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Frankfurter Skyline mit Reflektion: Vom Brexit dürfte der Finanzplatz Frankfurt wohl eher profitieren. 

Wirtschaft in Frankfurt

Brexit stützt Finanzplatz Frankfurt

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Bis zu 10.000 neue Arbeitsplätze in der Finanzwirtschaft könnte der Brexit Frankfurt bescheren. Doch selbst dieser Zuzug dürfte den Arbeitsplatzabbau höchstens ausgleichen.

Anders als von manchem erhofft – und von vielen befürchtet – hat der bevorstehende Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union bislang nicht zum Zuzug Tausender bislang in London ansässiger Investmentbanker geführt. Zwar sind nach Zahlen der Finanzplatzinitiative Frankfurt Main Finance seit dem Referendum im Jahr 2016 im Zusammenhang mit dem Brexit immerhin 2000 neue Arbeitsplätze am Finanzplatz Frankfurt entstanden. Doch die Unternehmen, die ihre Standorte am Main vergrößerten, hätten diese Stellen zu 80 Prozent lokal besetzt, schätzt der Geschäftsführer der Standortinitiative Hubertus Väth im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau. Nur jeder fünfte Arbeitsplatz sei mit einem Beschäftigten besetzt worden, der nun von London aus pendele, oder von der Themse nach Frankfurt gezogen sei. Dieses Verhältnis könne sich allerdings verschieben, sobald das Vereinigte Königreich tatsächlich nicht mehr zur Europäischen Union gehört.

Väth hatte früh geschätzt, dass der Brexit dem Finanzplatz Frankfurt 10 000 zusätzliche Arbeitsplätze bescheren könnte. Daran hält er auch weiterhin fest. 48 Unternehmen der Finanzwirtschaft hätten bereits einen Antrag auf eine neue Bankenlizenz oder eine Erweiterung der Bankenlizenz gestellt. Mehr als 40 dieser Anträge seien bereits genehmigt. Zu den Banken, die ihr Geschäft in Frankfurt wegen des Brexits erweitert haben oder erweitern wollen zählen die US-Großbanken Goldman Sachs, J.P. Morgan, Morgan Stanley und Citigroup, vier der größten japanischen Banken, die Schweizer UBS, die russische VTB und die britischen Banken Standard Chartered und Lloyds. Komme es zu einem harten Brexit, könne die Zahl der Arbeitsplätze, die nach Frankfurt verlagert werden, noch steigen, schätzt Väth.

Die städtische Wirtschaftsförderung geht davon aus, dass der Brexit dazu führen könnte, dass innerhalb von zwei Jahren etwa 5500 Arbeitsplätze verlagert werden. Das werde den Finanzplatz Frankfurt stärken, aber nicht wachsen lassen, sagt deren Geschäftsführer Oliver Schwebel. Angesichts des bereits angekündigten Stellenabbaus in mehreren Frankfurter Instituten wäre er schon froh, wenn der Brexit-Effekt dazu führt, dass die Gesamtzahl der Beschäftigten in der Branche nicht sinkt. Mitte 2017 gab es in Frankfurt 66 478 sozialversicherungspflichtige Jobs in der Teilbranche Banken und Börse, etwas mehr als in den Jahren zuvor. Der Anteil der Finanzbranche an der Gesamtbeschäftigung Frankfurts sinkt aber seit Jahren.

Beim Maklerhaus JLL hält man den Frankfurter Büromarkt trotz seit Jahren sinkender Leerstandszahlen aufnahmebereit für Ansiedelungen in Folge des Brexits. Selbst wenn sich 45 Banken in Frankfurt etablieren wollten oder ihren Standort ausbauten, könne das damit verbundene Nachfragevolumen mühelos absorbiert werden, sagt Deutschlandchef Timo Tschammler. Allein an A-Flächen stünden in Frankfurt kurzfristig 267 000 Quadratmeter Büroraum zur Verfügung. Hinzu kämen 620 000 Quadratmeter, die im Bau seien. Von diesen seien allein im Bankenviertel noch 150 000 Quadratmeter zu haben.

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