+
Seit Ende 2018 ist Zissis Petkanas sportlicher Leiter der Turngemeinde Bornheim.

Bornheim

„Wir wollen keine Konkurrenz zu andern Vereinen sein“

  • schließen

Der Sportliche Leiter Zissis Petkanas über das kontinuierliche Wachstum der Turngemeinde. Die Bornheimer nutzen außer ihren Sportstätten auch 16 Schulturnhallen.

Herr Petkanas, die Turngemeinde Bornheim hat 1500 Stunden Sport in der Woche auf dem Programm. Regelmäßig gibt es neue Angebote – darunter Ungewöhnliches wie den fiktiven Sport Quidditch aus den Harry-Potter-Büchern. Müssen Sie als Sportlicher Leiter vorher alle testen?
Nein, das nicht, aber die meisten habe ich ausprobiert – auch Quidditch.

Wie kommt eine neue Sportart zu Ihnen in den Verein?
Wir haben ein wachsames Auge und schauen, was in der Branche passiert. Zudem sind wir in enger Abstimmung mit unseren Übungsleitern und den Geräteherstellern. Dadurch haben wir manchmal Trends, bevor sie auf Sportmessen vorgestellt werden.

Ist das denn nötig?
Viele unserer Mitglieder erwarten das von uns. Die Leute wollen frei wählen und jederzeit Sport machen können.

Gibt es nicht Trends, auf die man hätte verzichten können?
Wir haben kaum Angebote, die wieder aussterben. Meist lernen die Mitglieder den Sport schätzen – und unsere Trainer. Bei uns haben auch Nischensportarten ihren festen Platz, wie Quidditch. Da waren wir an Pfingsten auf den Deutschen Meisterschaften vertreten. Und ob sich jemand auf einem Besenstiel bewegt oder im Fitnessraum, ist egal. Wichtig ist, dass man überhaupt aktiv ist.

Inzwischen ist die Turngemeinde auch in Schulen und Kitas zugange?
Über das Programm „Fit für Schule“ versuchen wir, Kinder für Sport zu begeistern, dass sie vielfältig in Bewegungen ausgebildet werden. In der Helmholtzschule organisieren wir etwa einen Pausensport für die 5. und 6. Klassen. Schüler der Carl-Schutz-Schule kommen in einer sogenannten Aktionswoche dagegen zu uns. Darüber hinaus besuchen wir zwei Kitas und machen Sport mit den Kleinen. Dieses Angebot haben wir auch für die frühkindliche Betreuung erweitert.

Ist irgendwann einmal Schluss mit der Expansion?
Ich glaube nicht, dass es ein Ende gibt. Unser primäres Ziel ist aber nicht das Wachstum. Wir möchten unseren Mitgliedern das bestmögliche Angebot bieten, so viel Sport wie möglich zu treiben. Wir bieten an 364 Tagen Sport an – nur nicht am 1. Weihnachtstag. Der Zuspruch ist durchgehend hoch. Am Ostermontag etwa hatten wir von 9 bis 23 Uhr Betrieb, und es wurde super gut angenommen. Dabei wachsen wir vor allem durch unsere vereinseigenen Sportstätten, die wir schon frühzeitig ausgebaut haben.

Dennoch ist die Turngemeinde inzwischen fast in ganz Frankfurt unterwegs. Stadtweit nutzen Sie 16 Schulturnhallen. Reicht es nicht, sich auf Bornheim zu konzentrieren?
Unser Motto ist „Wir bewegen Frankfurt“. Wir wollen aber keine Konkurrenz zu anderen Vereinen sein. Ich glaube, dass viele eher von unserem Engagement profitieren und wir uns ergänzen. Bislang hat noch keiner moniert, dass wir ihm Mitglieder wegnehmen.

Sie haben inzwischen mehr als 30 000 Mitglieder, wird da die Turngemeinde nicht zu einem Dienstleister?
Viele nehmen uns als solchen wahr und nutzen uns auch so. Wir aber sehen uns als große Familie und versuchen den Spagat, auch ein normaler Verein zu sein. Wir haben viele Feste und Feiern und schaffen es, Mitglieder zu finden, die sich einbringen. Wichtig ist dabei auch das Engagement unseres Vorstands, der wie so viele ehrenamtlich arbeitet.

Wie erreicht ein Sportverein in Zeiten von Bewegungsarmut, Alterung der Gesellschaft und Konkurrenz durch kommerzielle Fitness-Studios einen derartigen Zulauf?
Wir bekommen es gut hin, den Nachwuchs zu halten, in dem wir schon bei den ganz Kleinen anfangen. Und viele, die als Baby in den Verein kommen, können wir über klassische Angebote binden und halten. Sie werden mit unserem Sportangebot groß. Und da unser Programm umfangreich ist, können sich Jung und Junggebliebene ohne Hürden bei uns ausprobieren.

Interview: Boris Schlepper

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare