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Ab 2020 wird das Parken in ganz Bornheim kostenpflichtig. 

Frankfurt-Bornheim

Bornheim: „Wo will man gerne verweilen?“

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Ortsvorsteher Hermann Steib über den öffentlichen Raum, das neue Familienbad und die schwierige Suche nach Schulstandorten.

Herr Steib, das Parken in ganz Bornheim soll nun Geld kosten. Die Stadt hat das Konzept der Parkraumbewirtschaftung im Sommer vorgestellt. Sind Sie zufrieden mit der Regelung?

Wir hatten uns ja seit Jahren gewünscht, dass es auch im nördlichen Bornheim Bewohner-Parken geben soll. Bei der Knappheit der vorhandenen Flächen ist es sinnvoll, dass der Rest „bewirtschaftet“, also kostenpflichtig werden soll.

Es gab Kritik, etwa dass Krankenpfleger und Mitarbeiter des Bethanien-Krankenhauses sich die Gebühren nicht leisten können werden. Doch auch für Handwerker soll es keine Ausnahmeregelungen geben. Halten Sie das für richtig?

Eines der wichtigsten Ziele aus lokaler Sicht ist, solche Parker herauszuhalten, die einfach ihr Auto abstellen und woanders ihrer Tätigkeit nachgehen. Für die örtlichen Beschäftigten haben wir eine Regelung in Zusammenarbeit mit den Unternehmen angeregt. Auch die Dienstleister sollen ihrer Tätigkeit nachgehen können, selbst wenn sie dazu ein Fahrzeug brauchen.

Lange beschäftigt hat den Ortsbeirat auch das geplante Familienbad, das ab Frühjahr neben der Eissporthalle entstehen soll. Viele Mitglieder des Ortsbeirats und Bürger sind unzufrieden mit der Planung, dass es kein Außenbecken und kein Schiebedach geben wird. Teilen Sie die Bedenken?

Für einen bruchlosen Übergang vom Panoramabad zum neuen „Familienbad“ musste eine Fläche gefunden werden, die bebaubar und erschlossen ist. Der Bauplatz, der gefunden wurde, hat keinen Platz für ein Außenbecken. Gleichwohl wird es dort mehr Wasserfläche geben als vorher. Das „Schiebedach“ war ein Kompromiss und sollte die Nutzung im Sommer attraktiver machen. Dass es nicht kommen soll, hat viele verärgert.

Sobald das neue Schwimmbad steht, wird das Panoramabad durch Wohnungen ersetzt. Auch im Ostend entstehen derzeit hunderte von Wohnungen. Schafft die Stadt im gleichen Maßen Infrastruktur – etwa Schulen und Betreuungsplätze?

Bei größeren Bauvorhaben werden heute auch Flächen für Kinderbetreuung mit eingeplant. Da bin ich optimistisch – bis zum Beweis des Gegenteils. Mitunter werden diese Dinge ja nicht gleichzeitig mit der Wohnbebauung fertig, oder es ziehen mehr Leute mit Kindern ins Quartier als gedacht. Mit Sorge betrachte ich die Grundschulkapazität in den neuen Quartieren in der Nähe des Osthafens. Da ist man auf der Suche, aber wir haben noch keine Erfolgsmeldung. Außerdem sucht man im Osten noch einen neuen Gymnasialstandort. In den rasch wachsenden Quartieren bleibt sicher auch die Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum ein Thema. Das heißt, wo will man gerne mal verweilen?

Gebaut wird vor allem rund um den Ostbahnhof. Ist das Angebot des Einzelhandels dort ausreichend?

Vor Jahren war auf dem Gelände des „Honsell-Dreiecks“ östlich des Bahndamms, das gerade bebaut wird, ein Einkaufszentrum im Gespräch. Da gab es Kritik wegen Überkapazität. Mittlerweile gibt es große Lebensmitteleinzelhändler in der Louis-Appia-Passage gegenüber der EZB und in der Ferdinand-Happ-Straße. Grundversorgung ist also vorhanden.

Zur Person

Hermann Steib(Grüne), 66 Jahre, Diplom-Volkswirt, ist seit März 2016 Ortsvorsteher im Ortsbezirk 4. Das Gremium ist für die Stadtteile Bornheim und Ostend zuständig. Im Ortsbezirk leben rund 60 000 Einwohner.

Im Ortsbeirat 4gibt es derzeit acht Fraktionen und Wählervereinigungen. Stärkste Partei ist die SPD mit fünf Sitzen, Grüne und CDU haben jeweils vier, die Linke zwei. FDP, Ökolinx, BFF und Die Frankfurter haben je ein Mandat.

Die erste Sitzungim neuen Jahr ist am Dienstag, 21. Januar, 19.30 Uhr, im August-Stunz-Zentrum, Röderbergweg 82 (Ostend).

Wie steht es um die Geschäfte auf der oberen Berger Straße? Hat sich die Situation nach der Fertigstellung des ehemaligen Saturn-Areals verbessert?

Nach der Eröffnung der neuen Geschäfte im ehemaligen Saturn hat sich die sogenannte Fußgängerfrequenz in diesem Bereich wieder erhöht; manchen ist sogar schon wieder zu viel Verkehr. Auf der anderen Seite haben dort die Leerstände bei kleineren Läden nicht nachgelassen. Hier spielen aus meiner Sicht zwei Faktoren eine Rolle: Erstens das veränderte Kaufverhalten mit Internet und so weiter. Zweitens gibt es wohl immer noch eine Diskrepanz zwischen den Erwartungen von Vermietern und potentiellen Gewerbetreibenden.

Der Gewerbeverein hat zudem eine Kümmerin eingesetzt, die sich um das Äußere der Einkaufsmeile und der Seitenstraßen sorgt. Ein richtiger Schritt?

Die Berger Straße steht als innerstädtische Einkaufsstraße auch im Wettbewerb mit Einkaufszentren. Dort ist alles aus einer Hand professionell organisiert. Das betrifft sowohl Vermietungsstrategien als auch den Umgang mit Baumängeln und Sauberkeit. Im öffentlichen Raum geht ja auch mal was kaputt oder es liegt was herum. Für Ehrenamtliche im Gewerbeverein ist es eine Herausforderung, damit umzugehen und Korrespondenzen mit Ämtern zu führen. Die Kümmerin bietet hier – auf Teilzeitbasis – professionelle Unterstützung.

Während sich die Geschäftsleute selbst helfen, haben die Vereine zu kämpfen. Derzeit versuchen sie, im Bunker in der Petterweilstraße einen Stadtteiltreff zu gründen. Müsste die Stadt da den Ehrenamtlichen entgegenkommen?

„Musik wird störend oft empfunden…“, wusste schon Wilhelm Busch. Bunker sind – entgegen ihrer ursprünglichen Bestimmung – natürliche Übungsorte für Spielmannszüge und allerhand Musikgruppen. Zudem fehlt für kleine Vereinstreffen und Koordinierungsarbeiten für die Vereine ein Ort. Das Bürgerhaus, der „Saalbau Bornheim“, scheint hier wegen der Anforderungen an einen wirtschaftlichen Betrieb zu unflexibel. Deswegen sind die Vereine seit Jahren hinter eigenen Räumen her. Dass der Bunker in der Petterweilstraße einerseits wegen Brandschutzanforderungen und andererseits wegen ewiger Entscheidungswege seit Jahren nicht entsprechend genutzt werden kann, ist ein Trauerspiel.

In der vergangenen Sitzung des Ortsbeirats haben Sie einen Rundweg zu ehemaligen jüdischen Einrichtungen angestoßen. Viele haben bereits zugesagt, mitwirken zu wollen. Ist das eine positive Entwicklung?

In einer Stadt, die sich so schnell ändert und wächst wie Frankfurt, gibt es großen Bedarf zu wissen was war. Das zeigen die vielen gut gebuchten Stadtführungen. Zugleich ist die Erinnerung an die gewaltsame Vernichtung des großen jüdischen Erbes im Ostend wachzuhalten. Es sollen Formate gefunden werden, mit denen auch Alleinreisende den Stadtteil erforschen können, beispielsweise eine App. Es gibt eine Reihe engagierter und qualifizierter Akteure in der Stadt, die zu solchen Formaten beitragen können. Wir haben beim Magistrat angestoßen, dass er die nötigen Arbeiten koordinieren und vorantreiben soll. Ich freue mich hier auf eine spannende Zusammenarbeit.

Wann rechnen Sie mit der Fertigstellung?

Man wird sich über Breite, Tiefe und Aufbereitung der Informationen ebenso einigen müssen, wie darüber, wer was beiträgt. Danach braucht man eine Phase der technischen Umsetzung, also beispielsweise Programmierung. Welches Ziel soll man sich setzen? Ich sage mal: Es wäre schön, wenn man es bis zum ökumenischen Kirchentag im Mai 2021 ausrollen könnte.

Interview: Boris Schlepper

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