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Emanuel Reuss von der Dorfmetzgerei Krug darf keine Bratwurst mehr auf dem Bornheimer Wochenmarkt brutzeln. Wegen der Corona-Krise schränkt die Stadt die Essens-Angebote auf den Wochenmärkte ein.

Bornheim

Keine Bratwurst am Bornheimer Uhrtürmchen

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Die Stadt schränkt Essens-Angebote auf den Wochenmärkten ein. Bornheimer fordern eine Entzerrung der Marktstände auf der Berger Straße.

Der Bornheimer Wochenmarkt ist eng. Wer sich mittwochs oder samstags zwischen den Ständen auf der Berger Straße begibt, kommt mitunter nur im Schritttempo voran. Vor allem rund um das Uhrtürmchen kommt es immer wieder zu Staus. In Zeiten von Corona ein Zustand, den manche Bornheimer als unhaltbar ansehen. Sie fordern, dass der Markt entzerrt wird.

Mit Entsetzen habe sie am Mittwoch gesehen, dass trotz der Corona-Krise „keine sichtbaren Veränderungen bezüglich Mindestabstand zwischen den einkaufenden Menschen getroffen wurden“, sagt eine Bornheimerin. „Alle Stände stehen wie immer in sehr engem Abstand zueinander, es gibt keine Regelung wie etwa Flatterbänder, um den Sicherheitsabstand zu gewährleisten.“ Sie halte es für unverantwortlich, die Wochenmärkte unter diesen Umständen abzuhalten.

Das sieht auch ein weiterer Bornheimer so. Der Wochenmarkt sei „eigentlich derzeit der gefährlichste Ort in Frankfurt“. Nicht nur die Marktbesucher seien gefährdet. Auch alle Bürger, die den Platz Bornheim Mitte überquerten. Denn dort kreuzten sich mehrere Verkehrswege. Die Bornheimer fordern, dass der Markt entzerrt wird. „Man könnte die Stände bis zum Bornheimer Fünffingerplätzchen verteilen.“ Die Strecke werde schließlich auch bei Festen genutzt. Beiden ist wichtig, „dass der Markt auf jeden Fall beibehalten wird“.

Hust- und Niesetikette

Die Wochenmärkte und die Kleinmarkthalle sind weiter geöffnet. Die Kleinmarkthalle öffnet samstags bereits um 7 Uhr und schließt um 13 statt um 16 Uhr. Der Markt Friedberger Platz hat nur bis 18 Uhr geöffnet.

Besucher werden durch Aushänge auf die Einhaltung von Hygieneregeln hingewiesen. Auf längere Beratungsgespräche und Kontakte soll verzichtet werden. Kunden sollen die Hust- und Niesetikette sowie Mindestabstände in Warteschlangen einhalten. bos

Dem Management für Hafen und Markt Frankfurt ist das Problem bekannt und hat reagiert. So soll es bereits am heutigen Samstag keine gastronomischen Stände wie den Weinstand mehr geben, sagt der für die Märkte zuständige Abteilungsleiter Michael Lorenz. Auch werde nur noch einer von zwei Käseständen aufgebaut. Der Blumenverkäufer soll sein Angebot auf Kräuter reduzieren und damit seine Stellfläche verkleinern. Zudem dürften seit dem gestrigen Freitag stadtweit auf allen Wochenmärkten keine Grills mehr aufgebaut werden. Auf der Berger Straße fielen dadurch zwei Beschicker weg. Lorenz hofft, dass sich dadurch die Situation entspannt.

Zudem appelliert er an die Marktbesucher, dass sich diese an die Hygienevorschriften halten und Abstand zum nächsten wahren. Die Verkäufer seien angehalten, die Einhaltung zu kontrollieren. Würden die Regeln nicht beherzigt, müsste das Angebot notfalls eingestellt werden. Doch das sei nicht gewünscht. Die Wochenmärkte und die Kleinmarkthalle sollen die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln gewährleisten.

Den Bürgern, die den Bornheimer Markt nur überqueren wollten, empfiehlt Lorenz einen kleinen Umweg zu gehen oder sich am Rand zu halten. Denn Flatterbänder seien wirkungslos habe die Erfahrung gezeigt. „Die werden ignoriert. Da braucht man feste Zäune.“

Eine Entzerrung des Markts sei allenfalls langfristig möglich, sagt Michael Lorenz. Dafür seien Absprachen mit den Händlern, verschiedenen Ämtern, der Feuerwehr und den Rettungsdiensten wegen der Fluchtwege nötig. Auch brauchten manche Stände Strom, „das kann man nicht kurzfristig regeln“.

Ortsvorsteher Hermann Steib (Grüne) teilt die Sorge der Bornheimer. Der Wochenmarkt sei immer voll, „da muss etwas unternommen werden“. Er hofft, dass es wenigstens mittelfristig zu einer Entzerrung kommen kann. Dabei müssten Fragen geklärt werden, wer seinen Stand verschiebe und ob es eine Rotation geben könne. Schließlich sei offen, wie lange die Krise andauere.

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