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Plant keine Palastrevolution, möchte aber einiges ändern: Der neue Vorsitzende des Bürgervereins Bornheim, Jann Wienekamp vor dem Bernemer Museumslädchen in der Turmstraße.

Bornheim

„Junge Leute für die Bornheimer Historie begeistern“

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Jann Wienekamp, der neue Vorsitzende des Bürgervereins und Förderkreises historisches Bornheim, will das Museumlädchen attraktiver machen. Moderne Medien sollen stärker integriert werden.

Jann S. Wienekamp (40 Jahre) ist gebürtiger Ostfriese. Vor 21 Jahren zog er nach Frankfurt, 1999 nach Bornheim. Ende September wählten die Mitglieder des Vereins Wienekamp zum neuen Vorsitzenden des Bornheimer Bürgervereins. So kam er auch zum Direktorposten für das Bornheimer Museumslädchen in der Turmstraße 11. Wienekamp sitzt für die SPD im Ortsbeirat 4. 

Der bisherige Vorsitzende Bernhard Ochs wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Seine kostümierten Stadtteilführungen möchte er weiterhin anbieten, auch bei der Organisation der Ausstellungen will er helfen. 

Herr Wienekamp, vor kurzem haben Sie den Posten des langjährigen Vorsitzenden Bernhard Ochs beim Bürgerverein und Förderkreis historisches Bornheim übernommen. Er ist bekannt dafür, in historischer Tracht durch Bornheims Straße zu laufen. Wird man Sie künftig auch kostümiert auf der Berger Straße sehen?
Nein, das ist nicht mein Ding. Das überlasse ich Bernhard, der das auch weiterhin auf seinen Stadtteilführungen fortsetzen will.

Sie sind erst seit 2,5 Jahren Mitglied des Vereins und sprechen kein Hessisch. Wie kam es, dass Sie den Posten erhalten haben?
Bernhard Ochs hat mich vor längerer Zeit angesprochen, dass er einen Nachfolger braucht. Ihm war klar, dass ein Generationswechsel nötig ist. Das Durchschnittsalter im Verein liegt bei 70 Jahren. Das kann nicht mehr lange so weitergehen. Hessisch babbele kann isch ned, aber verstehen tu ich’s.

Möchten Sie alles umkrempeln? 
Nein, es wird keine Palastrevolution geben. Aber wir müssen schauen, wie wir den Verein, unser Stadtteilarchiv und das Museumslädchen in die digitale Welt des 21. Jahrhunderts bekommen. Es gibt zwar eine Homepage, doch deren Webdesign wirkt wie von 1995.

Was planen Sie?
Im Museumslädchen ist nicht viel Platz und nur wenig zu sehen, auch nicht für junge Leute. Und derzeit haben wir nur während unserer Ausstellungen geöffnet. Ich würde es gerne hinbekommen, dass wir unsere Türen an einem Wochentag nachmittags und an einem Samstag im Monat öffnen – als Anlaufstelle.

Wie könnte das gehen?
Wir Ehrenamtlichen können das kaum leisten. Es gibt aber die Idee, im Archiv für einen Studenten einen Platz anzubieten, wo dieser in Ruhe arbeiten kann – und der das Museumslädchen dann für drei Stunden öffnet. Denkbar ist es auch, dass in unseren Akten jemand forscht, etwa zum Thema „Brunnenbau in Bernem“. Dadurch könnte auch das Archiv besser genutzt werden, in dem es durchaus schöne Dinge und Kuriositäten gibt.

Zum Beispiel?

Kunst im Museumslädchen heißt es ab 29. November. Um 19.30 Uhr wird die neue Ausstellung mit Bildern von Heinz Böttger und Maria von Stülpnagel, Schmuckkreationen von Marlies Müller und Figuren aus Metall und Glas von Ralf Heneka eröffnet. Die Werke sind am 30. November, 1., 7., 8., 14. und 15. Dezember von 15 bis 18 Uhr zu sehen. bos

Kontakt:www.historisches-bornheim.de, www.facebook.com/museumslaedchen

Wir haben viele historische Fotos, Reste einer hölzernen Wasserleitung aus der Spillingsgasse, alte Apfelweinflaschen der Kelterei Cornel, FSV-Devotionalien und Traditionsfahnen – auch von Vereinen, die es zum Teil nicht einmal mehr gibt.

Sie möchten das Museumslädchen stärker nach außen öffnen?
Ja, das Haus soll künftig möglichst allen Vereinen zugänglich sein, etwa für Vorstandssitzungen oder Klausurtagungen. Denn das Museum und das Archiv interessiert nur dann die Bernemer, wenn sie mitkriegen, dass es das gibt.

Wie möchten Sie es schaffen, Jüngere anzusprechen?
Über meine Zeit bei der Kerwegesellschaft und die fast 20 Jahre, die ich in Bornheim lebe, kenne ich viele junge Leute aus alteingesessenen Familien. Viele von denen wissen nicht, was es noch gibt vom Erbe ihrer Großeltern. Die müssen wir begeistern – dass auch sie sich für den Erhalt des Historischen einsetzen.

Wie stellen Sie sich das vor?
Ich möchte gerne neue Themen ansprechen. Etwa, dass in Bornheim mehr Frauen leben als Männer. Bedeutende Frauen aus der Stadtteilgeschichte könnten wir etwa mit Ausstellungen im Museumslädchen in den Mittelpunkt rücken. Zudem will ich moderne Medien stärker integrieren. Mir schwebt eine App vor, über die man mit Detailfotos historischer Eckchen eine Schnitzeljagd übers Handy unternehmen kann. Zudem möchte ich das lokale Wissen archivieren.

Das heißt?
Ich will mich mit älteren Leuten mit Diktiergerät beim Schoppen treffen, und sagen: Erzählt doch mal! Denn sonst sind diese Geschichten und Erinnerungen irgendwann verschwunden.

Sie haben auch darüber nachgedacht, den sperrigen Namen des Vereins zu ändern?
Ich will mir nicht anmaßen, den Namen von heute auf morgen per ordere di mufti zu ändern. Aber viele kennen nur den Bürgerverein oder den Förderkreis. Und Jüngere sagen, der Name sei zu kompliziert. Schön wäre etwas Griffiges. Aber wir sind ein Traditionsverein, da will ich nichts überstürzen.

Interview: Boris Schlepper

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