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Eine Nilgänsefamilie watschelt am Beckenrand im Brentanobad. Das war im Sommer, jetzt sind es nur noch zwei Gänse.

Nilgänse

Im Brentanobad wurden keine Nilgänse gejagt

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Weniger Nilgänse auf der Wiese – in dieser Saison kam das Brentanobad ohne Jagd aus. Ob der Rückgang allein am Jäger lag, ist laut Vogelschutzwarte nicht erwiesen.

Am  Dienstag, 15. Januar, endet die offizielle Jagdzeit auf Grau-, Kanada- und Nilgänse. 2018 war das vorläufig ein Tag des Aufatmens fürs Federvieh im Frankfurter Brentanobad. Diesmal ist es anders: An den zurückliegenden 365 Tagen wurde dort nach Angaben der Bäderverwaltung keine einzige Gans geschossen – auch nicht außerhalb der Saison, obwohl eine Sondergenehmigung vorlag.

„Wir haben hier noch insgesamt zwei Tiere“, sagt Frank Müller, Geschäftsführer der Bäderbetriebe Frankfurt (BBF), „das ist so gering, dass wir keine weiteren Maßnahmen mehr ergriffen haben.“ Seit dem Sommer habe die Zahl der Gänse im Bad meist zwischen zwei und sechs gependelt, jedenfalls stets unter zehn gelegen, im Winter sei lediglich ein Paar geblieben. Müller: „Für uns besteht derzeit keine Veranlassung zur Jagd.“

Das sah im Sommer 2017 noch anders aus. Da ekelten sich sich Badegäste vor dem Kot der zahlreichen Gänse. Das Gesundheitsamt fand Bakterien in den Exkrementen und warnte vor Gefahren für Kleinkinder. Die Bäderbetriebe entschieden sich schließlich dafür, einige Gänse abschießen zu lassen.

„Damit haben wir bundesweit Aufmerksamkeit erregt“, blickt Frank Müller zurück, „und wir haben mit der geringen Bejagung etwas erreicht.“ Weil der Jäger beim Schießen die Berufsbekleidung der Schwimmmeister trug, hielten sich fortan die Tiere auch von den – natürlich unbewaffneten – BBF-Leuten fern, so lautet die Erklärung der Befürworter. Müller: „Unterm Strich kann man sagen: Das war eine Maßnahme, die für uns zum Erfolg geführt hat.“

Ob die Jagd tatsächlich ausschlaggebend war, lässt sich nach Ansicht von Dagmar Stiefel, Leiterin der Staatlichen Vogelschutzwarte, nicht ohne weiteres beurteilen. „Wo sich die Gänse aufhalten, ist nicht von einem einzigen Faktor anhängig“, sagt sie. So sei der Sommer 2018 viel trockener, das Gras auf der Liegewiese weniger verlockend gewesen als im Jahr zuvor. „Man müsste das genauer untersuchen, so wie wir es mit unserem Monitoring im Ostpark machen“, sagt Stiefel – wohl wissend, dass dieses Monitoring im Sommer ’18 aus denselben Gründen wenig aussagekräftig war: Zogen sich die Gänse zu großen Teilen aus dem Ostpark zurück, weil der Sommer so trocken war? Oder lag’s am viel belachten Gänsezaun, der in den ersten Wochen 2019 nun durch eine Gänsehecke ersetzt wird? Stiefel: „Das konnten wir wegen der Witterung nicht entscheiden.“ Das Monitoring im Park geht weiter, ebenso beobachten die BBF, wie es sich im Brentanobad entwickelt.

Mit Interesse verfolgen beide, Stiefel und Müller, das Projekt der Uni Gießen in Nordhessen. Dort sollen verschiedene Methoden in Kombination die Gänse im Zaum halten: weglocken, vertreiben, abschießen. Bauern wollen auch mit gezielten Pflanzungen arbeiten: Mais zum Vergrämen, weil er den Gänsen die Sicht nimmt, Futterpflanzen zum Anlocken an die Orte, an denen die Tiere wenig Schaden anrichten können. Ein Fortschritt, dass mehrere Methoden getestet werden, sagt Dagmar Stiefel.

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