gebe.

Er steht im Hof des Autohaus Gruber an der Frankenallee, dem diesjährigen Festplatz des Weihnachtsmarkts vom Vereinsring Gallus. Seit 21 Jahren gibt es den kleinen Stadtteil-Weihnachtsmarkt, laut Vereinsring-Vorsitzendem Bernd Trempelmann zum ersten Mal mit afrikanische Spezialitäten. Die Togolesin Massan Tossou hat sie gekocht.

Direkt neben ihrem Stand schenkt der Karnevalsverein „Die Kameruner“ Glühwein aus. Auch Eisenbach gehört dem Verein an. Er sagt, dass sie vor kurzem neue Mitglieder aus Indien hinzugewonnen hätten und dass es wichtig sei, die neu hinzugezogenen Menschen im Europaviertel in die Vereine einzubinden. Der Weihnachtsmarkt sei dafür eine gute Möglichkeit, so der 41-Jährige.

Ortswechsel. Ralf Moritz steht am illuminierten Höchster Schloss vor einem Flammkuchen-Stand des Höchster Weihnachtsmarkts und erzählt, er sei vor drei Monaten nach Frankfurt gezogen. Gerade hat eine Band Weihnachtsjazz gespielt, nebenan läuft in einem Zelt der Film „Die Feuerzangenbowle“. Wieso er zum Weihnachtsmarkt des Vereinsrings gekommen ist statt den großen Frankfurter Weihnachtsmarkt zu besuchen? „Wo ist denn der große Weihnachtsmarkt?“, fragt Moritz. Er trinkt Kinderpunsch.

Im Zelt vor der Leinwand, auf dem „Die Feuerzangenbowle“ zu sehen ist, setzt Regine Altegoer zu ihrem zweiten Glühwein dieses Herbstes an. Es sei hier einfach „gemütlicher“ als auf dem großen Frankfurter Weihnachtsmarkt, sagt Altegoer, die im Nordend wohnt. Den Höchster Weihnachtsmarkt besuche sie schon seit Jahren.

Seit etwa 40 Jahren organisiere der Vereinsring Höchst den Weihnachtsmarkt, berichtet Vorsitzender Thomas Meder. In diesem Jahr hätten 48 Vereine teilgenommen. Besonders freut ihn am Samstagabend, dass auch der europäische Eskisehir-Verein aus Bockenheim mit einem Stand vertreten ist.

Der Verein setzte sich jahrelang für die Städtepartnerschaft zwischen Frankfurt und der türkischen Stadt Eskisehir ein, die dann vor zwei Jahren besiegelt wurde. Statt Glühwein gibt es am Eskisehir-Stand Salep. In der Türkei sei das ein „typisches Wintergetränk“, sagt Serkan Solmaz vom Verein. Er betont, der Weihnachtsmarkt sei eine gute Gelegenheit zum „Brücken bauen“.

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