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Sibylle Lienhard malt Momente des Stadtlebens mit Tusche und Buntstift

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Von: Sebastian Theuner

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Sibylle Lienhard sitzt auf dem Platz am Uhrtürmchen – und malt diesen.
Sibylle Lienhard sitzt auf dem Platz am Uhrtürmchen – und malt diesen. © Monika Müller

Die Urban Sketcherin zeichnet vor Trinkhallen und Bankentürmen. Für ein Bild braucht sie oft nicht mehr als 30 Minuten.

Wen sie an belebten Orten in Frankfurt zu zeichnen beginnt, weiß sie oft selbst nicht genau, was am Ende dabei herauskommt. Etwas Unvorhergesehenes passiert fast immer. Ein Luftballonverkäufer taucht auf. Oder eine Frau mit Sonnenbrille in Herzform. „Das ist das Wunderbare im Gegensatz zum Fotografieren“, sagt Sibylle Lienhard – „das Zeichnen hat etwas Episodisches.“

Lienhard fängt Momente des Frankfurter Stadtlebens ein. Oder, besser gesagt: Sie hält mehrere Augenblicke in einem Bild fest. Dafür nutzt sie etwa Tusche, Aquarell und den klassischen Buntstift. Urban Sketching nennt sich das. Auf ihren Werken schlürfen Menschen Cocktails am City-Beach, tummeln sich auf dem Römerberg oder verweilen vor einer Trinkhalle. Für ihre Zeichnungen braucht Lienhard oft nicht mehr als 30 Minuten.

Ein Treffen mit Lienhard an einem Nachmittag auf der Berger Straße; sie wohnt um die Ecke. Lienhard zeichnet mit Blick auf das Uhrtürmchen; rechts lugt die Spitze von St. Josef hervor. Hauptberuflich arbeitet Lienhard als Architektin. Mit Urban Sketching begann die 49-Jährige 2017. Davor zeichnete sie Porträts, Akt oder Tiere. Als Lienhard mit einer Bildergeschichte über die Spatzen am Liebfrauenberg begann, merkte sie: „Ich muss außen rum ganz viel Stadt zeichnen.“ Ein Freund empfahl ihr die Urban Sketchers Rhein-Main.

Die ersten Urban-Sketching-Gruppen formierten sich 2007 in den USA. Inzwischen gibt es sie weltweit. Die Künstler:innen im Rhein-Main-Gebiet treffen sich einmal monatlich, um gemeinsam zu zeichnen. „Ich bin ein Fan von Gruppen, man inspiriert sich gegenseitig“, sagt Lienhard.

Verkauf und Infos

Lienhards Stadtmotive sind in Frankfurt erhältlich bei „SinnGut Concept Store“, „Kaufhaus Hessen“, „Buch & Wein“, „Kulturothek“ und „Hugendubel“ im Steinweg oder online unter www.maiengruen.de.

Auf Instagram ist Lienhard auch vertreten, unter @sibyllelienhard und @maiengruen.de.

Infos zu den Urban Sketchers Rhein-Main gibt es online unter www.urbansketchers-rheinmain.de.

Für die Ausstellung „Stadt-Blicke. Eine subjektive Frankfurt-Kartographie“ im Historischen Museum hat das Kollektiv auf der Bolongarostraße in Höchst gezeichnet. In einem Projekt über die Hauptwache zeigt Lienhard die Schattenseiten der Stadt. Etwa, wie dort ein hilfloser Mann vor umstehenden Passant:innen zusammenbrach. „Ich stelle meist das heile Frankfurt dar“, sagt sie, „aber es gibt auch die Zwischentöne.“ Die Ausstellung beginnt am 20. Oktober.

Zentral für die meisten ihrer Zeichnungen seien Menschen: „Sie sorgen dafür, dass eine Stadt funktioniert. Meine Bilder sind wimmelig und oft voll bis zum Rand.“ Inspiriert hat sie der französische Zeichner Sempé.

Am 31. August kreiert Lienhard im Rahmen der Reihe „Kulturerwachen“ mit dem DJ Matthias „Weller“ Westerweller eine multimediale Kunstinstallation am Willy-Brandt-Platz. Am 10. und 11. September stellen die Urban Sketchers Rhein-Main in der ehemaligen Seilerei Reutlinger aus. Am Wochenende darauf ist Lienhard auf den Rumpenheimer Kunsttagen in Offenbach vertreten. Ihre Werke verkauft sie gedruckt oder im Original; auch Auftragsarbeiten kann man bei ihr buchen.

Sie sei fasziniert, wie viele Menschen sie durch ihre Kunst kennenlerne, sagt Lienhard. Vor einem Jahr zeichnete sie am Frankfurter Luftbrückendenkmal. Dort erzählte man ihr von einem ehemaligen US-Piloten, der seinerzeit die Rosinenbomber flog. Lienhard ließ Drucke ihrer Bilder anfertigen – allerdings verstarb der Ex-Pilot in den USA, noch bevor ihn die Zeichnungen erreichten. Seine Töchter freuten sich dennoch über die Bilder.

Ihren Blick für besondere Details beweist Lienhard auch auf der Berger Straße. Etwa in Form der Eintracht-Fahne, die hoch über dem Uhrtürmchen am Balkon hängt. Und doch hat die Feinarbeit beim Urban Sketching ihre Grenzen. „Sobald man anfängt zu überlegen, was man jetzt noch zeichnen könnte, sollte man aufhören.“

So sieht der Platz am Uhrtürmchen bei Lienhard aus.
So sieht der Platz am Uhrtürmchen bei Lienhard aus. © Monika Müller

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