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26 Mannschaften teilen sich den Platz zwischen Berger Straße und Seckbacher Landstraße.

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Kicken auf dem Autobahndeckel

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Die SG Bornheim Grün-Weiß braucht mehr Platz – und wünscht sich ein Areal auf der geplanten Einhausung. Sportdezernent Markus Frank kann sich vorstellen, den gesamten Verein umzusiedeln.

Spät am Abend brennt bei der SG Bornheim Grün-Weiß meist das Flutlicht. Bis 22 Uhr sind regelmäßig Fußballer beim Training zu beobachten. 26 Mannschaften teilen sich den Platz zwischen Berger Straße und Seckbacher Landstraße. Jetzt hofft der Verein, ein zusätzliches Spielfeld auf dem geplanten Deckel auf der A661 zu bekommen.

Vom Gelände der SG Bornheim ist es nur ein Steinwurf bis zur Autobahn. Ende Februar hatte die Koalition aus CDU, SPD und Grünen im Römer den Antrag für die Einhausung eines 1080 Meter langen Abschnitts zwischen Friedberger und Seckbacher Landstraße beschlossen. Auf dem Deckel sollen fünf Hektar Grünfläche entstehen. Platz genug, um dort einen Fußballplatz zu bauen.

Für den Verein sei es „unwahrscheinlich wichtig“, dass auf der Einhausung zumindest ein Sportfeld entsteht, sagt Jürgen Holzapfel vom Vorstand: „Im Idealfall mit Tribüne und Flutlicht.“ Der Verein sei derzeit am Limit. Die Trainingszeiten seien soweit wie möglich in die Abendstunden geschoben worden. „Mehr ist in einem Wohngebiet nicht erlaubt.“ Die erste und zweite Mannschaft trainieren gleichzeitig, „anders können wir das nicht bewerkstelligen“, sagt Holzapfel. Jedes Jahr müsse die Sportgemeinschaft bis zu 50 Kinder abweisen.

Sportdezernent Markus Frank (CDU) sind die beengten Verhältnisse bekannt. Die SG sei der Verein, der mit der geringsten Fläche die meisten Spieler unterbringe, lobt er. „Ein Paradebeispiel“, das er anderen Vereine gegenüber erwähne, die Bedarf für weitere Spielfelder anmeldeten. Auch hätten die Bornheimer zusätzliche Angebote wie eine Hausaufgabenhilfe und ein pädagogisches Mittagsessen. Deshalb stünden die Kicker „ganz oben auf unserer Liste“.

Der Sportdezernent sieht den Autobahn-Deckel als große Chance. Dort gebe es die Kapazität, dem Sportverein „endlich das zur Verfügung zu stellen, was er braucht“. Allerdings sei es derzeit für eine definitive Zu- oder Absage noch zu früh. Voraussetzung sei für ihn, dass die Sportler einbezogen werde, „nie gegen den Verein“. Denkbar ist für Stadtrat Frank, für die SG auf der Einhausung einen zweiten Sportplatz zu errichten. Sinnvoller ist es seiner Ansicht nach aber, den gesamten Verein in einer kompakten Anlage umzusiedeln. „An einem anderen Ort könnten wir ideale Verhältnisse schaffen.“

Zu früh für eine Zusage

Noch sei es zu früh, darüber zu sprechen, was auf dem Deckel entstehen kann, sagt der Referent des Planungsdezernats, Mark Gellert. „Wir können nicht sagen, wir machen das auf jeden Fall.“ Es sei bekannt, dass die SG mehr Platz benötige. Zunächst müsse die Frage geklärt werden, ob die Stadt überhaupt die Einhausung stemmen kann. Erst danach werde geschaut, wie der Deckel gestaltet werden kann, so Gellert: ob etwa ein Park, Sportflächen, Kleingärten oder öffentliche Gärten entstehen. Dass die SG Bornheim in den Prozess einbezogen wird, sei nicht ausgeschlossen.

Der Plan, das Areal der Kicker mit Wohnhäusern zu bebauen, sei derzeit vom Tisch. Auch, weil die von der Stadt favorisierte Lösung L2 für diesen Bereich keinen Lärmschutz mehr von der Autobahn brächte. Im Gegenteil. Dort sei voraussichtlich mit dem „Mund des Tunnels“ zu rechnen, sagt Gellert. Die derzeit angestrebte Lösung der Stadt sieht vor, die A661 bis zur Seckbacher Landstraße zu überbauen. Die sogenannte Galerie, der Abschnitt, in dem die Autobahn schon jetzt zum Teil eingehaust ist, könne nicht in die geplante Überbauung einbezogen werden, „das wäre unverhältnismäßig teuer“.

Da im Rahmen der Einhausung Wohnungen entstehen sollen, müsse es auf jeden Fall neue Sport- und Freizeitflächen geben, sagt Jürgen Holzhausen. „Wo sollen die Kinder sonst hingehen zum Kicken und Spielen?“ Toll wäre es, wenn die Stadt eine Multifunktionsanlage baue, für Fußballer, Skater und etwa Basketballer. „Offen für alle, als Familienbegegnungsstätte.“ Sei es gewünscht, könnte die SG eine neue Anlage mitbetreiben. Ausgeschlossen würde niemand. Auch der derzeitige Platz sei außerhalb des Spielbetriebs und des Trainings offen, „dass Kinder hier ihre Freizeit verbringen können – bevor sie auf der Straße herumkicken“.

Bis die Bornheimer Fußballer auf dem Deckel einen neuen Sportplatz bekommen könnten, werden auf jeden Fall noch mehrere Jahre vergehen. Wichtig sei es deshalb, dass die Stadt noch in die bestehende Anlage investiert, sagt Holzapfel. Probleme gebe es etwa mit der Flutlichtanlage, die veraltet sei. Auch die sanitären Anlagen und die Umkleiden müssten dringend saniert werden. Sportdezernent Frank ist auch das bekannt: „Da schauen wir, was wir machen können.“

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