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Zum 20. Todestages Henry Jaegers befestigt Norbert Rojan eine Gedenktafel am Geburtshaus in der Fechenheimer Straße. 

Bornheim

Frankfurt-Bornheim: Bandenführer und Bestsellerautor

Gedenktafel am Geburtshaus erinnert an Henry Jaeger. Berühmtheit erlangte der Schriftsteller vor allem als Kopf einer Räuberbande.

Seit Dienstag erinnert eine Gedenktafel an den Schriftsteller Henry Jaeger. Im dritten Stock des Wohnhauses in der Fechenheimer Straße 12 wird Jaeger am 29. Juni 1927 geboren.

„Erste Berühmtheit erlangte er als Kopf der Jaeger-Bande“, sagt Norbert Rojan. Er hat eine Romanbiografie über Jaeger geschrieben und bemüht sich aktiv um das Gedenken an den Bornheimer. In den Jahren zwischen 1948 und 1955 leitete der spätere Schriftsteller die Räuberbande, eine in der gesamten Republik bekannte Gruppe, die zahlreiche Überfälle und Einbrüche verübte.

Henry Jaeger, als Karl-Heinz Jaeger in Bornheim geboren, verbrachte seine Kindheit und Jugend in dem Stadtteil, bis er 1944 von der Wehrmacht eingezogen und an die Westfront geschickt wurde. Ein Jahr später kam er nach kurzer Kriegsgefangenschaft in seine Heimat zurück. Nach einer verwehrten Zulassung zum Studium der Medizin verdiente sich Jaeger seinen Lebensunterhalt mit der Führung eines illegalen Taxiunternehmens im Bahnhofsviertel, sowie mit diversen Schwarzmarktgeschäften.

Nach einem Überfall auf die Bundespost in Frankfurt verhaftete man Jaeger 1956 schließlich und verurteilte ihn zu zwölf Jahren Zuchthaus. In der Zeit der Haft nahm er die Arbeit zu seinem ersten Roman auf. Das Debüt „Die Festung“ verkaufte sich mehr als über 750 000 Mal. Es erzählt die Geschichte einer geflüchteten Familie aus Osteuropa im Deutschland der Nachkriegszeit und wurde später mit Hildegard Knef verfilmt.

Aufgrund guter Führung konnte Jaeger bereits nach acht Jahren das Zuchthaus verlassen und arbeitete anschließend als Redakteur bei der Frankfurter Rundschau. Seit 1965 lebte er in der südlichen Schweiz, in Ascona. Jaeger verfasste mehr als 20 Romane, Drehbücher und Erzählungen.

Am Dienstag wurde anlässlich seines zwanzigsten Todestages eine Gedenktafel an das Geburtshaus des Schriftstellers in Bornheim angebracht. „Wir versuchen Jaeger wieder bekannt zu machen“, sagt Norbert Rojan. Zusammen mit dem Sohn des Schriftstellers, Marcus Jaeger, dessen Tochter und dem Bornheimer Ortsvorsteher Hermann Steib (Grüne), befestigte Rojan die silberne Gedenktafel.

„Das ist auch für die Bornheimer interessant, weil man sich hier wenig an ihn erinnert“, sagt Rojan. Durch die Gedenktafel solle viele die Frage reizen, wer Henry Jaeger war und zum Recherchieren anregen.

Mit dem Roman „Jakob auf der Leiter“ schrieb Henry Jaeger zum ersten Mal mit lokalem Bezug. Im Januar dieses Jahres brachte der B3 Verlag den erstmalig 1973 erschienenen Roman mit einem Nachwort Rojans heraus. Die Geschichte ist in Bornheim angesiedelt. Sie erzählt in Parallelen zu Jaegers Leben über den Alltag im Arbeitermilieu im sich verändernden Frankfurt zwischen den Jahren 1927 und 1970. Der Protagonist fragt dabei stetig nach dem Wert des Menschen und wer letztlich über den Erfolg eines Menschen entscheidet.

Rojan, Verleger des B3 Verlags und Autor der Jaeger-Romanbiografie „Der Gröschatz“, der unter dem Pseudonym Jakob Stein erschien, möchte überdies einen Verein gründen. Noch habe er dafür keinen Namen, stelle sich die Bezeichnung „Jaeger-Bande e.V.“ aber als passend vor, sodass künftige Beteiligte sich nicht als Vereins- sondern als Bandenmitglieder bezeichnen könnten.

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