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In mehreren Straßen wie der Seckbacher Landstraße fehlten zunächst Automaten – der Hersteller hatte einen Lieferengpass. 

Kritik an Parkregelung

Frankfurt-Bornheim: Seit Januar kostet das Parken - Betriebe fürchten um Existenz

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„Ein Riesenproblem“: Betriebe in Frankfurt-Bornheim kritisieren die neue Parkregelung im Norden des Stadtteils - und fordern nun Ausnahmeregelungen.

  • Seit Januar kann in einem ersten Quartier in Frankfurt-Bornheim nicht mehr kostenlos geparkt werden
  • Die neue Regelung betrifft etwa 4000 Stellplätze 
  • Bis Ende 2020 sollen vier Bereiche für Bewohner-Parken eingerichtet werden

Frankfurt - Gewerbetreibende und Betriebe in Bornheim schlagen Alarm. Durch die neue Bewirtschaftung des Parkraums in dem östlichen Stadtteil fürchten viele um ihre Existenz. Ohne bezahlbare Parkplätze werde es immer schwieriger, Personal zu halten oder neues zu finden, klagten mehrere in der jüngsten Sitzung des Ortsbeirats 4 am Dienstagabend. Sie forderten etwa Parkausweise für Mitarbeiter.

Frankfurt-Bornheim: Krankenhaus-Geschäftsführerin sieht „Riesenproblem“

Seit Anfang Januar muss im nördlichen Bereich Bornheims wochentags fürs Parken bezahlt werden. Bis Ende des Jahres haben Autofahrer im gesamten Quartier zwischen A661, Bornheimer Hang, Comenius- und Saalburgstraße tagsüber ein Ticket zu ziehen, Anwohner können einen Bewohnerparkausweis beantragen. Langfristig sollen in Frankfurt alle öffentlichen Parkplätze zwischen Anlagen- und Alleenring bewirtschaftet werden.

Die neue Parkregelung sei „ein Riesenproblem“, sagt die Geschäftsführerin des Sankt-Katharinen-Krankenhauses, Alexandra Weizel. „Das könnte uns dieses Jahr das Genick brechen.“ Schon mehrfach hätten Bewerber Angebote für eine Stelle abgelehnt, da es kaum Parkplätze gebe und die Gebühren hoch seien. Mitarbeiter im Schichtdienst seien häufig auf Autos angewiesen. In den frühen Morgenstunden sei das ÖPNV-Angebote meist sehr eingeschränkt.

Mitte Januar muss im Bewohnerparkbereich 40 zwischen Seckbacher Landstraße, Dortelweiler und Weidenbornstraße gezahlt werden. 

Frankfurt-Bornheim: Betriebe kritisieren die neue Parkregelung

650 Mitarbeiter arbeiten im Hospital an der Seckbacher Landstraße, von denen viele außerhalb Frankfurts wohnen. Der Parkplatz des Katharinen bietet Raum für 200 Fahrzeuge. Seitdem in Bornheim ein Ticket nötig ist, sei der Parkplatz mit Pendlern zugestellt, so Weizel. Eine Stunde kostet auf dem Krankenhausparkplatz ein Euro - auf der Straße wird das Doppelte fällig. „Wir werden die Gebühren anheben müssen.“ Langfristig sei aber eine andere Lösung nötig.

Sorgen um die Zukunft ihrer Einrichtungen macht sich auch Kita-Leiterin Elke Schulmeyer, die für mehrere Kindergärten und Horte in Bornheim spricht. Durch die Parkraumbewirtschaftung verstärke sich der Fachkräftemangel weiter. Schulmeyer regte an, dass jede Einrichtung zwei gebührenpflichtige Bewohnerparkausweise beantragen könne, damit Mitarbeiter bis 17 Uhr parken könnten. Länger sei es nicht nötig und viele Anwohner benötigten erst dann einen Stellplatz.

Frankfurt-Bornheim: Seit Januar kostet das Parken

Eine Lösung forderte auch Peter Otter, Geschäftsführer einer Bornheimer Kfz-Werkstatt. Hilfreich wäre es, könnten seine Mitarbeiter tagsüber etwa mit Hilfe eines Parkausweises einen Platz finden, „wenn die Bewohner kommen, ist er wieder frei“. Otter moniert, dass das Konzept das Gewerbe außen vorlasse. Die Parkregelung sei eine „extreme Beeinflussung unseres Geschäfts“. Um Hilfe bittet auch der Gewerbeverein Bornheim Mitte. Die stellvertretende Vorsitzende Martina Genzel sagt, dass Lösungen nötig seien, damit Kunden kostenfrei parken könnten.

Der Ortsbeirat hatte sich bereits im vergangenen Mai dafür ausgesprochen, dass Betriebe im Bornheim eine Art Gewerbeparkausweis beantragen könnten. Bislang hat die Stadt auf den Vorschlag nicht geantwortet. Auf Anfrage der FR sagt Hans Preißl vom Verkehrsdezernat, dass derzeit geprüft werde, ob und zu welchen Konditionen es eine Ausnahmegenehmigung für ortsansässige Handwerksbetriebe ohne eigenen Hof geben könne. Für Pendler dagegen sehe er aus rechtlichen Gründen keine Möglichkeit, Sonderregelungen zu schaffen. In den kommenden Monaten werde auch im Westend eine Parkraumbewirtschaftung eingeführt.

Frankfurt-Bornheim: Betriebe fürchten um ihre Existenz

Vertreter von SPD, Grünen und CDU im Ortsbeirat 4 verwiesen darauf, dass nicht alle Betriebe eine Sondergenehmigung erhalten könnten, anderenfalls könnte das Konzept gleich gekippt werden. Dennoch müsse nachjustiert werden. Bornheim zeichne sich durch den Mix aus Wohnen und Gewerbe aus, doch müssten auch die Bürger vor Ort geschützt werden. Viele Bornheimer seien froh, dass sie endlich wieder einen Parkplatz fänden.

Der SPD-Stadtverordnete Holger Tschierschke wies darauf hin, dass die Römer-Koalition der Parkraumbewirtschaftung nur zugestimmt habe, um ein Dieselfahrverbot zu vermeiden.

Von Boris Schlepper

Parken in Bornheim

Das Parkraumbewirtschaftungskonzeptgilt für das Areal zwischen Günthersburgpark und Bornheimer Hang, Saalburgstraße/-allee und A661. Es betrifft etwa 4000 Stellplätze. Bis Ende 2020 sollen vier Bereiche für Bewohnerparken eingerichtet werden – seit Mitte Januar ist der 40er aktiv. Ein Bewohnerparkausweis gilt für ein Gebiet und kostet 50 Euro für zwei Jahre.

Kunden und Besuchermüssen in dem Quartier ein Ticket ziehen (50 Cent für 15 Minuten), montags bis freitags von 7 bis 19 Uhr; an der Kettelerallee an sieben Tagen von 7 bis 21 Uhr. Es gibt keine zeitliche Beschränkung. Ausnahmen gibt es am Bornheimer Hang („rote“ Strecken). Dort dürfen nur Bewohner parken. Auf Teilen der Berger Straße sowie vor der Post auf der Saalburgallee („blaue“ Strecken) muss immer ein Ticket gezogen werden. 

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