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Peter Becker hat das leckerste Mittel gegen den Klimawandel: Wir essen ihn einfach auf.

Klimaschutz

Brennnessel-Rouladen gegen den Klimawandel in Frankfurt

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Im Zoo geht es am Wochenende um die Frage, wie wir in Zukunft leben wollen: Die vierte „Klima-Piazza“ zeigt Wege auf.

Dieser Sommer hat ein Thema, und das sorgt auch am kommenden Wochenende für Aufsehen. „Mensch und Tier im Hitze-Stress“ nennen das Umweltamt und der Zoo die vierte Auflage der „Klima-Piazza“ vom 16. bis zum 18. August. Es geht, natürlich, um den Klimawandel.

Schlimm, dass sich in der Natur gerade vieles zum Schlechteren wendet – aber gut, dass Peter Becker das Beste daraus macht: Essen. Der Wiesbadener Wildkräuterfachmann zeigt, wie man neu zugewanderten Pflanzenarten am besten zu Leibe rückt. Das Indische Springkraut etwa, auf Expansionskurs wie sonst nichts, verarbeitet er zu Gelee. „Das sind Pflanzen, die werden 3,50 Meter hoch“, schildert er. „Ich kappe sie bei 1,80 Meter, entferne unten alles, dadurch werden die Blüten oben größer, und ich kann ein Kilo Blüten pro Stunde ernten.“

Auf diese Weise kontrolliert er große Springkrautflächen – aus dem Kilo Blüten holt er die Zutaten für Gelee im Gegenwert einer hübschen dreistelligen Euro-Summe. Nimm dies, Neophyt!

Mit ähnlicher Taktik hält er die Goldrute im Zaum (wird zu Chutney) und macht Marmelade aus Mahonien. Ebenfalls im Angebot an seinem Piazza-Stand: „Mett vom Walde“ (aus veganer Leberwurst und Eicheln), Wildkräuter-Frischkäse, Brennnessel-Rouladen und Knöterich-Mais-Streuselkuchen. „Klimaneutral essen heißt die Devise“, sagt Becker und schwört unter anderem auf Eicheln statt Soja.

Von Freitag bis Sonntag, 16. bis 18. August, ist Klima-Piazza im Zoo, jeweils von 10 bis 18 Uhr.

Eine Klima-Safari durch den Zoo führt zu Tieren, die vom Klimawandel betroffen sind. Bei Schaufütterungen können Besucher auch mit den Tierpflegern ins Gespräch kommen. Die Erdferkel werden beispielsweise an allen drei Tagen um 12.30 Uhr gefüttert, Goldgelbe Löwenäffchen um 14.15 Uhr. Am Samstag und Sonntag sind Pinguine und Robben (14.45 Uhr) sowie die Brillenbären (12.30 Uhr) dran. Und am Sonntag um 11.30 Uhr kommt es im Exotarium zur Fütterung der Piranhas.

Die Piazza zwischen großem Weiher und Gesellschaftshaus informiert in diversen Hütten und an Ständen über Klima- und Tierschutz. In einem Zelt gibt es zu sehen, wie viele Tiere und Pflanzen der Zoll beschlagnahmt, weil illegal mit ihnen gehandelt wird.

Ein zaubernder Gemüsehändler (Stephan Hübner) erheitert und verblüfft die Gäste: Samstag um 13, 15 und 17 Uhr, Sonntag um 12, 14 und 16 Uhr.

Aber zurück zum Ernst der Lage. Schon am Dienstagabend platzte das Zoogesellschaftshaus schier unter dem Andrang der Gäste zur Auftaktveranstaltung mit dem Titel: „Es geht den Pflanzen wie den Menschen“. Da warnte Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) in der Diskussion mit Fachleuten abermals eindringlich vor den Folgen für die vertrocknenden Bäume, aber auch für Mensch und Tier, wenn wir nicht mehr für den Klimaschutz tun.

Am Mittwoch nun wirbt Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) um Besucher. „Die Klima-Piazza gibt Antworten auf die drängenden Fragen“, sagt sie. Etwa: „Was, wenn es keine Bienen mehr gibt?“ Vor allem solle die Piazza anregen, selbst aktiv zu werden. Umweltamtsleiter Peter Dommermuth hat Tipps: Fassaden, Dächer, Höfe begrünen. Mit Investoren zusätzliches Grün aushandeln.

„Manche überlegen schon, in eine weniger vom Klimawandel belastete Gegend zu ziehen“, berichtet der Amtschef. Ein Stadtplan auf der Piazza zeigt, warum: Gelb ist die vorherrschende Farbe auf der Frankfurt-Karte – „moderate Überwärmung“. Besucher können Stecknadeln dort hinterlassen, wo sie wohnen (schwarze Nadel), arbeiten (blau) oder Freizeit verbringen (rot). Juliane Zenner vom Umweltamt hat ein halbes Jahr Vorarbeit in die 2019er Klima-Piazza investiert. Kommt auch etwas zurück? „Ja, wir bekommen Rückmeldungen“, sagt sie. „Die Leute finden es zum Beispiel gut, dass sie hier selbst etwas machen können – und dass man nicht in jedem Haus gleich angesprochen wird.“ Die Klima-Piazza ist schließlich kein Schuhgeschäft. Allerdings kostet sie, weil sie im Zoo ist, Eintritt. Das findet nicht jeder gelungen.

Die einzelnen Häuser informieren über Stadtgestaltung, gesundes Leben, Landwirtschaft, Tiere, der „Wildniswagen“ des Projekts „Städte wagen Wildnis“ ist da, man kann sogar ein Tigerfell streicheln (ohne Tiger drin). Zoodirektor Miguel Casares als Gastgeber sieht die Natur in einem erschreckenden Zustand, den Klimawandel und den Verlust der Artenvielfalt als die großen Herausforderungen der Menschheit. „Die nächsten 20 Jahre werden zeigen, ob wir den Sprung zu einer klimafreundlichen Lebensweise schaffen“, sagt er. „Wenn nicht, wird es schwer.“ Der Zoo wolle als Bildungsstätte helfen.

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