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Letzte Arbeiten im Ratskeller am Bornheimer Hang.

Gastronomie in Frankfurt

Bornheimer Ratskeller öffnet wieder

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Viele Jahre lag der Bornheimer Ratskeller in Frankfurt brach. Nun soll das denkmalgeschützte Ensemble an der Kettelerallee voraussichtlich Mitte Juni wieder öffnen.

Nach jahrelangem Stillstand wird der Bornheimer Ratskeller voraussichtlich Mitte Juni wiedereröffnet. Der größte Teil der Umbauarbeiten an dem historischen Ensemble an der Kettelerallee ist abgeschlossen. Im Inneren läuft der Ausbau. Der Innenhof muss noch gemacht werden.

Angepeilt sei, die ersten Gäste mit Anpfiff der Fußball-WM zu bedienen, sagt Mario Furlanello, der das Lokal mit den Architekten Jens Boderke und Michael Kleinert betreiben will. Im Sommer 2013 hat das Team den Übernahme-Zuschlag von der Stadt erhalten. Es ist verpflichtet, das denkmalgeschützte Ensemble instand zu setzen. Dafür verzichtet die Kommune 20 Jahre auf den Erbbauzins (die FR berichtete).

Von außen präsentiert sich das Gasthaus frisch gestrichen. Die neuen Betreiber haben das Gebäude kernsaniert und um zwei Stockwerke aufgestockt, sagt Boderke – so wie der Ratskeller früher war, bevor eine Bombe eingeschlagen ist. Im ersten Stock gibt es einen Saal für 80 Personen, darüber ein verglaster Raum für 30 Personen. Kleinere Vereine und Gruppen aus dem Stadtteil hätten bereits Interesse bekundet.

Der Gastraum im Erdgeschoss wird derzeit fertiggestellt. Architekt Boderke wartet auf die geräucherten Eichendielen. Die Arbeiten an den Wänden sind beendet. Das Mauerwerk liegt frei. Ein Teil zeige große Sandsteine, ein anderer Backstein. „Daran kann man ablesen, wo die Bombe runtergegangen ist und was nachträglich entstanden ist.“ Gearbeitet wird noch an der Küche, die durch ein Fenster zum Gastraum einsehbar bleibt.

Fertig ist das Wohnhaus, das zum Ensemble gehört. Im Erdgeschoss ist Platz für den Hausmeister. In den oberen Etagen gibt es eine WG für sechs Personen. Drei Studenten und ein Azubi-Koch sind bereits eingezogen, sagt Boderke. Auch künftig soll die Maisonette-Wohnung an Studierende und Auszubildende vergeben werden. „Wenn die mal bei uns als Kellner arbeiten, hätten wir nichts dagegen.“

Der Innenhof wird momentan als Zwischenlager für Baustoffe und Schutt genutzt. Dort möchte das Team zwischen den alten Kastanien Tische und Stühle stellen. Die den Hof umgebende Pergola werde auf Vordermann gebracht, sagt Boderke. Einbauten wurden entfernt. Der Biergarten soll Platz für 600 Besucher bieten und durch einen zweiten Eingang vom Bornheimer Hang aus zugänglich sein.

Ursprünglich sollte das Lokal bereits im Herbst öffnen. Es habe jedoch unerwartete Verzögerungen gegeben, sagt Boderke. Ein Teil des Gasthauses habe kein Fundament gehabt, mit dem Denkmalamt waren viele Absprachen nötig. Für die Fenster hätten Mustervarianten angefertigt werden müssen, „das kostet Zeit“.

Noch Zeit benötigt auch Mario Furlanello, der sich um die Bewirtung kümmert. Derzeit ist er in Hessen unterwegs, um Anbieter zu finden, die auf Qualität setzen und seine Wünsche berücksichtigen. Im Odenwald habe er eine Molkerei gefunden, die Milch von freilaufenden Kühen beziehe, „ohne Glyphosphat“. Kräuter bestelle er in Preungesheim, Apfelwein und -saft in Griesheim.

Die Speisekarte werde „Ausdruck der Saison“ sein. Im Winter werde es vor allem Wurzelgemüse geben, keine Blattsalate, dafür Variationen aus Kürbis und Roter Beete. „Gastronomischer Handwerksbetrieb“, wie es auf der Visitenkarte steht, fasse das geplante Angebot zusammen, sagt Furlanello. Soll heißen: Im Grunde wolle er kochen wie zur Gründungszeit des Ratskellers.

Das Lokal möchte etwa ganze Tiere geliefert bekommen, die dann der eigene Metzger vor Ort zerlegt und verwertet. Dementsprechend werde es nicht nur Lende gebe, sondern auch mal Aspik, geschmorte Bäckchen oder Bratwurst. Knochen werden nicht weggeworfen, „daraus werden Fonds gekocht“.

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