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Beliebter Laden auf der Berger Straße schließt nach mehr als 30 Jahren

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Von: Matthias Bittner

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Bis zum 31. März läuft bei Ute und Klaus Bund noch der Ausverkauf, dann ist Schluss.
Bis zum 31. März läuft bei Ute und Klaus Bund noch der Ausverkauf, dann ist Schluss. © Sauda

Die „Sockenkiste“ auf der Berger Straße in Frankfurt-Bornheim schließt. Die Nachfolgeregelung scheiterte auch am Finanziellen.

Frankfurt – Kurz vor Weihnachten haben Ute und Klaus Bund aufgegeben und schweren Herzens beschlossen, dass die „Sockenkiste“ in der Berger Straße 133 in Frankfurt bald Geschichte ist. 34 Jahre hat das Ehepaar den Laden an diesem Standort betrieben. Zwölf Monate haben sie sich nach einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin bemüht. Vergeblich. „Am 31. März drehen wir zum letzten Mal den Schlüssel um. Das tut weh. Ich könnte eigentlich den ganzen Tag nur heulen“, sagt Ute Bund.

Gescheitert sei eine Nachfolgeregelung auch am Finanziellen. Interessent:innen hätten nicht genügend Geld für die Warenablöse gehabt, sagt Ute Bund. „Und die Banken gewähren derzeit keine Kredite für den Einzelhandel, die wollen kein Risiko eingehen“, sagt sie mit Blick auf die Corona-Pandemie. Es seien aber auch Bewerber:innen abgesprungen, weil sie den Arbeitsaufwand gescheut hätten. „Wir Geschäftsleute, die das mit so viel Enthusiasmus machen, sind eine aussterbende Rasse“, sagt die 63-Jährige.

„Sockenkiste“ auf der Berger Straße in Frankfurt: Ein Markt-Stand machte den Anfang

Mehr als 40 Jahre waren Ute und Klaus Bund im Einzelhandel tätig. Die langen Arbeitstage seien aber ganz schön auf die Knochen gegangen. Deshalb will das Ehepaar nun den verdienten Ruhestand genießen. „Ich wollte schon als Kind Verkäuferin werden, das und noch mehr bin ich gewesen“, erinnert sich die Geschäftsfrau. Sie sei immer gerne im Laden gewesen. Den Kontakt zu ihren Stammkunden werde sie am meisten vermissen. Einige seien auch zum Plaudern vorbeigekommen, schließlich kenne man sich in Bornheim. Als sie ihnen dann nach und nach erzählt habe, dass die Sockenkiste schließe, sei das für viele ein Schock gewesen.

Gestartet waren die Bunds relativ bescheiden in die Selbstständigkeit. Mit einem Stand tingelten die beiden von Markt zu Markt im Rhein-Main-Gebiet und verkauften Strümpfe, Unterwäsche, Handschuhe oder Mützen. Als sich die Gelegenheit ergab, mieteten sie den Laden in der Berger Straße von der Kirchengemeinde St. Josef Bornheim. Der Verwaltungsrat sucht nun einen Nachfolger. Laut Ute Bund gibt es mehrere Bewerber, Anfang März soll eine Entscheidung fallen.

Hauptsache nicht noch ein Restaurant oder Imbiss. Davon gebe es mehr als genug in der oberen Berger Straße, meint Ute Bund. Nach Ansicht von Franz Steul, Vorsitzender des Gewerbevereins Bornheim-Mitte, habe sich das Verhältnis von Gastro zu Einzelhandel zuletzt zwar deutlich verschoben. „Früher war das ein Drittel zu zwei Drittel, heute ist es umgekehrt. Aber noch passt die Mischung.“ Die Einkaufsstraße habe die Corona-Pandemie jedenfalls besser gemeistert als vergleichbare Straßen in anderen Stadtteilen. „Hier ist alles relativ stabil geblieben.“

Frankfurt: Aktuell kaum Leerstände in der oberen Berger Straße

Margit Martin-Marx, die als Kümmerin beim Gewerbeverein Bornheim Mitte angestellt ist und in dieser Funktion auch die Ladenleerstände im Blick hat, gibt eine optimistische Prognose nicht nur für die obere Berger Straße ab. „Die Stadtteile haben eine Zukunft“, ist sie überzeugt. Die Pandemie habe gezeigt, dass die Menschen, die im Homeoffice säßen, auch um die Ecke zum Einkaufen oder Mittagessen gehen. Das stärke den Einzelhandel.

Eine aktuelle Statistik von Martin-Marx bestätigt das. 200 Gewerbeeinheiten gibt es ihren Angaben zufolge in der oberen Berger Straße. Aktuell stehen nur das Berger Kino sowie die Nummern 150, 134 und 131 leer, die Renovierung der Nummer 146 sei abgeschlossen, sie werde zeitnah wieder bezogen. Zum Vergleich: 2020 hatte es noch 22 Leerstände gegeben. Dass einige davon temporär, unter anderem mit Testzentren belegt seien, spiele keine Rolle. Im Gegenteil: „Alles ist besser als abgeklebte Fensterscheiben“, betont Martin-Marx. Eine Statistik zu den Nebenstraßen sei derzeit in Arbeit. Natürlich gebe es auch dort Leerstände – so stehe etwa der Elektroladen in der Höhenstraße schon seit März 2020 leer.

Grundsätzlich, so sagt die Kümmerin, täte es der Straße etwas mehr Kultur als Belebung gut. Galerien, Kreativwerkstätten oder dergleichen könne sie sich gut vorstellen. Dazu, so ergänzt Steul, müssten die Hausbesitzer aber mal ihre Mietpreispolitik überdenken und die Flächen günstiger anbieten. (Matthias Bittner)

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