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Franz Steul: „Erfolgreich ist man nur in der Gemeinschaft“

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Von: Matthias Bittner

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Franz Steul, der Vorsitzende des Gewerbevereins Bornheim Mitte, tritt nicht mehr an. Mit seiner Familie führt er auch den Betrieb des Haushalt- und Spielwarengeschäfts Meder in Bornheim Mitte.
Franz Steul, der Vorsitzende des Gewerbevereins Bornheim Mitte, tritt nicht mehr an. Mit seiner Familie führt er auch den Betrieb des Haushalt- und Spielwarengeschäfts Meder in Bornheim Mitte. © sauda

Nach 24 Jahren kandidiert Franz Steul nicht mehr für den Vorsitz des Gewerbevereins Bornheim-Mitte. Im Interview spricht er über Erfolge und Misserfolge.

Vor 24 Jahren hat Franz Steul den Gewerbeverein Bornheim Mitte ins Leben gerufen, um die Berger Straße und die dortigen Geschäfte vorwärts zu bringen. Bei der Vorstandswahl am gestrigen Montag hat der 73-Jährige nicht mehr für das Amt kandidiert. Redakteur Matthias Bittner sprach mit ihm über den Einzelhandel in Bernem, die Vorteile einer Gemeinschaft und Herausforderungen für die Zukunft.

Herr Steul, was machen Sie denn jetzt mit all der Freizeit?

Ich habe Hobbys, denen ich mich widmen kann. Außerdem will ich mehr Zeit mit meiner Frau und mit meinen vier Enkelkindern verbringen. Ich spiele mit Begeisterung Golf, leider kein Prellball oder Tennis mehr – die Kniegelenke machen das nicht mehr mit.

Ein Amt werden Sie beim Gewerbeverein nicht mehr ausüben?

Nein, es muss ja irgendwann auch mal Schluss sein. Aber ich habe meinem Nachfolger meine Unterstützung angeboten.

Schwebt Ihnen eine beratende Tätigkeit im Hintergrund vor?

Ja, dafür stehe ich gerne zur Verfügung. Zum Beispiel, wenn meine Meinung zu Projekten gefragt ist oder, wenn meine Kontakte zur Stadtverwaltung vielleicht hilfreich sein können.

Warum haben Sie den Gewerbeverein damals gegründet?

Ausgangspunkt war die Weihnachtsbeleuchtung für die Berger Straße, die enorm wichtig ist, um Atmosphäre zu schaffen. Mein Vater und Herr Leutze vom Fotogeschäft hatten damals immer enorme Schwierigkeiten, das zu Zweit zu stemmen. Das war für mich der Ansatzpunkt zu sagen, wir müssen eine stärkere Gemeinschaft werden. Längerfristig kann man nur erfolgreich sein, wenn man eine Gemeinschaft ist und zusammenhält.

Stichwort Geschäftsschließungen: Hat die Gemeinschaft in der oberen Berger zuletzt gelitten?

Es wird zwar immer mal wieder ein Geschäft geschlossen, es heißt ja nicht umsonst ,Handel ist Wandel‘. Aber wir hier oben haben eigentlich kein Problem mit Abgängen, wir haben sogar jedes Jahr Zugänge. Das ist auch ein Verdienst unserer Kümmerin Margit Martin-Marx, die den persönlichen Kontakt zu den Geschäftsleuten hält und dadurch sagen kann, hier gibt es ein Problem. Das greife ich auf und bespreche es mit dem Vorstand.

Die Kümmerin war also eine gute Idee von Ihnen?

Das war ein wirklich kluger Schachzug. Sie ist eine Vermittlerin zwischen den Geschäftsleuten, dem Gewerbeverein und der Stadtverwaltung. Und sie hat das Thema Sauberkeit im Blick.

Zur Person

Franz Steul (73) hat den Gewerbeverein Bornheim Mitte vor 24 Jahren ins Leben gerufen und war seitdem Vorsitzender. Mehrere Jahre saß er auch dem heutigen Dachverband Frankfurter Gewerbevereine vor.

In vierter Generation hat Steul mit seinen Geschwistern das Haushalts- und Spielwarengeschäft „Meder“ auf der Berger Straße 198 in Bornheim Mitte betrieben. Mehrere Jahrzehnte lang war er zudem im Vorstand der TG Bornheim aktiv. bos

Im Rückblick beurteilt, was war Ihre klügste Entscheidung und was ein Fehler?

Das wichtigste vorweg: Man braucht Mitstreiter. Wenn man alleine im Vorstand ist, steht man auf verlorenem Posten. Deshalb bin ich froh, dass ich Leute an meiner Seite hatte, mit denen ich mich verstanden habe. Wird gegeneinander gearbeitet, kommt nichts Gutes dabei raus. Eine gute Entscheidung war es, das Weinfest zu veranstalten. So ist Bornheim im Gespräch. Gleiches gilt für das Kinderfest, das der Verein Abenteuerspielplatz Riederwald für uns am Gründonnerstag ausgerichtet hat. Wichtig sind die Schaufenster, die wir in der U-Bahn-Station Bornheim Mitte haben. Dort können auch Geschäftsleute aus den Seitenstraßen Werbung platzieren – wir als Gewerbeverein sind ja nicht nur für die Berger Straße zuständig. Das Wichtigste bleibt aber die Weihnachtsbeleuchtung, die dazu beitragen soll, dass die Menschen in der dunklen Jahreszeit gern zum Einkaufen gehen.

Jetzt haben Sie aber etwas Negatives vergessen.

Da gibt’s sicher etwas, aber es fällt mir jetzt nicht ein – vielleicht bin ich da ein Verdränger (lacht).

Klingelt es vielleicht beim Stichwort Oasen?

Jetzt, wo Sie es sagen. Grundsätzlich haben die aus Paletten gezimmerten Oasen Bornheim belebt. Denken Sie nur an das Politiker-Casting vor der Kommunalwahl auf dem Fünffingerplätzchen. Natürlich war die Bühne auf dem Platz für das Weinfest im Weg und mit der Zeit kein schöner Anblick mehr. Kritik gab es auch, weil ein Obdachloser die Oase vor dem Saturn zum Übernachten nutzte. Aber die Oasen waren nicht für die Ewigkeit, sondern nur für temporäre Zeit geplant. Etwas enttäuscht bin ich, dass unsere Einkaufstaschenaktion nicht so gut ankommt – an zehn Standorten können sich Kunden, die keine Einkaufstasche haben, eine mitnehmen. So müssen sie keine Plastiktüte kaufen. Besser und günstiger könnten wir ökologisch nicht vorwärtskommen.

War die Corona-Zeit die schwierigste Phase ihrer Amtszeit?

Ja, ganz sicher. Der Gewerbeverein hat hier aber viele Dinge angestoßen, etwa die 2G-Bändchen für Kunden. Plakate mit Regeln für den Einkauf wurden aufgehängt. Das war mit die aktivste Zeit des Gewerbevereins – allerdings mit einer operativen Unterstützung durch die Kümmerin.

Hört sich an, als hätte Corona auch Positives und die Berger eine Zukunft?

Das Positive ist, wir leben noch, auch die Firma. Ich bin der Meinung, dass der Handel auf der Berger ganz sicher eine Zukunft hat, nicht jeder will bei Amazon & Co. einkaufen. Eines muss man aber beherzigen: Früher habe ich immer gedacht, die Kompetenz ist das Entscheidende, ich muss genau wissen, wie sieht das aus, wie funktioniert das – das ist aber nicht das entscheidendste Kriterium. Viel wichtiger ist die Freundlichkeit dem Kunden gegenüber. Wer unfreundlich behandelt wird, kommt nicht mehr.

Fühlen Sie sich eigentlich als Gewerbeverein unfreundlich von der Stadt behandelt? Schließlich wird wieder viel Geld in die Zeil gepumpt, wo ein Markt zur Belebung betragen soll.

Die Zeil ist für alle Stadtteile wichtig. Ein starkes Frankfurt kann es nur mit einer starken Zeil geben. Deswegen bin ich nicht dagegen, dass Geld in die Hand genommen wird. Ob das Geld richtig investiert ist, ist eine andere Frage.

Was wären Ihre Wünsche für die Berger Straße?

Dass wir weiter Unterstützung bekommen und die Kümmerin weiterbeschäftigt werden kann. Sie kann nicht vom Gewerbeverein bezahlt werden. Zudem wünsche ich mir, dass es sauberer wird, denn die Optik spielt für einen Gast eine große Rolle. Auch müssten die hässlichen Stromkästen auf der Berger schöner werden, rund ums Uhrtürmchen ist das schon passiert. Und last but not least wären Sitzgelegenheiten am Fünffingerplätzchen toll – etwa Stühle, die abends angekettet oder untergestellt werden.

Interview: Matthias Bittner

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