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Leiterin Petra Eppinger-Arnold stellt die Arbeit und Einrichtung vor.

Bornheim

Frankfurt Bornheim: Ein Zuhause für Mädchen in Not

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In der Inobhutnahme in Bornheim kümmern sich Betreuerinnen um bis zu zehn Mädchen, die aus Kinderschutzgründen aus ihren Familien geholt werden mussten. 

Im rot gestrichenen Eingangsbereich stehen ein Billardtisch und eine Tischtennisplatte. Im hinteren Bereich folgen eine Küche und ein weiträumiges Esszimmer. Geht man durch die Terrassentür, kommt man in einen kleinen Garten mit blühenden Blumen. Die idyllische Beschreibung des Erdgeschosses der Inobhutnahme Bornheim lässt nicht die oftmals bitteren Schicksale der Mädchen erahnen, die hier wohnen.

Zehn Plätze bietet die städtische Einrichtung, aktuell seien neun belegt, so die Leiterin Petra Eppinger-Arnold. Die Auslastung lag auch 2018 bei 90 Prozent. „Die Nachfrage ist manchmal sogar höher als unsere verfügbaren Plätze“, sagt Eppinger-Arnold über das im Herbst 2017 in Betrieb genommene Haus. Alle in Obhut genommenen Kinder und Jugendlichen kommen aus Kinderschutzgründen in die Einrichtung. Eigentlich immer liege eine Kindeswohlgefährdung vor. Manche der Mädchen haben Gewalt erlebt oder die Eltern waren mit der Erziehung überfordert. „In den meisten Fällen war die Familienhilfe schon vorher aktiv.“

Nach Bornheim kommen nur Mädchen im Alter von 12 bis 15 Jahren. In Höchst gibt es eine weitere Inobhutnahme für Jungen im selben Alter. Für Kinder, die jünger sind, gibt es eine Einrichtung in Rödelheim. „Die Geschlechtertrennung macht es einfacher“, sagt die Leiterin. Zum einen wegen der Pubertät und möglicherweise entstehenden Eifersuchtsdramen. Zum anderen wegen der Gewalt, die manche der Mädchen durch oftmals männliche Personen erfahren haben. Aus diesem Grund sind auch alle Betreuerinnen der Einrichtung weiblich. Auch die Altersspanne von 12 bis 15 sei bewusst enger gehalten, da die Kinder in diesem Alter andere Grenzen brauchen und andere Bedürfnisse haben.

Normale Alltagsstruktur in der Inobhutnahme

Wichtig sei es, den Mädchen ein strukturiertes Umfeld zu bieten. Einmal pro Woche, am Montag, gibt es einen Gruppenabend, an dem alle Bewohnerinnen teilnehmen. Dabei dürfen die Mädchen Wünsche äußern oder Vorschläge machen, etwa bei der Gestaltung des Essens. Ansonsten gebe es eine normale Alltagsstruktur. Zwischen 6 und 7 Uhr stehen die Kinder auf. Es folgt ein Frühstück, anschließend geht es in die Schule. 

Das Mittagessen ist offen gestaltet, da die Mädchen zu unterschiedlichen Zeiten aus der Schule kommen. Am Nachmittag ist Zeit für die individuelle Freizeitgestaltung, wobei viele zum Sport in Vereine gehen. Wer will kann Angebote in der Inobhutnahme nutzen. Um 18.30 Uhr müssen alle zum Abendessen anwesend sein. Danach dürften die Kinder nochmals raus, bis um 21 Uhr jede wieder da sein muss. Ab 22 Uhr beginnt die Zimmerzeit.

Rund um die Uhr ist jemand vom Betreuerteam in der Einrichtung. Gerade am Abend und in der Nacht haben die Mädchen häufig Zuwendung nötig. Es ist die Zeit, in der sie traurig werden oder aus einem Alptraum erwachen. Mit welcher Ausstattung die Kinder nach Bornheim kommen, sei höchst unterschiedlich. „Manche kommen mit zwei Koffern, andere kommen ohne etwas“, sagt Eppinger-Arnold. Es komme darauf an, ob die Inobhutnahme kurzfristig erfolgen musste. Wer nichts dabei hat, bekommt in der Einrichtung eine Grundausstattung. Kleidung und Hygieneartikel habe man vor Ort.

In vier Wochen entsteht oft eine tiefe Bindung

Was schlussendlich mit den Mädchen passiert, werde in enger Kooperation mit dem Jugendamt entschieden, denn das Amt habe letztlich die Verantwortung. In einigen Fällen gehen die Kinder zurück in ihre Familien. In anderen müsse eine sich anschließende Einrichtung gesucht werden. Denn in der Regel sind die in Obhut Genommenen nur vier Wochen in Bornheim. Unter Umständen dauere ein Aufenthalt aber auch länger. „Manchen Kindern fällt es schwer von uns zu gehen“, berichtet Eppinger-Arnold. Auch bei den Betreuern entstehe eine Bindung zu den Kindern, so dass ihnen der Abschied ebenfalls schwer falle. Viele der Mädchen schreiben später noch Briefe und halten Kontakt zu den Betreuern.

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