Seit Sommer 2019 hat die Bornheimer Gaststätte Zur Sonne an der Berger Straße geschlossen. Foto: Christoph Boeckheler
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Seit Sommer 2019 hat die Bornheimer Gaststätte Zur Sonne an der Berger Straße geschlossen. 

Bornheim

Frankfurt-Bornheim: Rettung für Traditionslokal Zur Sonne

  • Boris Schlepper
    vonBoris Schlepper
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Neuer Eigentümer will die historische Apfelweinwirtschaft an der Berger Straße fortführen. Eine Bauantrag gibt es noch nicht, die ersten Arbeiten laufen bereits.

Das historische Apfelweinlokal Zur Sonne ist anscheinend gerettet. Wie das städtische Denkmalamt auf Anfrage mitteilt, gibt einen neuen Eigentümer, der sich im Februar mit der Behörde in Verbindung gesetzt hat. Dieser wolle die Traditionsgaststätte an der Berger Straße weiterführen. Der große Wirtschaftsgarten bleibe erhalten.

Seit vergangenem Sommer ist das Lokal geschlossen. Vor knapp zwei Jahren hatten die damaligen Besitzer die Gaststätte zum Verkauf angeboten. Für 2,5 Millionen Euro wurde das historische Ensemble über einen Makler im Internet vermarktet – seit November wird es dort nicht mehr angeboten. Viele Bürger und Stadtteilpolitiker sorgen sich um die Zukunft der Sonne. Sie befürchten, dass sie dauerhaft schließt und dort stattdessen Wohnungen entstehen. Vor allem, da im Exposé darauf hingewiesen wurde, dass es denkbar ist, die gastronomischen Flächen umzubauen.

Doch diese Pläne scheint der neue Eigentümer nicht zu verfolgen. Nach Auskunft von Heike Kaiser vom Denkmalamt soll die Gaststätte erhalten bleiben. Von Neubauten sei bei einem Vor-Ort-Termin vor kurzem nicht die Rede gewesen. Was sie bei den Gesprächen erfahren habe, habe sich „super angehört“, so Kaiser. Die Küche solle modernisiert werden. Sie sei zuversichtlich, dass die Sonne in Zukunft wieder öffnet.

Bislang gibt es weder Baugenehmigung noch Bauantrag, sagt Mark Gellert vom Planungsdezernat. Da das Lokal innerhalb des Geltungsbereichs der städtebaulichen Erhaltungssatzung liege, gebe es „erheblichen Klärungsbedarf“. Die Bauaufsicht führe Beratungsgespräche. Auch Heike Kaiser liegt kein Antrag auf eine denkmalrechtliche Genehmigung vor. Diese ist erforderlich, da das Landesamt für Denkmalpflege die 1768 erbaute Apfelweinwirtschaft als Einzelkulturdenkmal ausgewiesen hat. Möchte der Eigentümer etwas an dem barocken Fachwerkhaus – im Inneren oder am Äußeren – verändern, muss er das mit den Behörden abstimmen.

Gearbeitet wird indes bereits hinter dem dunklen Holztor an der oberen Berger Straße. Seit etwa drei Wochen beobachtet Nachbar Thomas Becker Arbeiter auf dem Grundstück. Wo bislang die Gäste mit Schoppen und Handkäs saßen, stünden derzeit Schuttcontainer. Becker freut sich, dass ein neuer Eigentümer die Wirtschaft übernommen hat. Monatelang hatte er sich mit einer Online-Petition dafür eingesetzt, dass das historische Lokal nicht schließt. Mehr als 5400 Personen hatten dafür ihre Stimme abgegeben. Prominentester Unterstützer war Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), an den die Unterschriften überreicht worden sind.

Ortsvorsteher Hermann Steib (Grüne) würde es begrüßen, wenn die Sonne als Gaststätte erhalten bleibt und das Areal nicht etwa bebaut wird. Das Traditionslokal sei das letzte Exemplar von Wirtschaften mit Garten in Bornheim. „Schon allein aus traditionalistischen Gründen wäre es schön, wenn es so bleiben würde wie es war.“

Noch lieber wäre es Thomas Becker gewesen, wenn der Verein „Inter Esse“, in dem er sich engagiert, die Wirtschaft gekauft hätte. Doch habe die Gruppe das Geld nicht zusammenbekommen. Sie wollte die traditionelle Gaststätte fortführen und eine Art Kulturzentrum etablieren.

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