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Blühstreifen neben dem Acker helfen der Artenvielfalt.
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Blühstreifen neben dem Acker helfen der Artenvielfalt.

Naturschutz-Initiative

Breites Bündnis für die Artenvielfalt

  • Thomas Stillbauer
    vonThomas Stillbauer
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Eine Onlinekonferenz zum Start der größten deutschen Biodiversitätskampagne hat begonnen. Die Initiative mit Sitz in Frankfurt fordert einen gesellschaftlichen Wandel.

Es geht nicht nur um die Natur, es geht ums Ganze: Am Donnerstag hat sich erstmals die „Forschungsinitiative zum Erhalt der Artenvielfalt“ (Feda) mit Sitz in Frankfurt der Öffentlichkeit vorgestellt. Es handele sich um das größte Forschungsprojekt zur Biodiversität, das es in Deutschland je gab, sagte Dirk Steffens, Moderator der digitalen „Kick-off-Konferenz“ zum Start. 350 Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten sich zu der zweitägigen Veranstaltung angemeldet.

Gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung will die Feda neue Ansätze zum Schutz unserer Lebensgrundlage finden. Ministerin Anja Karliczek (CDU) sagte in einer Videobotschaft: „Artenschutz ist unsere beste Daseinsvorsorge.“ 19 Einzelprojekte der Initiative sind bereits in der Förderung, von der Insektenvielfalt bis hin zur Bewertung des Naturkapitals.

Feda-Sprecher ist Volker Mosbrugger, bis vor zwei Wochen Generaldirektor der Senckenberg-Gesellschaft für Naturforschung. „Wir brauchen eine Transformation“, sagte er zum Auftakt der Konferenz. Seit mehr als 30 Jahren beschäftige sich die Forschung mit dem weltweiten Artenverlust. Öffentliche Aufmerksamkeit habe das Thema 2017 erhalten: Da zeigte eine Studie zum Insektensterben, dass rund drei Viertel der Biomasse im Vergleich zu 1989 verloren gegangen waren. Im Jahr darauf beschäftigte sich ein großangelegter Workshop damit; die Ergebnisse mündeten in die „Frankfurter Erklärung“, die Schritte gegen den Verlust der Biodiversität verlangte – darunter eine nationale Leitinitiative.

Die gibt es nun. Und sie will zunächst noch tiefer in die Forschung einsteigen, ehe sie Handlungsoptionen aufzeigt. Aber sie hat schon Ideen. „Die Transformation erfordert einen tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandel“, sagte Konferenzteilnehmerin Christine Fürst, Uni-Professorin für Nachhaltige Landschaftsentwicklung. „Wir müssen von der Zukunft aus ins Heute denken und der Gesellschaft eine Brücke ins Morgen bauen.“ Ein wichtiges Wort auf diesem Weg sei: Verzicht, und zwar auf alles, was die Vielfalt gefährdet – etwa in der Landwirtschaft.

Ein Punkt, den die Spitzenköchin und Bio-Unternehmerin Sarah Wiener unterstrich. „Die Landwirtschaft ist die Säule meiner Existenz“, sagte sie, „es wird nur leider das Falsche subventioniert.“ Der politische Rahmen müsse sich dringend ändern: „Was ist das für ein System, in dem die Bauern als einzige Berufsgruppe der Welt unter Preis produzieren – in dem sie ihre Produkte unter den Produktionskosten weggeben müssen?“

Landwirt Friedhelm Dickow, Kreisobmann im Bayerischen Bauernverband, verteidigte seinen Berufsstand: „Über Generationen ging es nur ums Überleben in der Landwirtschaft; Biodiversität war in der Ausbildung nicht so wichtig.“ Inzwischen gebe es aber große Anstrengungen, die Artenvielfalt zu fördern. „Wir brauchen den Zuspruch der Bevölkerung dafür, dass wir etwas für die Biodiversität tun. Aber wenn ich nur Flächen für die Natur zur Verfügung stelle, verdiene ich nichts.“

Die Konferenz, die am heutigen Freitag weitergeht, zeigt: Der Wandel muss alle Bereiche umfassen, er muss in die Köpfe, in die Bodenflächen, auf die Teller. „Das Erste, was wir machen müssen im Ernährungssektor, ist Bildung“, sagte Sarah Wiener. „Es ist die gebildete Mittelschicht, die sich nachhaltig ernährt.“

Naturschutz-Professorin Alexandra Klein schlug vor, Demonstrationsflächen für Landschaftsschutz zu schaffen. Der Biologe Christian Wirth gab der Hoffnung Ausdruck, „dass wir uns in zehn Jahren für den Biodiversitätsschutz nicht mehr rechtfertigen müssen“. Und Volker Mosbrugger fasste zusammen: „Bildung und Kommunikation sind der Schlüssel.“

Die Forschungsinitiative im Internet: www.feda.bio

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