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„Der Zug der Volksvertreter“, das Gemälde von Johannes Grützke, im Erdgeschoss des Gebäudes.

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Es braucht ein Konzept

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Eine Beschreibung der Ruhmesgeschichte reicht nicht - die Idee vom Demokratiezentrum muss mit Inhalt gefüllt werden.

Als Frankfurt nach dem Zusammenbruch der nationalsozialistischen Terrorherrschaft in weiten Teilen in Trümmern lag, spielten Symbole eine große Rolle. Sie sollten den Menschen Mut machen, ihnen helfen, den Aufbau einer neuen demokratischen Gesellschaft zu beginnen.

Eines dieser Symbole war in den ersten Jahren nach 1945 die Paulskirche. Nicht umsonst setzte der damalige Oberbürgermeister Walter Kolb (SPD) alles daran, bis zum 100-Jahre-Jubiläum der ersten Nationalversammlung 1948 den Kuppelbau wieder zu errichten. „Wir müssen die Paulskirche wieder aufbauen, von außen und von innen, im Stein wie im Geiste“, sagte der Sozialdemokrat in einem berühmt gewordenen Aufruf, in dem er um Spenden für die Sache warb.

Der Geist der Paulskirche: Er ist seither in unzähligen Reden im Kuppelbau beschworen worden, vom Dichter Fritz von Unruh 1948 über den US-Präsidenten John F. Kennedy 1963 bis hin zum Europäer Daniel Cohn-Bendit 2016. Der Grüne war vor seinem Auftritt im Internet mit dem Tode bedroht worden.

Dieses Beispiel macht unmissverständlich klar, mit welcher Härte Rechtspopulisten wie Rechtsradikale heute demokratische Werte wie Redefreiheit und Toleranz bekämpfen. Gegen diese Angriffe den Geist der Paulskirche zu setzen, ist wichtig.

Nur muss die Idee vom Demokratiezentrum, respektive Dokumentationszentrum, nun erst einmal mit Inhalt gefüllt werden. Es braucht ein Konzept. Das muss in den nächsten Monaten entwickelt werden. Und der Ansatz von OB Peter Feldmann, in diese Debatte die gesamte Stadtgesellschaft einzubeziehen, ist richtig.

Der Auftakt der Diskussion verläuft durchaus vielversprechend. CDU und Grüne, die Partner der Sozialdemokraten in der Römer-Koalition, signalisieren grundsätzliche Zustimmung. Die Konflikte werden dann beginnen, wenn es darum geht, was das Demokratiezentrum leisten soll.

Bei einer bloßen Beschreibung der ruhmreichen Geschichte der Paulskirche darf diese Institution nicht stehenbleiben. Stattdessen sollte sie sich tatsächlich mit aktiven Beiträgen, mit Veranstaltungen, Diskussionen und anderem in den Kampf um demokratische Werte einschalten.

Es ist zu hoffen, dass die Stadt die Unterstützung der Bundesregierung gewinnt, wenn sie dieses Projekt vorantreibt. Denn 70 Jahre nach der Wiedereröffnung des Kuppelbaus muss der Geist der Paulskirche mehr sein als nur eine leere Hülle. Der Zeitplan, bis 2023, dem 175. Geburtstag der Paulskirche, das Demokratiezentrum zu schaffen, bleibt ehrgeizig. Wenn die Politik sich einig ist, kann es dennoch gelingen.

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