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In den Arkaden von St. Josef an der Berger Straße wollen Nicolas Dörr von der Gruppe Foodsharing, Stefan Diefenbach vom Eine-Welt-Laden Bornheim und Pfarrer Markus Schmidt gemeinsam ein Foodsharing-Projekt gründen.

Bornheim

Frankfurt: Erster Fairteiler an der Berger Straße in Bornheim

  • Boris Schlepper
    vonBoris Schlepper
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Die Gruppe Foodsharing Frankfurt schafft einen Umschlagplatz für Lebensmittel an der Kirche St. Josef. Werktags können sich dort alle kostenlos bedienen - und ebenfalls etwas hinterlegen.

Bananen, Brote, Äpfel und Haferflocken könnte es demnächst in den Arkaden der St. Josefskirche an der Berger Straße geben. Doch nicht etwa, weil die Gemeinde einen neuen Lebensmittelladen eröffnen wird. Sie unterstützt vielmehr ein Projekt der Gruppe Foodsharing Frankfurt. Diese möchte in dem Bogengang einen sogenannten Fairteiler aufstellen.

Fairteiler in Frankfurt: Umschlagplatz für Lebensmittel

Die Idee dahinter ist simpel. „Der Fairteiler ist wie ein Umschlagplatz für Lebensmittel, zu dem jeder etwas hinbringen oder von dort gratis mitnehmen darf“, erklärt Nicolas Dörr, der als Foodsaver aktiv ist und das Projekt in Bornheim ins Leben gerufen hat. Bestückt werden soll der Schrank von jedem, der etwas zu viel oder übrig hat.

Zusätzlich bringen Dörr und seine Mitstreiter Lebensmittel, die sie etwa in Bäckereien, bei Supermärkten und Gemüsehändlern bekommen haben, die gute Nahrungsmittel nicht wegwerfen wollen, nur weil sie nicht mehr für den Verkauf geeignet sind oder das Haltbarkeitsdatum abgelaufen ist.

Foodsharing Frankfurt

Rund 1300 Foodsaver gibt es in Frankfurt, von denen knapp die Hälfte aktiv sind. Von 2014 bis August hat die Organisation Foodsharing Frankfurt nach eigenen Angaben 83 000 Kilo an Lebensmitteln gerettet. Die Standorte der Fairteiler und Abgabestellen sind im Internet zu finden. Kontakt über die E-Mail-Adresse frankfurt.am.main@foodsharing.network

In Frankfurt gebe es derzeit nur im Internationalen Zentrum im Gallus einen Fairteiler, sagt Dörr. Parallel dazu haben sich über soziale Medien virtuelle Verteiler in verschiedenen Stadtteilen gebildet. Und die Organisation beliefert mehrere Einrichtungen, wie Repaircafés im Ostend und in Heddernheim, die Drogenhilfe oder die Bahnhofsmission. „Wir sind immer auf der Suche nach neuen Standorten.“ Denn die Lebensmittel sollen nicht nur Bedürftigen zugutekommen, sondern allen. „Die Grundidee ist, Lebensmittel zu retten“, so Dörr.

Frankfurt Bornheim: Die Kirche will sich an den Kosten beteiligen

In den Arkaden von St. Josef werden diese wohl in einem Metallschrank landen, den eine Bornheimer Firma derzeit herstellt, sagt Pfarrer Markus Schmidt. Wann er aufgestellt werden kann, sei noch offen. Die Kirche werde sich an den Kosten beteiligen, auch stelle sie einen Raum zur Verfügung, wo das Möbel abends hineingerollt werden kann. Er wolle damit keine Konkurrenz zu bestehenden Geschäften schaffen. Auch schließe der Schrank keine andere Nutzung der Arkaden aus, so Schmidt. Er begrüße vielmehr die Idee, dass nicht alles weggeworfen wird: „Besser ist es, zu teilen.“

Diese Ansicht teilt Stefan Diefenbach vom Weltladen Bornheim. Auch ihn bewegt das Thema Lebensmittelverschwendung. „Es ist ein Skandal, wie viel weggeworfen wird.“ Dass es die Gruppe gibt, die Obst und Gemüse vor dem Müll rettet, findet er toll. Diefenbach möchte deshalb das Projekt unterstützen und hat sich angeboten, den Fairteiler während der Öffnungszeiten seines Ladens von 10 bis 19 Uhr in die Arkaden zu stellen.

Fairteiler in Frankfurt: Auf Hygiene wird geachtet

Weitere Hilfe könne es durch Ehrenamtliche aus der Kirchengemeinde geben, kündigt Pfarrer Schmidt an. Und die ist nötig, sagt Nicolas Dörr. Regelmäßig müsse sich jemand um den Schrank kümmern, diesen sauber halten und die Ware kontrollieren. Für alle Nutzer sollen Hygieneregeln aufgehängt werden. Etwa, dass keine verdorbenen Lebensmittel hinterlassen werden „oder selbstgesammelte Pilze“. Auch Milch oder Joghurts, die gekühlt werden müssten, gehören dort nicht hinein. Stattdessen „all das“, so Dörr, „was man auch selbst essen würde“.

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