Bornheim

SG Bornheim kickt gegen den Corona-Blues

  • vonBrüggemann
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Das Herbstcamp der SG Bornheim gibt Kindern Freiraum und bestärkt jugendliches Engagement. In Zeiten der Pandemie sei das Camp nun wichtiger denn je.

Gejohle, Herumspringen und leuchtende Kinderaugen – ein „buntes Chaos“, wie Sportpädagoge Harald Seehausen es nennt, ist auf dem Fußballplatz der „SG Bornheim Grün Weiß“ zu sehen. Im Herbstcamp „Mach mit“ toben sich in dieser und der nächsten Woche rund 65 Kinder aus, betreut werden sie von 9 bis 17 Uhr. Die Sechs- bis Zwölfjährigen kommen aus den umliegen Flüchtlingsunterkünften, Kindertagesstätten und Grundschulen. Neben Fußball und Freizeitspielen basteln die Kinder zusammen oder unternehmen unter Aufsicht der Betreuenden Ausflüge in die Umgebung.

Um am Ball zu bleiben, werden nun Belüftungs- und Abstandsregeln mit größter Sorgfalt umgesetzt. Seit Corona ist dieses Camp laut Trainer Danijel Pajic wichtiger denn je. „Wir bieten den Kindern eine Möglichkeit, mal rauszukommen.“ In Zeiten von Homeoffice und Kurzarbeit tue den Kindern frische Luft gut, gerade weil viele Familien aus beengten Verhältnissen kämen.

Das Team sieht es als seine „integrationspolitische“ Aufgabe an, einen Anlaufpunkt für geflüchtete Kinder aus rund 53 Nationen darzustellen. Manche davon kommen mit seelischen Belastungen. Pajic selbst, ebenso wie viele der Jugendtrainer des Vereins, hat eine Migrationsgeschichte, kam in den 90er Jahren aus dem damaligen Jugoslawien und fing dann an für die SG zu kicken.

Eine Erfolgsgeschichte sei das Camp nicht nur für die Kinder, sondern auch für die neun Juniortrainer im Alter von 13 bis 23 Jahren, meint Seehausen. Er begleitet die Jugendlichen bei ihren ersten praktischen Erfahrungen mit der Betreuung von Kindern. Viele würde das zu einem sozialen Beruf inspirieren. „Heute kam ein Junge zu mir und sagte, er hat etwas von mir gelernt, das war ein tolles Gefühl“, erzählt die 13-jährige Esma Musanovic begeistert.

Seit sechs Jahren spielt sie bei der SG Bornheim und würde gerne einmal Grundschullehrerin werden. „Ich möchte meine Freude an die Kinder weitergeben.“

Neben dem Herbstcamp hat die SG Bornheim weitere regelmäßige Angebote: Beim pädagogischen Mittagstisch wird neben einer ausgeglichenen Ernährung eine individuelle Betreuung bei der Hausaufgabenhilfe angeboten. Im Familiencafé treffen sich Frauen unterschiedlicher Nationalitäten zum Austausch und, um Deutsch zu lernen. Dabei versuche man stets, Begegnungen über soziale Milieus hinweg zu schaffen und auf Kinder wie Eltern einzugehen. „Der Sportplatz soll ein Ort der Bildung und Betreuung sein“, so Seehausen.

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