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Die Brautkleider sind derzeit nur im Schaufenster zu sehen.

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Brautkleid zu Mundschutz

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Silke Scholz muss ihr Atelier früher als geplant aufgeben, will vorher aber noch anderen helfen

Seit zwei Wochen sind die Läden nun dicht. Davon ausgenommen sind nur Betriebe, die notwendig sind für das öffentliche Leben: Supermärkte, Apotheken, Tankstellen. Nicht zu dieser Liste gehören die Brautmodegeschäfte. Auch das Atelier von Silke Scholz ist seit zwei Wochen geschlossen. Ihre Angestellten musste sie nach Hause schicken.

„Wir sind abhängig vom gesellschaftlichen Leben“, sagt die Schneidermeisterin. Und genau das findet momentan nicht mehr statt. Abibälle, Hochzeiten – alles abgesagt oder verschoben. Ihre aktuelle wirtschaftliche Lage bezeichnet Scholz daher als eine „Katastrophe“. Vorige Woche meldete sie bei der Arbeitsagentur Kurzarbeit für ihre fünf Mitarbeiterinnen an, die in der Buchhaltung, als Schneiderin oder im Verkauf tätig sind. An Homeoffice sei in ihrem Beruf nicht zu denken, erzählt die 53-Jährige.

Die Angestellten „sollen jetzt erst mal ein wenig runterkommen“, sagt Scholz, denn auch für diese sei die Situation schwierig: Kurzarbeit bedeutet, dass sie auf bis zu 40 Prozent ihres Gehalts verzichten müssen – haben sie Kinder, stehen sie etwas besser da. Für Scholz selbst stellt dieser Schritt eine finanzielle Erleichterung dar, fortlaufende Kosten wie Ladenmiete und Lieferanten müsse sie aber dennoch bezahlen. Da sind auch die Förderprogramme des Landes Hessen nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

1989 kam Scholz aus Jena nach Frankfurt, absolvierte ihre Meisterausbildung als Schneiderin und eröffnete ihren eigenen Laden. Der war zuerst klein, wuchs aber, bis sie vor sieben Jahren in die Berliner Straße, gegenüber der Paulskirche zog. Ab 1000 Euro bekommt man eines der handgenähten Brautkleider.

Unter anderem eine Prinzessin ließ sich dort für ihre Hochzeit einkleiden: Viktoria Luise von Preußen. Auch für eine Fernsehproduktion hat Silke Scholz schon genäht. Aktuelle Aufträge werden zwar noch ausgeliefert, in der nächsten Zeit dürfte die Nachfrage nach Kleidern allerdings gering bleiben, fürchtet Scholz: „Ich glaube, die Leute haben erst mal andere Sorgen als Klamotten zu kaufen.“

Die Schneidermeisterin hat beschlossen, ihren Laden aufzugeben. Diese Entscheidung stand schon länger fest, doch eigentlich sollte erst im Herbst Schluss sein. Wegen der Corona-Krise müsse sie früher als geplant räumen – möchte aber weiter schneidern: „Ich will mich wieder verkleinern und zu den Wurzeln zurückkehren“, kündigt sie an.

In der nächsten Woche werden ihre Mitarbeiterinnen – sicherheitshalber in Einzelschichten – in den Laden zurückkommen und beim Einräumen der Kleider helfen. Doch auch für eine gute Tat wolle sie die Zeit noch nutzen: „Wir haben einen wunderbaren Stoff“, sagt Scholz. Aus dem möchte sie Mundschutze nähen und verschenken – zum Beispiel an die Kassierer im Supermarkt um die Ecke.

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