Ruhe kehrt ein ins Viertel. IG-Sprecher Michel van Goethem kann sich zurück lehnen.

Frankfurt-Bornheim

Kaum noch Beschwerden über Lärm an der Oberen Berger Straße

Die Bornheimer Wirte lösen ihre Interessengemeinschaft auf. „Die Situation befriedet“, sagt Sprecher Michel van Goethem.

Ruhig ist es geworden an der Oberen Berger Straße. Schon lange hat es kein böses Wort mehr von Anwohnern gegeben, die sich durch den Betrieb der Sommergärten entlang der Ausgehmeile in ihrer Nachtruhe gestört fühlen. Der Ärger früherer Tage ist einer harmonischen Koexistenz gewichen. Und deswegen haben die Wirte entschieden: Die Interessengemeinschaft Gastronomie Obere Berger Straße (IG) ist überflüssig – und wird aufgelöst. „Die Arbeit ist getan, die Situation befriedet“, sagt Michel van Goethem. Deshalb hat er sein Amt als IG-Sprecher bereits niedergelegt.

Zuletzt hätten der Interessenvertretung auch nur noch acht von anfangs 17 Wirten angehört. Natürlich sei nicht alles „Friede, Freude, Eierkuchen“. Allerdings habe es im vergangenen Jahr nur eine einzige Beschwerde wegen nächtlicher Ruhestörung gegeben. Und deshalb ist van Goethem natürlich sehr zufrieden. Es habe sich schließlich ausgezahlt, dass Wirte und Anwohner gemeinsam am runden Tisch konstruktiv nach einem Ausweg gesucht hätten. „Das geht nur durch Kommunikation“, sagt er.

Stolz wäre van Goethem, wenn der Bornheimer Weg bei ähnlichen Konflikten in anderen Stadtteilen als Vorbild dienen würde. Der Ärger an der Oberen Berger hatte mit dem Public Viewing während der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 begonnen. Damals feierten Fußballfans ausgelassen. Die Situation eskalierte im Sommer 2013. Anwohner liefen Sturm gegen den Betrieb der Sommergärten und gründeten ihre Interessengemeinschaft.

„Hier geht’s bis in die frühen Morgenstunden hoch her. So kann das nicht weitergehen“, sagt damals Wolfgang Schmitt. 2014 verfügte das Ordnungsamt dann, dass an vier Tagen keine WM-Spiele in den Sommergärten gezeigt werden dürften. 2015 kündigten die Anwohner schließlich den Bornheimer Kompromiss und forderten, dass die Sommergärten von Sonntag bis Donnerstag um 23 Uhr und am Freitag und Samstag um 23.30 Uhr zu schließen seien – also jeweils eine halbe Stunde früher als im Bornheimer Kompromiss vereinbart war. Das lehnten die Wirte ab.

Fragebogen verteilt

Um Deeskalation in der festgefahrenen Situation bemüht, suchte van Goethem den Dialog mit den Anwohnern und Vertretern des zuständigen Ortsbeirats 4 (Bornheim, Ostend) und initiierte eine Fragebogenaktion unter dem Motto „Sagen Sie uns, wo Sie der Schuh drückt und worüber Sie sich freuen“. 57 Fragebögen kamen ausgefüllt zurück, nur in acht wurde Kritik geäußert.

Bemängelt wurde insbesondere, dass der Zapfenstreich nicht eingehalten werde. Van Goethem ermahnte die Wirte daraufhin, diesen Punkt sehr ernst zu nehmen und auf den Geräuschpegel nach 22 Uhr zu achten. Das klappt bislang offenbar ganz gut. Angeregt wurden damals auch größere Aschenbecher und Mülleimer vor den Kneipen – die meisten Wirte haben diese Wünsche auch umgesetzt.

Aus Sicht der Kunden scheinen die Kneipenbetreiber vor fünf Jahren alles richtig gemacht zu haben. „Wir haben keine einzige Beschwerde zum Preis-Leistungs-Verhältnis bekommen“, sagte der IG-Sprecher damals.

Franz Steul, Vorsitzender des Gewerbevereins Bornheim Mitte, bedauert das Aus der Interessengemeinschaft Gastronomie Obere Berger Straße. „Wir haben sehr gut mit den Wirten zusammengearbeitet – vielleicht macht der ein oder andere künftig bei uns im Gewerbeverein mit“, sagt er. Van Goethem hält das für sinnvoll, weil es Anknüpfungspunkte gibt.

Auch er will in Kontakt mit den Wirten bleiben. Denn vielleicht bleibt es nicht immer so friedlich auf der Ausgehmeile. Werde er erneut als Moderator und Vermittler zwischen Wirten und Anwohnern gebraucht, sei er jederzeit zur Stelle.

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