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Erinnerung: Jutta und Wolfram Scholz 1997 in Guatemala.

Bornheim

Hilfe für Guatemala gesucht

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Mehr als 30 Jahre lang hat sich das Ehepaar Jutta und Wolfram Scholz um eine Armensiedlung in Guatemalas Hauptstadt ehrenamtlich gekümmert. Im Laufe der Jahre bekam das Viertel Strom, Wasser, eine Schule und eine Gesundheitsstation. Nun sucht das Projekt, das bei der Evangelischen Kirchengemeinde Bornheim angesiedelt ist, einen Nachfolger.

In El Incienso wird man sich wohl noch lange an Jutta und Wolfram Scholz erinnern. Die Armensiedlung vor den Toren der Hauptstadt Guatemalas hat über lange Zeit vom Engagement des Bornheimer Ehepaars profitiert. Mehr als 30 Jahre lang haben sie die Sozialarbeit der deutschen Epiphanias-Gemeinde in Guatemala-Stadt unterstützt. Jetzt haben die Scholz’ aufgehört. Die Evangelische Kirchengemeinde Bornheim, wo das Projekt angesiedelt ist, sucht einen Nachfolger.

Das ist gar nicht leicht, sagt Pfarrer Matthias Weber. Mehrfach schon habe es in der Gemeindezeitung einen Aufruf gegeben. Doch niemand habe sich gemeldet. Weber fürchtet, das Projekt kann nicht fortgesetzt werden. „Es hat seine Zeit gehabt, aber die ist anscheinend um.“ Das wäre bedauerlich. Jutta und Wolfram Scholz haben in El Incienso, zu deutsch Weihrauch, viel erreicht.

El Incienso liegt an einer Schlucht, einem der vielen Barrancos, die es rund um Guatemala-Stadt gibt, neben der gleichnamigen Brücke. Rund 5000 Menschen leben dort, schätzt Jutta Scholz, die meisten in kleinen, schäbigen Hütten. „Wenn es grün ist, sieht es idyllisch aus“, sagt sie. Doch der Regen spült viele Baracken immer wieder weg.

1981 fängt die Bornheimer Gemeinde an, das Elendsviertel zu unterstützen. Damals fehlt es an fast allem. Als die Gemeinde in der Turmstraße jemanden sucht, der sich vor Ort umschaut, habe sich keiner gemeldet, erinnert sich Jutta Scholz. „Viele haben sich wohl Sorgen wegen der Kriminalität gemacht.“ Das Ehepaar habe sich ein Herz gefasst und zugesagt. Zweimal sind sie für jeweils drei Wochen in das zentralamerikanische Land gereist. Die Frankfurter beschließen, in Bildung und Gesundheit zu investieren. Durch ihre Hilfe erhält die Siedlung fließend Wasser und Strom, erzählt Jutta Scholz. „Vorher hat es nur drei Brunnen gegeben.“ Mit ihrem Mann gründet sie eine Gesundheitsstation, in der eine Ärztin angestellt war. Da es inzwischen in der Nähe ein staatliches Krankenhaus gibt, wird das Zentrum nicht mehr benötigt.

Besonders stolz ist sie auf die vierzügige Grundschule, die mit Geld aus Frankfurt in El Incienso gebaut werden konnte. Rund 100 Kinder lernen dort inzwischen Lesen und Schreiben. In den ersten Jahren schickte Scholz auch Geld für die Lehrer. Der Staat habe die Kosten nicht tragen wollen, da es das Viertel offiziell nicht gibt. Mittels eines Stipendiatenprogramms erhalten die Eltern der Siedlung 50 Euro im Monat, um ihren Kinder den Schulbesuch zu ermöglichen.

Um die Projekte zu finanzieren, hat das Bornheimer Ehepaar in Frankfurt etliche Flohmärkte organisiert und den Erlös für Guatemala zur Seite gelegt. Es hat bei Banken und Firmen Spenden gesammelt und in Vorträgen über die Situation in El Incienso informiert. Im Laufe der Jahre kamen 190 000 Euro zusammen. „Viele Leute müssen nur angesprochen werden“, sagt Jutta Scholz. „Dann sind sie bereit zu helfen.“

Das Geld habe sie nicht einfach nach Guatemala überwiesen. „Wir haben erst gefragt, was benötigt wird.“ Waren aus Deutschland habe sie keine geschickt. „Wir wollten, dass die Sachen vor Ort gekauft werden, um die Händler und Handwerker zu unterstützen.“

Wie sich ein Nachfolger für El Incienso einbringt, könne er frei entscheiden, sagt Jutta Scholz. Wichtig sei, dass er einen Bezug zu Lateinamerika habe. Die Flohmärkte in Bornheim muss ein Nachfolger nicht organisieren. Das möchte Jutta Scholz vorerst weitermachen.

Kontakt:Gemeindebüro, Turmstraße 21, Telefon 94 54 78 14.

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