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Geschichten rund um die Bornheimer Heide

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Von: Gernot Gottwals

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Björn Rosenau hat die Ausstellung im Bornheimer Museumslädchen kuratiert.
Björn Rosenau hat die Ausstellung im Bornheimer Museumslädchen kuratiert. © Michael Faust

Eine Ausstellung im Bornheimer Museumslädchen widmet sich der Landschaft, die es einst am Heideplatz gab. Von der so genannten Bornheimer Heide starteten nicht nur Ballonfahrten. Die weite Graslandschaft wurde auch Schauplatz zahlreicher Feldzüge, Prozessionen, Sport- und Schützenfeste sowie eines historischen Doppelmordes.

Wer an der dicht bebauten Schopenhauerstraße 23 steht, fragt sich vielleicht beim Anblick des Hauswandreliefs, wo der Startplatz der abgebildeten Ballonfahrt war. Die nahegelegenen Straßennamen Heidestraße und Heideplatz geben einen Hinweis darauf. Denn vor 500 Jahren sah es dort noch ganz anders aus.

Eine erzbischöfliche Sanktion sorgte 1522 für eine Rodung, so dass vor den Toren Bornheims im heutigen Nordend die sogenannte Bornheimer Heide entstand. Die weite Graslandschaft wurde Schauplatz zahlreicher Feldzüge, Prozessionen, Sport- und Schützenfeste, sogar eines historischen Doppelmordes - und einer Ballonfahrt. „Da war doch ein Tier dabei“, ruft Felix (6), der sich mit seinen Eltern Simone und Martin Mazari die Jubiläumsausstellung „500 Jahre Bornheimer Heide“ anschaut, die derzeit im Museumslädchen Bornheim zu sehen ist.

Womit der Junge recht hat: Der Franzose Jean François Blanchard, der hier 1785 zur ersten Ballonfahrt in Deutschland startete, testete dabei auch einen der ersten Fallschirme. „Und so ließ er bei seinem Aufstieg wohlbehalten seinen Hund hinabschweben“, erklärt Björn Rosenau, Kassierer des Förderkreises Historisches Bornheim. Er hat die Schau mit rund 40 Fotografien und einem Dutzend historischer Landkarten kuratier. Rosenau zählt die Kartographie zu seinen Hobbys und stammt aus der Lüneburger Heide. „Mit der kann man die Bornheimer Heide aber nicht vergleichen“, findet er, auch wenn in historischen Dokumenten von „Heide“ und „Weide“ die Rede ist und es etwas sumpfig war.

Im Mittelalter erstreckte sich dort ein Waldgebiet, das man unter dem Namen „Bornheimer Holz“ kannte. Als Reaktion auf die Frankfurter Reformation 1522 ließ der Mainzer Erzbischof Albrecht von Brandenburg die Holzeinfuhr sperren. „Doch die Bornheimer erwiesen sich als geschäftstüchtig und verkauften die Abholzungsrechte an Frankfurt“, erklärt Rosenau. Da nach der Rodung keine Aufforstung mehr erfolgte, versteppte das Gebiet und wurde dafür militärisch umso interessanter, wie Rosenau anhand des Faberschen Belagerungsplans von 1552 demonstriert: „Im Schmalkaldischen Krieg wurde Frankfurt 1547 von katholischen kaiserlichen Truppen besetzt, fünf Jahre später lagerten hier protestantische Truppen, um die Stadt zurückzuerobern.“

Ob im Dreißigjährigen Krieg oder bei der Befreiung Frankfurts von den Franzosen 1792 durch hessische Truppen: Die Heide blieb strategisch wichtig. Sie wurde ferner repräsentativ für Prozessionen für die Kaiserkrönungen genutzt. „Und da Frankfurt eine bedeutende Messestadt war, erkannte Blanchard seine Chance, hier für die Ballonfahrt zu werben“, so Rosenau.

Fiel die für die Heide charakteristische Pappelallee den Franzosenkriegen zum Opfer, so wurde die Fläche 1841 für den Ackerbau parzelliert. Im September 1848 ging der Mord an Hans von Auerswald und Felix von Lichnowsky, die in der Nationalversammlung in der Paulskirche im Schleswig-Holsteinischen Krieg für den Friedensvertrag von Malmö gestimmt hatten, als „Doppelmord auf der Heide“ in die Geschichte ein. Danach erlebte das Areal glanzvollere Zeiten mit dem Deutschen Schützenfest 1862 und dem Deutschen Turnfest 1880.

Vier Jahre vor der Eingemeindung Bornheims zu Frankfurt zog die Heide 1872 Investoren an, die mit einem Verkauf den Lückenschluss zum noch selbständigen Dorf suchten: Inspiriert durch den Stadtplan von Paris wurde die Heide mit gründerzeitlicher Architektur bebaut.

Trotz Kriegszerstörungen ist heute noch der sternförmige Grundriss im östlichen Nordend sichtbar, zu dem das Wohnviertel heute gehört. Der gründerzeitliche Turm der Lutherkirche ragt aus der Bebauung heraus und erinnert an jenen Reformator, ohne den die Bornheimer Heide wohl niemals entstanden wäre.

Die Ausstellung im Museumslädchen ist bis 22. November samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr zu sehen. Und kann virtuell unter https:// tinyurl.com/2752jpe4 besucht werden.

Die Pappelallee war charakteristisch für die Bornheimer Heide.
Die Pappelallee war charakteristisch für die Bornheimer Heide. © N.N.

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