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Die Schüler vermessen die obere Berger Straße.

Frankfurt-Bornheim

Kinder planen ihre Stadt

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Beim Forschungsprojekt Quartier Mobil entwickeln Kirchnerschüler Verbesserungsvorschläge für den Verkehr in Bornheim. 

Mert nimmt es ganz genau. Mit seinem Maßband hält er fest, wie viel Platz zwischen Hauswand und Fahrbahn ist. Schauplatz ist die Berger Straße in Höhe der Hausnummer 272. Schließlich ist der Neunjährige Experte für Gehwegbreiten. Es sind 1,10 Meter. Teamkapitän Liam notiert es. Zahlenminister Felix hat mit dem Vorgang streng genommen nichts zu tun. Sicherheitshalber drückt er seinen Handzähler – Klick, Klick, Klick. Zusammen mit ihrem Mitschüler, der ebenfalls Mert heißt, nimmt die Gruppe die Straßen rund um den Hohen Brunnen unter die Lupe.

Wo sind Bürgersteige zu eng, um nebeneinander zu laufen? Wo gibt es gefährliche Ecken? Was ist schön, und was könnte verbessert werden? In kleinen Gruppen haben Mädchen und Jungen von zwei dritten Klassen der Kirchnerschule jüngst ihre Umgebung untersucht. Organisiert hatte die Veranstaltung das Forschungsprojekt Quartier Mobil des Bundesbildungsministeriums in Kooperation mit der Goethe-Uni, der TU Braunschweig, der Stadt Frankfurt und Planungsbüros.

Seit 2018 werden dabei Möglichkeiten der umweltfreundlicheren Mobilität, der Infrastruktur und Verkehrsentwicklung in Bornheim für drei Jahre erforscht (die FR berichtete).

„Kinder haben eine eigene Perspektive auf Themen wie Aufenthaltsqualität und Verkehrssicherheit“, sagt Mona Winkelmann vom Referat Mobilitäts- und Verkehrsplanung, die mit einer Gruppe unterwegs war. In drei Phasen soll gemeinsam geschaut werden, wie das direkte Umfeld ihrer Schule attraktiver und sicherer werden kann. Zunächst listeten die Kinder in Fragebögen sensible Räume auf ihrem Schulweg auf.

Bei einem zweiten Treffen identifizierten sie durch Beobachtungen, Zählungen und Messungen Schwachpunkte. Kurz vor den Sommerferien werden die beiden Klassen auf Grundlage ihrer eigenen Erhebungen planerisch tätig. Was mit den Ergebnissen passiert, ist offen, sagt Winkelmann. Denkbar sei, dass daraus Vorschläge resultieren, die an die Stadt weitergeleitet werden.

Das hindert die Gruppe nicht, auf ihrer Tour Verbesserungsvorschläge zu machen. Mert, der als einziges keinen schicken Titel von den Forschern erhalten hat, dafür aber eine Pappbrille, die eine Augenerkrankung simuliert, hätte gerne, dass die Fußgängerwege auf der oberen Berger Straße breiter werden. „Dann müssten die Autos noch langsamer fahren.“ Dass in Höhe der TG Bornheim ein Laternenpfahl mitten auf dem Trottoir steht, ärgert Teamkapitän Liam: „Das würde bei Autos keiner machen“ – also Lampen auf Parkplätze stellen.

An der Kreuzung Berger / Falltorstraße kommt Felix’ Zähler zum Einsatz. Er hält fest, wie viele Fahrzeuge die Straßen queren. Viele sind es nicht, stellen die vier Neunjährigen enttäuscht fest. Dennoch finden sie die Ecke gefährlich. „Hier kommen Autos von allen Seiten“, sagt Gehwegbreiten-Experte Mert. Hier habe er immer etwas Angst und halte sich ganz am Rand.

Aufwerten würden die vier dagegen die eingezäunte Wiese vor der Turngemeinde. „Hier könnte ein Spielplatz entstehen“, sagt Liam. Mert wünscht sich gar einen Wasserspielplatz, „wenn’s warm ist“. Umgesetzt wird die Idee eher nicht, da es die Feuerwehrzufahrt zur Sporthalle ist.

Weitere Informationenüber Quartier Mobil gibt es unter im Internet unter www.quartiermobil-bornheim.de.

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