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Raten und Eis essen auf dem Fünffingerplätzchen.

Bornheim

Schnitzeljagd für die Umwelt

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Schüler erforschen mit dem Handy den Stadtteil und lernen dabei viel über den Klimawandel.

Fünftklässler der Wöhlerschule stehen auf dem Fünffingerplätzchen und schauen nicht in die vollen Kronen der Kastanien, sondern auf ihr Smartphone. Aber darin geht es auch um Bäume und deren Bedeutung fürs Stadtgebiet. Die Schüler müssen Fragen beantworten: Lärm schlucken, Luft reinigen, Schatten spenden – dass die Bäume das können, wissen sie. Aber dass sie sogar Windgeschwindigkeiten bei Sturm reduzieren, war ihnen neu. „Jetzt haben wir was gelernt“, sagt Julius.

Die Schüler sind, aufgeteilt in Gruppen, mit ihren Smartphones auf Schnitzeljagd. An verschiedenen Stationen im Stadtteil müssen sie passend dazu Fragen beantworten und lernen dabei viel über den Klimawandel und was sie selbst dagegen tun können. Am Schluss wird ausgewertet, wer die meisten Punkte hat und wer am schnellsten war.

Entwickelt hat die Klimajagd das Frankfurter Institut für nachhaltige Entwicklung (Fine). Seit vergangenem Jahr ist die App verfügbar, die den Frankfurtern Alternativen für ein umweltbewusstes Leben aufzeigen soll. Gerade wurden sie als offizielles Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet. „Wir wollen die Frankfurter sensibilisieren, wie man gemeinsam nach nachhaltigen Lösungen sucht und dabei Klima und Biologische Vielfalt schützt“, sagt Rüdiger Hein, Vorstand von Fine.

Fragen beantworten am Startpunkt, dem Saalbau Bornheim.

Um Artenvielfalt geht es auch auf dem Spielplatz am Bornheimer Hang, der von Kleingärten umgeben ist. Denn auch Tier- und Pflanzenarten sind vom Klimawandel betroffen. Die Stimme aus dem Handy fragt, wie man den Tieren helfen kann. Mit Insekten- und Vogelhäuser zum Beispiel, das wissen auch die Fünftklässler. „Tsching“, tönt es aus dem Telefon – und wieder haben sie Punkte abgesahnt.

Einige Meter weiter, am Bornheimer Ratskeller, ist schon der nächste Stopp. Dort befand sich früher ein Keller voller Eis, das im Winter auf dem Main gebrochen worden war. Wie man Strom und Energie sparen kann, will die App nun von den Kindern wissen. Kühlschränke nur so kurz wie möglich öffnen, Licht aus in den großen Pausen oder zu Hause lieber einen Pulli drüber ziehen, statt die Heizung weiter aufzudrehen. Die Schüler wissen schon gut Bescheid.

Auch im Alltag achten viele der Kinder darauf, sich klimafreundlich zu verhalten. „Wir kaufen umweltfreundliches Klo- und Küchenpapier und trennen Müll“, sagt Lara. „Ich fahre mit der U-Bahn zur Schule“, sagt Johann. Und auch darüber, was Klimawandel bedeutet, sind sich die meisten bewusst: Inseln werden überschwemmt, CO2 ist eine Gefahr, Eisbären sterben.

Dem Großteil der Schüler hat die Klimajagd großen Spaß gemacht. Und das trotz des heißen Wetters. Zwei Mädchen wollen es bei ihrem nächsten Geburtstag spielen. Klassenlehrerin Franziska Deliry findet das Projekt ebenfalls gelungen. Auf der Homepage gebe es extrem viel Material zur Vor- und Nachbearbeitung. Der Zugang übers Handy spreche die Schüler an. Sie merke, dass die meisten Kinder schon Vorwissen zu dem Thema haben. Zum Nachbessern: Die Schüler könnten zeitversetzt starten.

So geht’s : Die App „Actionbound“ herunterladen, unter klimajagd.de die gewünschte Rallye auswählen und den QR-Code scannen. Es gibt fünf Versionen für verschiedenen Altersgruppe, à sieben oder zwölf Stationen. Die kurze Route dauert knapp zwei Stunden bei 3,6 Kilometern, die große etwa drei Stunden über 4,3 Kilometer.

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