YesternDay02_171120
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Tanja und Alexander Huck kämpfen gegen die Lebensmittelverschwendung und wollen gleichzeitig soziale, regionale Projekte unterstützen.

Ernährung

Brot und Stückchen frisch von gestern

  • Kathrin Rosendorff
    vonKathrin Rosendorff
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Die Bäckerei Huck hat einen Laden mit ihrer Ware vom Vortag in Bockenheim eröffnet. Der Erlös geht an soziale regionale Projekte und ist ein Kampf gegen die Lebensmittelverschwendung.

Es hat sich sehr schnell rumgesprochen. Schon wenige Tage nach der Eröffnung bildet sich eine Schlange vor dem „Yesternday by Huck“ in Bockenheim. Es ist ein ganz besonderer Laden, denn hier gibt es ausschließlich Brot, Brötchen, Kuchen, Stückchen zu kaufen, die, wie auf der Holztheke zu lesen ist, „frisch von gestern“ sind. Vom Vortag also – und zwar zum halben Preis. Der Erlös wird nach Abzug der Kosten für regionale, soziale Projekte gespendet. „Es ist ein Herzensprojekt für uns“, sagt Tanja Huck.

Zusammen mit ihrem Mann Alexander Huck führt sie das von seiner Familie gegründete Frankfurter Unternehmen in dritter Generation. Alexander Huck betont: „Über 200 Kilo Brote, Brötchen und Kuchen bleiben jeden Tag in unseren zehn Filialen unverkauft. Und das, obwohl wir bereits an die Frankfurter Tafel und an regionale Bauern spenden, die es zur Tierfütterung nutzen.“ Auch die Steyler Ordensschwestern holten jeden Abend unverkaufte belegte Backwaren und verteilen diese an wohnungslose Frauen.

Es tue ihm weh, dass das Handwerksprodukt, für das seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sich die Nacht um die Ohren schlagen, im schlimmsten Fall in der Tonne landet. „Wir kämpfen nicht nur gegen die Lebensmittelverschwendung, sondern wollen auch den Wert von Lebensmitteln und Handwerk schärfen“, sagt Alexander Huck. Yesternday by Huck ist eine Kooperation. Das Konzept hat Christian Hunold entwickelt, der mit seiner Ladenbaufirma Bäckereien und Metzgereien deutschlandweit ausstattet. Vergangenes Jahr eröffnete Hunold die erste Filiale zusammen mit einer Bäckerei in Erfurt.

„Wir wünschen uns, dass wir den einen oder anderen Bäcker animieren können und es Yesternday irgendwann in jeder großen deutschen Stadt gibt“, sagt Alexander Huck. In Frankfurt kommt das Konzept bislang gut an. Eine Kundin sagt: „Ich finde die Idee sehr gut. Weil ich anderen Menschen helfen kann und weil es mich ärgert, dass so viel Essen weggeworfen wird. Ein Brot, das einen Tag alt ist, ist doch noch gut. Ich bin Single und esse nie ein ganzes Brot an einem Tag.“

Tanja Huck betont, dass die meisten Leute gezielt hierherkämen, weil sie das nachhaltige und soziale Angebot gut fänden. Neben der Kasse steht auch noch eine Spendenbox. „Ein Kunde hat ein Brot, das 1,75 Euro kostet, mit einem 20-Euro-Schein bezahlt und gesagt, dass wir das Restgeld an unser aktuelles soziales Projekt spenden sollen“, erzählt Tanja Huck. Dieses ist momentan „Kinderengel Rhein-Main“, ein Verein, der Familien mit schwer- oder lebensverkürzt erkrankten Kindern und Jugendlichen Lichtblicke im Alltag schenkt, indem er beispielsweise Kindern letzte Wünsche erfüllt. Alle sechs Wochen wechselt das Projekt.

Aber die Hucks wollen noch mehr. „Momentan arbeitet hier eine Mitarbeiterin, die alleinerziehend ist. Für sie sind die kürzeren Öffnungszeiten super, weil sie morgens ihr Kind zum Kindergarten bringen und es auch nicht zu spät abholen kann“, sagt Tanja Huck. Alexander Huck betont: „In Zukunft wollen wir hier noch mehr Menschen eine Chance geben, die es sonst auf dem Arbeitsmarkt schwer haben. Menschen mit Beeinträchtigungen oder Langzeitarbeitslose.“

Tanja Huck hat außerdem ein Buch geschrieben, das es Anfang Dezember in den Huck-Bäckereien zu kaufen gibt. „Unser vortägliches Brot.“. Auf über 170 Seiten gibt es Fotos und Rezepte, was man aus „alten“ Backwaren kreieren kann. „Von Pancakes über Kuchen bis zu vegetarischer Bolognese oder Milchshakes“, sagt die Autorin. Einige der Rezeptideen wie Müslitaler in Form von Puks soll es dann künftig auch hier zu kaufen geben.

Yesternday by Huck , Landgrafenstraße 3, Frankfurt. Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag von 10 bis 16 Uhr.

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