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Die SG Bornheim Grün-Weiß hält zusammen, wenn es zu diskriminierenden Äußerungen kommt.

SG Grün-Weiß

Spielerinnen erneut auf dem Spielfeld diskriminiert

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Spielerinnen der SG Grün-Weiß werden immer wieder beleidigt. Kürzlich hat sich daran selbst ein Schiedsrichter beteiligt.

Nicole G. hat schon einiges erlebt. Mal wird die dunkelhäutige Frau als Black Beauty bezeichnet, als sie für die erste Damenmannschaft der SG Bornheim Grün-Weiß auf den Fußballplatz einlief. Ein anderes Mal wird das ganze Team verunglimpft und bei einem Auswärtsspiel von den Zuschauern als „Bornheimer Zigeuner“ beschimpft.

Häufig sind es Schmährufe aus dem Publikum. Mitunter kommt es auch von Spielern der gegnerischen Mannschaften oder gar von deren Trainern. „Wir haben alle Varianten durch“, sagt Christoph Schaaff, der Sportliche Leiter für den Mädchen- und Frauenfußball bei der SG. Dass sich jedoch vor kurzem auch ein offizieller Schiedsrichter diskriminierend äußerte, sorgte für großen Ärger im Verein, „das war eine ganz andere Dimension“.

Spielführerin Kiricioglu prangerte Diskrimierung auf Facebook an

Als sich die Frauen bei einem Freundschaftsspiel auf dem Platz an der Seckbacher Landstraße gegen SG Haitz am Spielfeldrand aufstellten, um einzulaufen, fragte der Unparteiische, seit wann Männer bei einer Frauenmannschaft spielen dürften, hat die Spielführerin Sonnur Kiricioglu in einem Facebook-Eintrag geschrieben, in dem sie die Diskriminierung anprangert.

Nicole G., die große athletische Frau mit dem Kurzhaarschnitt, schien nicht in sein Frauen-Bild zu passen. Auch als die Spielerinnen den Schiedsrichter darauf hinwiesen, dass die 31-Jährige eine Frau ist, habe er nachgehakt. „Wir waren alle sehr geschockt“, so Kiricioglu.

In der Halbzeitpause sei der Schiedsrichter erneut gekommen und habe die Spielerinnen-Pässe gefordert – andernfalls müsse er das Spiel abbrechen. Die Spielführerin wurde daraufhin sehr laut – so dass ein Schiedsrichter der Verbandsliga der Herren hellhörig wurde und sich einschaltete. Erst danach konnte das Spiel fortgesetzt werden, obwohl das Team überlegt habe, die Partie zu unterbrechen.

Geschockt und wütend

Es sei zwar nicht das erste Mal, dass jemand anzweifle, dass Nicole G. eine Frau ist, sagt Schaaff, „aber das sind in der Regel Kinder – und nicht der Schiedsrichter“. Zudem habe dieser auch noch die Spielerpässe vorliegen gehabt, in denen die Namen und Bilder der Frauen zu sehen sind. Auch im Netz des Deutsche-Fußball Bundes könnten die Spielerinnen kontrolliert werden. „Und eigentlich kennt mich auch in Frankfurt jeder, der mit Frauenfußball zu tun hat“, sagt die Spielerin, „ich spiele schon seit meinem sechsten Lebensjahr.“

Besonders ärgerlich ist für den Verein, dass Sonnur Kiricioglu als Stadionsprecher kurz zuvor einen Text des Hessischen Fußballverbands über Rassismus, Antisemitismus und Diskriminierung vorgelesen hat. „Die Leute klatschten, weil sie es richtig fanden“, so Kiricioglu. Dass ausgerechnet dann eine Mitspielerin diskriminiert wird, habe sie geschockt und wütend gemacht. Für den Schiedsrichter hatte der Vorfall Konsequenzen. Die Verband habe ein Sportgerichtsverfahren gegen ihn eingeleitet.

Kein Platz für Rassismus und Diskriminierung im Fußball

Für die Damen-Mannschaft sei es fast schon trauriger Alltag, dass das Team diffamiert wird, sagt Christoph Schaaff. „Vor allem, wenn wir nicht in Frankfurt, sondern auf dem Land spielen. Da sind wir gebrannte Kinder.“ In der Provinz hätten offenbar viele ein anderes Bild von Frauen, die Fußball spielen. „Dort sind es meist alles deutsche Mädchen.“ Bei der SG Bornheim seien dagegen viele mit Migrationshintergrund im Team, „da sieht man schon mal, dass sie eine andere Herkunft haben“. Und je kleiner ein Ort sei, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass es blöde Sprüche gibt.

„Meistens lasse ich mich nicht provozieren“, sagt Nicole G. Und glücklicherweise stehe ihre Mannschaft geschlossen hinter ihr, „die sagen dann, dass es reicht, und beruhigen mich“. In der Mannschaft und im ganzen Verein gebe es eine hohe Solidarität, bestätigt Christoph Schaaff. Deshalb habe sich die SG Bornheim Grün-Weiß nach dem Vorfall auch an den Fußballverband gewandt. Schließlich könne nicht immer nur propagiert werden, dass es im Fußball keinen Platz für Rassismus und Diskriminierung gibt.

„Man darf nicht abstumpfen und sagen, damit müssen wir leben. Sonst ändert sich niemals etwas.“

Der Verband positioniere sich „ganz deutlich gegen Diskriminierung und Rassismus“, sagt dessen Sprecher Matthias Gast. So habe der Verein etwa die Kampagne „Nein zu Diskriminierung und Gewalt“ ins Leben gerufen. Über das Fair-Play-Forum setze sich der Verband für Integration, Vielfalt sowie Respekt und gegen Diskriminierung, Rassismus, Antisemitismus, Rechtsextremismus und Gewalt im und um den Fußball ein.

Glücklicherweise gebe es nicht sehr viele Fälle, in denen es zu Diskriminierung auf dem Spielfeld vorkommt, so Gast, „aber es kommt vor“. Um so bedauerlicher sei es, dass sich sogar ein Schiedsrichter falsch verhalten habe. „Das sollte erst recht nicht sein!“

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