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„Ich kann doch nicht jedesmal zahlen, wenn ich irgendwo zehn Minuten halte“, beschwert sich ein Bürger.

Bornheim

Viel Kritik an Ticketpflicht in Bornheim

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Das Parkkonzept für Bornheim stößt bei Bürgern auf Widerspruch.

Wer mit dem Auto nach Bornheim fährt, muss künftig bezahlen. Das sieht ein Konzept zur Bewirtschaftung des Parkraums für den Bereich zwischen Günthersburgpark und Bornheimer Hang, Saalburgallee/-straße und A661 vor, das am Dienstagabend im Ortsbeirat 4 vorgestellt worden ist. Während die Stadtteilpolitiker das Konzept vornehmlich begrüßten, äußerten Bürger auch Kritik.

Als „ganz schlecht“ bezeichnete etwa ein Anwohner der Inheidener Straße den Vorstoß der Stadt. „Da muss ja mein Sohn jedes mal zahlen, wenn er mich besuchen kommt“, monierte er. Ein Bürger forderte „eine Toleranz-zeit“, in der Autofahrer kurz parken können, ohne ein Ticket zu lösen. „Ich kann doch nicht jedesmal zahlen, wenn ich irgendwo zehn Minuten halte.“

Ein Handwerker sprach sich für Ausnahmen für Betriebe aus. Viele hätten keine ausreichenden Stellflächen für alle Mitarbeiter, „das wird dann auf Dauer teuer“. Eine ähnliche Forderung stellte ein Mitglied des Roten Kreuzes Bornheim auf. „Unsere Helfer sind ehrenamtlich zugange.“ Diesen könne es „nicht vermittelt werden“, für ihr Engagement auch noch zahlen zu müssen. „Da muss etwas passieren – sonst wird’s im Katastrophenfall eng!“

Doch Ausnahmen wird es vorerst nur für die Anwohner geben, sagte Jens Wöbbeking vom städtischen Referat Mobilitäts- und Verkehrsplanung. Wer in dem in vier Bereiche unterteilten Quartier seinen Erstwohnsitz hat, kann dort einen Ausweis für Bewohnerparken beantragen – der kostet 50 Euro für zwei Jahre. Innerhalb ihres Bereichs können sie nahezu überall kostenfrei und ohne zeitliche Beschränkung parken.

Kunden und Besucher müssten dagegen einen Parkschein lösen, sagte Wöbbeking. An den Automaten soll es Tickets für 50 Cent pro 20 Minuten geben. Eine Höchstparkdauer gebe es nicht. Ein Parkschein muss montags bis freitags von 7 bis 19 Uhr gezogen werden. Eine eigene Regelung gebe es an der Kettelerallee, sagte Wöbbeking. Wegen des FSV-Stadions, den Veranstaltungen auf dem Festplatz und der Eissporthalle sei dort auch am Wochenende mit Pendlern zu rechnen. „Dort gilt die Parkscheinpflicht an sieben Tagen von 7 bis 21 Uhr.“

Absage an Kurzparker

Zusätzlich solle in der Ortenberger, der Karl-Albert- und der Karl-Flesch-Straße sowie auf einer Seite der Kettelerallee ein 100-prozentiges Bewohnerparken eingeführt werden. Kurzparker dürfen dort nie halten. Eine Besonderheit ist für das Quartier An den Röthen geplant. Dort soll es nur an den Zufahrtsstraßen Schilder geben, die auf die Parkscheinpflicht hinweisen. Vergleichbares gebe es bislang nicht in Frankfurt, so Wöbbeking. Die Stadt wolle testen, ob es funktioniere. „Wenn nicht, wird auch dort straßenweise beschildert.“

20 Jahre lang habe der Ortsbeirat auf ein entsprechendes Konzept gewartet, lobte Grünen-Chef Martin Ried. Das Konzept sei „interessanter als Bewohnerparken“, da es etwa Ärger am Festplatz und an den U-Bahn-Stationen ausschließe. Teile der Seckbacher Landstraße würden derzeit häufig als Park-and-Ride-Platz missbraucht, von Fahrern, „die die Parkgebühr am Flughafen sparen wollen“.

Mehrere Stadtteilpolitiker wiesen darauf hin, dass das Funktionieren des Konzepts von einer regelmäßigen Kontrolle abhänge. „Wenn keine Knöllchen verteilt werden, wird das nicht eingehalten, sagte Ortrud Seifert (SPD). Kontrollen soll es vor allem in der Anfangszeit verstärkt geben, sagte Jens Wöbbeking. Dafür würden Kapazitäten aus anderen Bereichen der Stadt abgezogen.

Das weckte Sorgen bei einem Bornheimer, der jenseits des betroffenen Quartiers wohnt. Schon jetzt werde bei ihm alles zugeparkt. „Und ohne Kontrollen ist die Abschreckung gleich null.“

Das Konzept: Parken in Bornheim

Das Parkraumbewirtschaftungskonzept Bornheim gilt für den Bereich zwischen Günthersburgpark und Bornheimer Hang, Saalburgstraße/-allee und A661, es betrifft etwa 4000 Stellplätze. Bis Ende des Jahres sollen dort vier Bereiche für Bewohnerparken eingerichtet werden. Ein Bewohnerparkausweis gilt ausschließlich für ein Gebiet.

Kunden und Besucher müssen in dem Quartier künftig ein Ticket ziehen (50 Cent für 20 Minuten), montags bis freitags von 7 bis 19 Uhr; an der Kettelerallee an sieben Tagen von 7 bis 21 Uhr. Es gibt keine zeitliche Beschränkung.

Ausnahmen gibt es am Bornheimer Hang („rote“ Strecken). Dort dürfen nur Bewohner parken. Auf Teilen der Berger Straße sowie vor der Post auf der Saalburgallee („blaue“ Strecken) muss immer ein Ticket gezogen werden. 

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