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Seit Jahren feiern im Bürgerhaus Bornheim Närrinnen und Narren Karneval – wie hier der Verein die Stutzer.
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Seit Jahren feiern im Bürgerhaus Bornheim Närrinnen und Narren Karneval – wie hier der Verein die Stutzer.

Bornheim

Saalbau-Foyer soll Namen von Paul Wertheim tragen

  • VonMatthias Bittner
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Bornheimer Stadtteilhistoriker will früheren Karnevalsprinzen ehren. Die ABG lehnt das ab.

Mit Orts- und Personenkenntnissen glänzten die Mitarbeiter der Saalbau, einer Tochter des ABG Frankfurt Holding-Konzerns, zuletzt nicht. Vielerorts schütteln Bürger:innen angesichts aktueller Umbenennungen der Säle in den Bürgerhäusern nur mit dem Kopf – zum Beispiel in Griesheim. Denn Flugpionier August Euler hat rein gar nichts am Hut mit dem westlichen Stadtteil. Völlig abwegig ist auch der „Chimborazo“-Saal, der Chimborazo ist der höchster Berg in Ecuador. Und der ist Tausende Kilometer entfernt von Griesheim.

Auch Bernhard Ochs, Ehrenvorsitzender des Bürgervereins und Förderkreises historisches Bornheim und als Einmannfraktion „Die Frankfurter“ im Ortsbeirat 4 (Bornheim, Ostend) vertreten, leuchtet die Namenswahl für Versammlungsräume im Bürgerhaus Bornheim in der Arnsburger Straße nicht so ganz ein. Dort gibt es jetzt den Marcel Reich-Ranicki-Saal, den Rose Schlösinger-, Berta Pappenheimer- und Anne Beyer-Raum. „Grundsätzlich finde ich das gut, da so verstorbene Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens geehrt und in Erinnerung gehalten werden. Von den vier Persönlichkeiten haben auch alle einen Frankfurt-Bezug, aber eben nur zwei Personen einen engeren Bezug zum Stadtteil Bornheim“, gibt Ochs aber dennoch zu bedenken.

Rose Schlösinger (1907-1943), die von den Nazis hingerichtete Widerstandskämpferin, wohnte laut Ochs in der Münzenbergerstraße, die bis 1972 zu Bornheim zählte. Die Stadtverordnete Anna Beyer (1909-1991) lebte nach Angaben des Stadtteilhistorikers zeitweilig im Ostend.

„Eine Person, die sogar in der gleichen Straße wie der Saalbau Bornheim lebte, nämlich in der Arnsburger Straße 1, wurde vergessen: Paul Wertheim“, sagt Ochs. Er schlägt deshalb vor, das Foyer des Saalbaus nach Wertheim zu benennen. Der Vorteil: So müsste keiner der vier anderen Namen ausgetauscht werden.

ABG-Geschäftsführer Frank Junker weist darauf hin, dass sich die Kollegen der Saalbau Gedanken gemacht hätten bei der Umbenennung der Säle im Bürgerhaus Bornheim. Diese hätten zuvor so klangvolle Namen wie Clubraum 1 und 2 oder großer Saal gehabt. Solche Bezeichnungen erinnerten an längst vergangene DDR-Zeiten. „Der Vorschlag von Bernhard Ochs in allen Ehren, das Foyer bekommt keinen Namen“, sagt Junker. Und er betont gleich vorsorglich, um mögliche Initiativen auszuschließen: Auch die vier verwendeten Namen für die Säle würden nachträglich nicht mehr geändert.

Paul Wertheim – viertes von zehn Kindern der jüdischen Unternehmerfamilie Joseph und Rosalie Wertheim, das in der Burgstraße eine Nähmaschinenfabrik betrieb – hatte sich am 4. Juli 1938 im Ostpark erschossen, um den Nazis nicht in die Hände zu fallen. Viel zu lange hatte er geglaubt, er werde von den Nationalsozialisten verschont, weil er als Soldat im Ersten Weltkrieg gedient hatte.

Als Erwachsener arbeitete Paul Wertheim mit in der Geschäftsführung des Familienbetriebes, engagierte sich vor allem in der Fastnacht und war 1. Bornheimer Karnevalsprinz des Karnevalvereins Wau-Wau – der Vorgänger der heutigen „Bornheimer Karneval Gesellschaft 1901“. In seinem Amt als Karnevalsprinz war Paul Wertheim sehr spendabel: So unterhielt er die 50 Mann starke Prinzengarde während der Fastnachtszeit vollständig und finanzierte auch seinen prächtig dekorierten Wagen aus der eigenen Tasche.

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