Frankfurt

Brandstiftung mit Eventcharakter

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Prozess gegen notorischen Problembesucher des iranischen Generalkonsulats.

Am 17. Januar dieses Jahres beschließt Mahdi I., seinen „Protest der Welt kundzutun“. Also kauft er im Aldi hinter der Flüchtlingsunterkunft in Worms, in der er wohnt, ein Stück Seife, schnappt sich sein Fahrrad, eine Küchenreibe und einen leeren Kanister und setzt sich in den Zug nach Frankfurt. Vom Hauptbahnhof radelt er zum iranischen Konsulat. Unterwegs will er an einer Tankstelle noch einen Liter Benzin in den Kanister füllen, muss aber wegen der Mindestabgabe zwei Liter tanken. Mit der Reibe raspelt er die Seife ins Benzin, dann radelt er zum Konsulat, kippt die Petroschmiere auf die Steintreppe und zündet sie an. Eine Polizeistreife vor Ort sieht dem Treiben etwas ratlos zu, löscht den Brand mit einem Handfeuerlöscher und nimmt I., der sich die Hand verbrannt hat, vor Ort fest.

Er habe nie jemanden verletzen wollen, beteuert der 22 Jahre alte I. am Montagmorgen vor dem Amtsgericht, wo er sich wegen lebensgefährdender Brandstiftung verantworten muss - zur Tatzeit befand sich der Pförtner im Konsulat. Er habe aber auch das Konsulat nicht abfackeln wollen. „Ich habe gedacht, wenn ich festgenommen werde, kommen die Reporter“ und fragten ihn nach seinen Motiven. Es kam aber keiner. Was I., der nach eigenen Angaben 2015 als Flüchtling „über den Bodensee“ nach Deutschland kam, nicht ahnen konnte: Die einzige Flüssigkeit, die um 4.30 Uhr morgens in Deutschland Reporter anzulocken vermag, ist Freibier.

Zur Gerichtsverhandlung sind auch keine Reporter erschienen, nur einer, der hiermit der Welt I.s Motive kundtut: Der Iran sei „ein terroristisches Land“, in dem es „keine Meinungsfreiheit“ gebe. Von Religionsfreiheit ganz schweigen.

Ebenjene habe er, sagt Mahdi I, der laut eigener Aussage eine glückliche Jugend als Goldschmied, Motorradrennfahrer und Sohn eines schiitischen Geistlichen verbrachte, in seiner persischen Heimat vermisst, als er sich entschlossen habe, zum Christentum zu konvertieren. Dieses könne er in Deutschland nun aber ungeniert ausleben, auch wenn sein Credo etwas radikalreformatorisch klingt: „Jesus Christus steht nicht nur für das Christentum, sondern für alle Religionen!“

„Challenges“ gegen Mullahs

Er sei zudem noch Anhänger von „Restart“, sagt I., einer außerparlamentarischen iranischen Oppositionsorganisation, die von einem gewissen Seyed Mohammad Hosseini gegründet wurde und von diesem aus seinem US-Exil geleitet wird. Hosseini sei kein Gott, stellt I. vor dem Amtsgericht klar, verfüge aber über gottgleiche Attribute: „Er akzeptiert jede Religion!“ Und: „Er redet mit niemandem, aber alle hören ihm zu!“ Zudem habe Hosseini im Gegensatz zu Gott 30 Millionen Follower auf Telegram, er sei einer davon.

Hosseini, der sich im Internet gerne mal als „Donald Trump des Iran“ bezeichnet, hat zumindest trumpeske Ideen. So rief der ehemalige Game-Show-Moderator seine Anhänger zu so bizarren Aktionen wie der „Paint-Ball Challenge“ (Botschaften beschmieren), „Rock Challenge“ (Botschaften beschmeißen) oder „Fire Challenge“ (Botschaften abfackeln) auf. Die Rock- und die Paintball-Challenge hatte Mahdi I. bereits voriges Jahr erfolgreich am iranischen Konsulat absolviert und war dafür vom Amtsgericht mit 40 Tagessätzen à fünf Euro ausgezeichnet worden.

Angesichts dessen und der Tatsache, dass I.s Seifensuper laut LKA-Gutachten eher dazu geeignet gewesen wäre, die Steintreppe vor dem Konsulat zu säubern statt zu verbrennen, verurteilt das Gericht Mahdi I. lediglich wegen versuchter Sachbeschädigung zu einer Gesamtstrafe (für Paint-Ball-, Rock- und Fire Challenge) von 60 Tagessätzen à zehn Euro. I. schwört, künftig keine Sachbeschädigungen, sondern sein Abitur zu machen. Der Weg dahin ist weit. Die Frage des Staatsanwaltes, ob er wisse, was geschehen könne, wenn Feuer auf brennbares Material treffe, verneint Mahdi I. vehement: „Ich bin doch kein Mediziner!“

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