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Im Bunkergarten in der Germaniastraße wird es laut

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Von: Kiki Bruder

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Katrin Zurborg, Uta Wagner, Seppel Niemeyer und Fritz Mueller (v.l.n.r.) von der Kulturwerkstatt Germaniastraße des Vereins Waggong feiern das 30-jährige Bestehen.
Katrin Zurborg, Uta Wagner, Seppel Niemeyer und Fritz Mueller (v.l.n.r.) von der Kulturwerkstatt Germaniastraße des Vereins Waggong feiern das 30-jährige Bestehen. © Renate Hoyer

Die Kulturwerkstatt in der Germaniasstraße setzt sich seit 30 Jahren für die freie Musikszene ein. Am Wochenende, 11. und 12. Juli, wird mit vielen Bands gefeiert.

Im Bunker in der Germaniastraße 89 wird täglich laut geprobt und doch dringt normalerweise kaum ein Ton nach draußen. Die meterdicken Betonwände lassen das nicht zu. Am kommenden Wochenende, 11. und 12. Juni, wird es ausnahmsweise etwas lauter: Im Garten hinter dem Gebäude wird mit einer Reihe von Bands auf einer kleinen Bühne das 30-jährige Bestehen der Kulturwerkstatt gefeiert – wegen Corona zwei Jahre verspätet.

Wenn nicht gefeiert wird, findet in dem Bunker Musikunterricht für Jung und Alt statt. Rund 60 Dozent:innen geben dort ihre Kenntnisse an Anfänger:innen und Fortgeschrittene weiter. Das Besondere: Sie sind alle aktiv in der freien Musikszene und bringen direkte Praxiserfahrung mit.

Bands und andere Profimusiker:innen nutzen den Bunker gerne als Proberaum. Die dicken Mauern seien ideal geeignet für Menschen, die in ihren eigenen Wohnungen nicht laut üben können, sagt Fritz Müller, der das Kulturzentrum 1990 mitgegründet hat. „Wir wollen der freien Musikszene einen Raum geben, damit sie sich ausbauen und neue Konzepte entwickeln kann.“

Zu Anfang sei die Zukunft der Kulturwerkstatt unsicher gewesen, sagt Müller. Der Eigentümer, das Bundesvermögensamt, wollte das Gebäude abreißen. „Also begannen wir einen Protest, organisierten Demos und erreichten schließlich, dass die Stadt Frankfurt fünf Bunker aufkaufte.“

Seit den neunziger Jahren sei das Interesse an dem kulturellen Angebot stetig gewachsen. Deshalb arbeiten jetzt neben Fritz Müller noch Uta Wagner und Katrin Zurborg für den Verein Waggong, der die Kulturwerkstatt verwaltet. Zuvor waren die beiden in der freien Musikszene und als Dozentinnen im Kulturzentrum tätig.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Kulturwerkstatt ist der Verein Virusmusik, die Veranstaltungsplattform des Kulturzentrums. Vereinsgründer Seppl Niemeyer betont, wie wichtig die Unterstützung von Newcomern ist, da diese oft einen schweren Start in die Szene haben. „Große Fernsehstationen haben eigentlich kein Interesse an Newcomern“, sagt er. Virusmusik moderiert deshalb täglich eine Sendung über die regionale Musikszene bei Radio X. Außerdem organisieren sie Konzerte, bei denen die Gäste kostenlos Livemusik und die Künstler:innen trotzdem ihre Gage bekommen.

Der verwaltende Verein Waggong wird seit acht Jahren vom Kulturamt Frankfurt gefördert, während Virusmusik nur projektweise Geld erhält. Dennoch fürchtet Waggong massive Kürzungen im Kulturbereich. „Die Kulturszene ist heute zwar anerkannter als früher, aber es besteht weiter dieser Antagonismus zwischen Hochkultur – also Theater und Oper – und Subkultur,“ sagt Fritz Müller. „Diese Unterscheidung ist überholt. Es gibt nur gute oder schlechte Musik.“

Damit die Finanzierung der Frankfurter Kulturszene in Zukunft gesichert ist, wollen die Mitglieder der Kulturwerkstatt der Öffentlichkeit und der Politik vermitteln, wie wertvoll kulturelle Arbeit ist. Deshalb haben sie am Freitag, 10. Juni, Frankfurter Politiker:innen eingeladen. „Wir hoffen, dass sie mit unseren Dozent:innen ins Gespräch kommen und so gegenseitiges Verständnis entsteht“, hofft Fritz Müller.

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