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Fahrradständer in der Hegelstraße in Frankfurt.  

Nordend

Fahrradgaragen an der Hegelstraße

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Die Stadt eröffnet abschließbare Fahrradgaragen an der Hegelstraße. Drei Autostellplätze fallen dafür weg.

Die Konstruktion lockt Neugierige an. Die drei Boxen wirken wie riesige Brotkästen. Das Stahlgerippe ist mit Drahtgitter umgeben. Ein Dach aus rotem Wellblech hält den Regen ab. Im Innern stehen Radbügel, wie sie überall in der Stadt zu finden sind. An der Hegelstraße gibt es seit neustem Fahrradgaragen. Vier Räder haben in jeder Box Platz, insgesamt also zwölf. Verkehrsdezernent Klaus Oesterling hat das Bauwerk am Donnerstag offiziell eröffnet.

„In dicht bebauten Stadtvierteln wie dem Nordend gibt es kaum Stellplätze“, sagt Oesterling. Das gilt nicht nur für Autos, selbst Radfahrer haben es schwer, ein sicheres Plätzchen zu finden. „Nicht jeder hat einen Balkon“, sagt Oesterling launig.

Nutzer der neuen Garagen schieben ihr Zweirad einfach hinein und schließen es an. „Das Dach öffnet schön weit nach oben, da stößt man sich nicht den Kopf“, lobt ein Radfahrer. Dann schließt er den Deckel zu. So ist das Rad doppelt gesichert. „Da müsste man schon mit dem Schneidbrenner anrücken“, sagt Oesterling.

Es sind nicht einmal Luxusräder, die Nutzer dort unterbringen. Benjamin Korte etwa rollt mit dem Hollandrad an. Er ist froh, dass er sich künftig keine Gedanken mehr um sein Gefährt machen muss. Selbst einfache Räder sind diebstahlgefährdet, erzählen die Nutzer. Sogar über Generationen vererbte Kinderräder kommen weg. Außerdem Sattel, Luftpumpen, Einzelteile.

Für 380 Euro fünf Jahre Nutzungsrecht

23.000 Euro hat die Stadt in die Garage investiert. Die Bürokratie mutet recht komplex an. Die Nutzer haben eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) gebildet. Die hat mit der Stadt einen Überlassungsvertrag abgeschlossen. Jedes Mitglied zahlt einmalig 380 Euro. Dafür darf es die Garage fünf Jahre lang nutzen. Instandhaltung und Säuberung übernimmt die GbR selbst. Profit darf sie nicht erwirtschaften, also die Garage für teuer Geld weiter vermieten.

Das Ganze soll ein Modellversuch sein. Ein Jahr lang will die Stadt prüfen, wie das Angebot ankommt. Nicht nur bei den Nutzern, auch bei den Anwohnern. Selbst Kritiker sollen gehört werden, versichert Oesterling. Im Ortsbeirat 3 hat manch einer gemahnt, es komme einer Privatisierung des öffentlichen Raumes gleich, wenn die Stadt für Bürger Garagen errichte.

Oesterling sieht das nicht so. Wenn jemand sein Auto dort abstellt, ist das auch eine private Nutzung, sagt er. Außerdem bleibe das Areal selbst als Garage eine Fläche der Stadt, sie ist den Nutzern nur überlassen, nicht privatisiert. Obendrein könne die Stadt die Garagen auch schnell wieder abbauen.

Frankfurt hat sich an Rotterdam orientiert, da stehen 600 solcher Garagen. In Hamburg setzt man dagegen eher auf drehbare Radschränke, in die Nutzer ihr Rad einhängen. Da passen zwar mehr hinein, die Hangars seien aber auch höher, erklärt Oesterlings Referent Stefan Lüdecke. Das hätte sich nicht so gut in die Straße eingepasst. „Wir wollen, dass die Nachbarn noch aus dem Fenster schauen können.“

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