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Peter Völker gehört seit 40 Jahren dem Vorstand der Turngemeinde Bornheim an, die ihr Sportcenter in der Inheidener Straße hat.
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Peter Völker gehört seit 40 Jahren dem Vorstand der Turngemeinde Bornheim an, die ihr Sportcenter in der Inheidener Straße hat.

Bornheim

TG Bornheim: Abschied von Peter Völker

  • Fabian Böker
    VonFabian Böker
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Der gelernte Bankkaufmann Peter Völker hört nach 40 Jahren im Vorstand der TG Bornheim auf. Er hat die Turngemeinde zu einer der Vorzeigevereine Hessens gemacht.

Als Peter Völker 1981 den Vorsitz der Turngemeinde (TG) Bornheim übernahm, hatte der Verein gerade einmal rund 500 Mitglieder. Er selbst war keines davon. Mittlerweile gehören der Turngemeinde mit Hauptsitz an der Berger Straße etwa 27 000 Menschen an – und für Peter Völker ist der Verein zum „Mittelpunkt seines Lebens“ geworden. „Zu einer zweiten Familie“, wie er sagt. Kommendes Jahr hört er auf. Schon jetzt blickt er auf eine bewegte Zeit bei Frankfurts zweitgrößtem Sportverein zurück.

Anfang der 80er-Jahre sah es danach nicht aus. Der 1949 in Bornheim geborene und aufgewachsene Völker – „ich bin waschechter Bernemer“ – hatte sein Herz früh an den FSV Frankfurt verloren, spielte bis zur A-Jugend dort aktiv Fußball, ist dem Verein bis heute als Fan verbunden. An der Wand in seinem Büro hängt ein Wimpel der Blau-Schwarzen.

Zur Bornheimer Turngemeinde habe es keine Freundschaften gegeben. Doch dann kam Franz Steul Senior auf ihn zu. Er saß im Aufsichtsrat der Bornheimer Volksbank, bei der auch Peter Völker arbeitete – und fragte den damals 32-Jährigen, ob er dem Verein helfen könne. Eine für Völkers weiteres Leben entscheidende Frage, nicht nur, weil er zehn Jahre später Steuls Tochter heiratete, die er über die TG Bornheim kennenlernte.

In den kommenden 40 Jahren sollte Völker den Sportverein von Grund auf auch neu aufstellen. Völker wurde Mitglied und direkt zum Vorsitzenden gewählt. Eine Bestandsaufnahme ergab, dass der Verein finanzielle Probleme hatte. Der Bankkaufmann erkannte schnell: „Ein Vereinsbetrieb lässt sich mit 500 Mitgliedern nicht finanzieren.“ Also stellte er ein Team zusammen, dem unter anderem sein Schwager Franz Steul Junior angehörte – und brachte den Verein auf einen besseren Stand. „Möglich war das gemeinsam“, sagt er bescheiden.

Das Erfolgsrezept: Mit neuen Angeboten gewinnt man neue Mitglieder, mehr Mitglieder erfordern eine neue Infrastruktur, eine bessere Infrastruktur lockt weitere Mitglieder an. Die bis heute andauernde Erfolgsgeschichte der TG Bornheim gibt Völkers Weg Recht. Angefangen hat es mit neuen Sportarten wie Jazz-Gymnastik oder Aerobic, wobei Völker sich noch gut an Fragen wie „Warum brauchen wir jetzt englischsprachigen Sport?“ erinnert. Er etablierte sich aber schnell, ebenso wie das Eltern-Kind-Turnen und Abteilungen wie Tischtennis oder Volleyball. Die anfängliche Turnhalle mit kleineren Gymnastiksälen und einer Empore an der Berger Straße wurde schnell zu klein, daher baute die TG sich ein Sportcenter an der Inheidener Straße. Zweimal wurde es bereits erweitert, die Baugenehmigung für Teil vier liegt vor.

Hunderte Vereinsmitglieder suchen täglich das Sportcenter neben dem Panoramabad auf. Sie üben sich in Bauch, Beine, Po, stemmen Hanteln im Fitnessstudio, schwitzen in der Sauna, klettern die Außenfassade hoch. Elf Mitarbeiter:innen kümmern sich um den laufenden Betrieb. Völker läuft durch die Gänge, erläutert, wo welche Bauarbeiten stattgefunden haben, welche Veranstaltung welches Foto zeigt, grüßt hier und dort. Man kennt sich. Wie in einer großen Familie. Am Eingang des Sportcenters zeigt eine digitale Stechuhr an, dass sich 121 Mitglieder bis 10.30 Uhr im Sportcenter eingeloggt haben. Noch während es die Treppe hoch geht, steigt der Zähler auf 124.

124 von aktuell rund 27 000. Das sind knapp 4000 weniger als zum Stichtag 1. Januar 2020. Völker spricht trotzdem von guten Zahlen. Denn monatelang hatte der Verein sein Sportcenter wegen der Corona-Pandemie geschlossen, ohne dass Leute entlassen werden mussten. Langsam gehe der Trend wieder nach oben. Allein seit Juni seien 2000 Mitglieder hinzugekommen.

Völker lenkt jedoch nicht nur die Geschicke der Bornheimer Turngemeinde. Er ist seit 1981 auch selbst sportlich aktiv, schloss sich damals der Prellball-Abteilung an und spielt dort bis heute zwei Mal die Woche in Zweier-Teams. Wenn er sich kommendes Jahr aus dem Vorstand zurückzieht, übergibt er „einen der Vorzeigevereine Hessens“, lobt ihn Harald Stenger vom Vorstand der Schlappekicker-Stiftung, in der Völker seit 2017 aktiv ist.

Dort bringt er seine Expertise und sein Netzwerk ein, nachdem es zur Stiftung „seit Jahrzehnten eine enge Verbindung gibt“, wie Völker erklärt. Die Stiftung sei „eine großartige Sache mit einem unterstützenswerten Ziel“. Stenger und Völker kennen sich seit der Schulzeit, die sie gemeinsam auf der Günthersburgschule erlebt haben. „Peter Völker ist kein Blender oder Wichtigtuer, sondern einfach ein Bornheimer Original“, beschreibt ihn Stenger.

Der TG Bornheim wird Völker verbunden bleiben, stellt sie doch neben seiner Familie mit vier Kindern und drei Enkelkindern und seiner Arbeit, die er vor sechs Jahren niederlegte, „eine von drei Säulen meines Lebens“ dar.

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