Renate Süssenguth überwacht die Kapsel, die Kunden drei Minuten bei Minus 150 Grad kühlt.

Bornheim

Frierend abnehmen in der Berger Straße

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Der erste Kälteclub Frankfurts eröffnet auf der Berger Straße.

Die roten Ziffern des Thermometers zeigen minus 21 Grad Celsius. Normalerweise würde ich meine Jacke enger ziehen, einen Schal umschlingen und die Mütze über die Ohren drücken. Doch das geht nicht. Ich bin nur mit einer Unterhose bekleidet, an den Füßen dicke Wollpuschen. Eine Art Nebel umgibt meinen Körper, lediglich mein Kopf ragt aus den Schwaden hervor. Dabei stehe ich nicht etwa im Freien, sondern in einer Kältekammer, einer zwei Meter langen Kapsel.

Renate Süssenguth, die Leiterin des Kälteclubs, der am Freitag auf der Berger Straße eröffnet wird, überwacht die Prozedur. Mit ruhiger Stimme spricht sie zu mir, erkundigt sie sich nach meinem Wohlbefinden – und sorgt dafür, dass die Temperatur stetig fällt. Immer wieder lässt sie es zischen, dann schießt ein Schwall gasförmiger Stickstoff zu mir in die Kammer, und es wird kälter: minus 61 Grad. Minus 89. Und kälter. Nach kurzer Zeit zeigt das Thermometer eine dreistellige Zahl. 144 Grad ist das Maximum.

Am Körper ist die extreme Kälte kaum zu spüren. Es ist nicht unangenehmer als nach einem Sprung ins Eisbecken beim Saunagang. Zwar zittere ich am Ende leicht, doch nur kurz, dann sind die drei Minuten um. Süssenguth öffnet die Klappe und misst meine Temperatur. Mein Bauch zeigt 18 Grad, meine Oberschenkel 13. Ich kann mich wieder in einer der beiden Umkleidekabinen anziehen, die neben der Kammer und dem Fass mit Stickstoff stehen.

Kunden erhalten auch Ernährungskonzept

„Kalorienburner to go“ nennt das Unternehmen Cryosizer aus München sein Angebot. Drei Franchise-Nehmer gibt es dort, ein weiterer in Berlin – und ab Freitag in Bornheim. Dabei ist es nicht die erste Kältekammer Frankfurts, aber der erste reine Kälteklub. Auch eine Apotheke und ein Boxing Club etwa bieten moderne Varianten des Eisbads an.

Die Anwendungen sind nach Angaben der Anbieter vielseitig. So soll die extreme Kälte etwa den sogenannten Afterburn-Effekt anstoßen, der die körpereigene Kalorienverbrennung erhöht. Das Immunsystem werde gestärkt und die Rehabilitationsphasen, etwa nach Operationen, verkürzt. Sportwissenschaftler berichten davon, dass sich Fußballer in der Halbzeitpause frosten lassen – um anschließend wieder fit zu sein. Fußballstar Cristiano Ronaldo soll eine eigene Kapsel zu Hause haben.

Renate Süssenguth möchte mit ihrem Club vor allem Personen ansprechen, die abnehmen möchten. Den Kunden werde deshalb auch ein Ernährungskonzept angeboten. Wer sich daran halte, der könne die Stoffwechselrate signifikant erhöhen. Zwei bis drei Trainings pro Woche empfiehlt Süssenguth. Aber auch ein Termin pro Woche bringe positive Effekte.

Beim ersten Besuch gibt es ein Beratungsgespräch. Dabei werden die gewünschten Ziele ebenso besprochen wie Risiken. Diese seien gering. „Stickstoff ist nicht giftig“, sagt Sussenguth. Auch werden die Kunden in der Kammer nicht alleingelassen.

Der Cryosizer Club F1in der Berger Straße 172 hat montags bis sonntags von 10 bis 14 und von 16 bis 20 Uhr geöffnet. Eine Training gibt es ab 18 Euro.

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