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Mini-Kerbeumzug von Bornheim-Mitte bis zur Johannuiskirche.
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Mini-Kerbeumzug von Bornheim-Mitte bis zur Johannuiskirche.

Bornheim

Humbahumbatäterä in Bernem

  • VonGernot Gottwals
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Im Frankfurter Stadtteil Bornheim wird Kerb und Fasching zusammen in einer Miniversion gefeiert

Kerb und Karneval, geht das überhaupt zusammen? Der Vorsitzende der Bernemer Kerwe-Gesellschaft Ralf Moritz hält sich da eher bedeckt: „Das sind eigentlich schon zwei Paar Schuhe“, stellt er klar. Doch als der kleine Umzug mit Kerbebäumchen durch das lustige Dorf zieht, ist man hier und da doch unsicher, welcher Schlachtruf passt: „Helau!“ , ruft eine Anwohnerin der Berger Straße, und dann gleich hinterher: „Ooohh, sorry!“

Doch bei der Kerbefastnacht in der Gaststätte „Zur Straßenbahn“ und der Fete der Maa-Gard-Ehrengarde herrschen klare Verhältnisse Hier wie auf dem Kerbeplatz wird dem gemeinsamen Spaß mit einem dreifach kräftigen „Bauch hoch!“ gehuldigt. Gerd Wilcken, Senator des Großen Rates der Frankfurter Karnevalvereine, sieht jedenfalls in der Hochzeit der beiden Traditionsfeste keine Hindernisse: „Fastnacht in der Heidestraß‘ wird bestimmt ein Riesenspaß.“

In der „Straßenbahn“ treiben die Bernemer Kerwe-Gesellschaft und natürlich das Wirtsehepaar Sabine und Thomas Schuler die Stimmung auf den Höhepunkt. Die Motivation, Traditionen zu pflegen und kostümiert die Menschen bei guter Laune zu unterhalten, verbindet schließlich die Festgemeinde. Sonst hält man sich mit Kostümen auch bei der zweiten Bernemer Kerb in Zeiten der Corona-Pandemie noch zurück: Uniformen und Trachten aus der Biedermeierzeit bleiben im Schrank, die Gesellschaft zeigt sich mit Hüten und bunten T-Shirts in Vereinsfarben. Schriftführerin Veronika Dörffler hat immerhin ihr Dirndl an und spricht aus, was viele denken: „Endlich wieder feiern und gemeinsam Spaß haben, nach dieser langen Durststrecke.“

Rund 70 Mitglieder und Freunde der Bernemer Kerb schließen sich dem kleinen Umzug an und finden sich auf dem Festplatz vor der Johanniskirche ein: Dort sind Stehtische aufgebaut, es gibt Partymusik und Fassbier, man spricht augenzwinkernd von der „Mikrokerb“. Die Kerbelisbeth wird auf einem Liegestuhl drapiert, während die Kerbeburschen und -mädels das Bäumchen mit ihrer kleinen Schwester im Barbieformat aufrichten.

„Ich bin hier während des Kerbeumzugs 1968 geboren und wohne in Eppertshausen, doch unsere Familie ist natürlich dabei und hält dem Fest die Treue“, betont Kerbebursch Uwe Oberacker. Während die Zelte am Kerbeplatz regenbedingt nach zwei Stunden abgebrochen werden müssen, geht die Party privat weiter: Rund 20 Hausgemeinschaften haben 130 Birkenbäumchen gekauft. „Wir feiern immer parallel zur Kerb im Hof, dort versammeln sich dann einmal im Jahr all unsere Freunde“, freut sich Ralf Conrad. Auch das Haus der Familie Tschierschke schmückt eine selbstgebastelte Lisbeth.

Während einige Vorstandsmitglieder zunächst bei der Maa Gard im Bunker in der Petterweilerstraße vorbeischauen, ziehen Oberackers Schwester Petra und Frau Gabi bereits als zünftige Kerbemädels weiter zur „Straßenbahn“. Orden und Kappen sind dort außerhalb der fünften Jahreszeit zwar nicht angesagt, aber manche Gäste kommen doch in Kniebundhosen mit Trachtenhut.

Der Präsident des Großen Rats Axel Heilmann gibt sich zwischen zwei Terminen die Ehre, Senator Wilcken stellt angesichts der geballten Burschen- und Narrenkraft fest: „Fastnacht in der Straßenbahn, die Idee ist echt der Wahn!“. Thomas Bäppler bringt mit „Ruckizucki“ und „Humbahumbatäterä“ das närrische Kerbevolk sogar zum Tanzen in der Fankneipe von Eintracht und FSV.

Adlers Fittiche in der Wüste Israels und Eintracht Frankfurts Pokalsieg 2018 sind auch das Thema im Kerbegottesdienst von Pfarrer Lars Heinemann. Denn wo Gott Flügel verleiht, da gelingt Außer-gewöhnliches in schwarz-weißen und rot-weißen Trikots. „Wenn die Kerb schließlich steht, dann freut man sich noch ein halbes Jahr später mit leuchtenden, wie toll es wieder war!“, so der Pfarrer.

Heinemann und der Ehrenvorsitzende Hans Zadow erinnern an die Mühen, die Bernemer Kerb aus eigener finanzieller Kraft von der Weißen Erde zurück ins lustige Dorf und damit zur 1779 geweihten „Zwiwwelkerch“ zu bringen. Mit viel Geschick gelingt es dem Pfarrer beim Gickelschmiss, einen Blumentopf zu zerschmettern. Mit dem heutigen Mittagstisch im Bornheimer Dorfstadl endet das offizielle Programm. Mit etwas Glück gibt es im Wein Dünker und anderen Lokalen noch Muscheln, Kerbegulasch und andere Schmankerln. „Ob Kerb oder Fasching, Hauptsache gemeinsam Spaß haben!“, bilanziert Veronika Dörffler.

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