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Lädt für Sonntag zu einem Nachbarschaftsessen ein: Marlene Haas.

Bornheim

Taschenstationen stoßen auf positive Resonanz

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Stofftaschen statt Plastiktüten: Marlene Haas berichtet über die Kampagne "Ich bin dabei: plastikfrei", die im Frankfurter Stadtteil Bornheim versucht, Nachhaltigkeit im Alltag zu etablieren.

Marlene Haas, 28, koordiniert mit ihrem Sozialunternehmen „Lust auf besser Leben“ das Stadtteilprojekt „Lust auf Leben“. Initiiert wurde die Aktion „Ich bin dabei: plastikfrei“ von den Gewerbevereinen Bornheim Mitte und Untere Berger Straße sowie der Stadtteilarbeitsgruppe „Lust auf Leben – Willkommen in Bornheim“. Unterstützt wurde die Aktion vom Wirtschaftsdezernat mit 15 000 Euro, jeweils weitere 3000 Euro gaben der Gewerbeverein Bornheim Mitte und die Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH (FES).

Frau Haas, am Sonntag endet offiziell die Kampagne „Ich bin dabei: plastikfrei“. An zehn Stationen auf der Berger Straße konnten sich seit Juni Passanten eine Stoff-Tasche nehmen, Einkäufe erledigen und die Tasche anschließend wieder in einen der Körbe legen, die auf Plätzen und vor Geschäften stehen. Was ziehen Sie für ein Fazit?
Die Händler sind sich einig, dass die Stationen Wirkung zeigen. Kunden bleiben stehen und informieren sich, wie man ohne Plastik leben kann. Einige bringen sogar gebügelte Taschen von Zuhause mit, um sie in die Körbe zu legen. Manche Stationen sind besser gelaufen als andere. Die am Fünffingerplatz haben wir deshalb zur Metzgerei Spahn verlegt, die vor der Bäckerei Kröger zum Kinderbekleidungsgeschäft Sonnylemon in der Heidestraße. Wichtig ist es, dass sich die Mitarbeiter der Läden als Multiplikatoren einbringen.

Werden die Stationen jetzt abgebaut?
Nein, die bleiben. Auch wenn sie nicht optimal sind und wetterfeste besser wären. Wir möchten sie demnächst mit Anleitungen versehen. Die hat das Familienzentrum Mukiva in sieben Sprachen erstellt. Schwierig war es, plastikfreie Halterungen für die Zettel zu finden. Jetzt haben wir welche aus einem Bioersatzstoff.

Ist geplant, dass Plastikfrei-Konzept weiterzugeben?
Eine Bad Homburger Bio-Supermarkt-Kette hat unsere Idee bereits übernommen. Wir hatten auch Anfragen aus anderen Frankfurter Stadtteilen. Bislang ist da leider nichts zustande gekommen. Dabei ließe sich das Projekt einfach übertragen. Als nächstes könnten zum Beispiel Mehrweg-Kaffeebecher mit Deckel kommen, da hier in Bornheim mit der Firma „Cup2gether“ eine Initiative gestartet ist.

Was heißt das?
Wir haben die Vision, für die Becher einen ähnlichen Kreislauf wie mit den Taschen zu schaffen. Es gibt große Unternehmen, die haben das bereits für ihre Mitarbeiter. Wir wollen schauen, ob wir das auch auf der Berger Straße als geschlossene Einheit umsetzen können. Es gibt eine Firma mit Büro in Bornheim, die Becher aus einem Baumsaft herstellen lässt, mit der wir im Gespräch sind, die wiederum mit „Cup2gether“ arbeiten.

Am Sonntag gipfelt die Aktion in ein plastikfreies Nachbarschaftsfest. Was hat man sich darunter vorzustellen?
Geplant ist ein Fest von und mit Bürgern. Ziel ist es, sich kennenzulernen und sich auszutauschen. Und auf genussvolle Weise zu demonstrieren, dass es auch beim Essen plastikfrei geht. Dazu laden wir zum Nachbarschaftsessen auf den Neebplatz ein, zu dem jeder etwas mitbringt. Wem ein komplett plastikfreies Arrangement gelingt, also auch ohne Tupperware und Cellophan, der erhält ein Geschenk. Schön wäre es, wenn am Sonntag auch einige beim Aufbau mitanpacken und etwas zum Dekorieren mitbringen – damit wir alle gemeinsam essen können.

Interview: Boris Schlepper

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