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Fast 100 Jahre Ehrenamt in Bornheim und im Ostend

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Von: Boris Schlepper

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Hannelore Mees ist seit 47 Jahren im ehrenamtlichen Sozialdienst der Stadt aktiv.
Hannelore Mees ist seit 47 Jahren im ehrenamtlichen Sozialdienst der Stadt aktiv. © Andreas Arnold

Die Sozialbezirksvorsteherinnen Hannelore Mees (90) und Elsbeth Muche (88) legen ihre Ämter nieder.

Fast genau 100 Jahre lang haben sich Hannelore Mees und Elsbeth Muche zusammengerechnet für die Menschen in Bornheim und im Ostend engagiert. Sie haben unzähligen hilfsbedürftige Bürgerinnen und Bürger in sozialen Fragen unterstützt, beraten und sich für sie eingesetzt. Ende des Monats legen die beiden Frauen ihre Ämter als Sozialbezirksvorsteherinnen im Ehrenamtlichen Dienst des Frankfurter Jugend- und Sozialamtes nieder. Sich nur aufs Sofa setzen, das wollen aber beide nicht.

Dabei könnte sich Hannelore Mees mit 90 Jahren durchaus von allen ehrenamtlichen Tätigkeiten zurückziehen. Doch die Senioren-AG Ost des Sozialamtes will sie weiterhin leiten, sagt sie. Auch ihr Engagement im „Café und mehr“ im Seniorenwohnheim in der Rhönstraße möchte sie nicht aufgeben. Im Gegenteil: Sie will dafür werben, dass das Angebot nicht nur von den älteren Menschen aus der unmittelbaren Nachbarschaft genutzt wird.

Seit Jahren schon setzt sich Mees dafür ein, dass das Ostend lebendiger wird, auch wenn sie eigentlich aus Bornheim kommt. Vor etwa 47 Jahren fing sie an, im ehrenamtlichen Sozialdienst der Stadt aktiv zu werden. Zunächst als Sozialpflegerin, später übernahm sie zwei Sozialbezirke. Dabei geht es nicht um Pflege an der Person selbst. Zusammen mit ihrem Team aus Sozialpflegerinnen und -pflegern kümmert sie sich um Hilfsbedürftige, versucht deren Probleme etwa mit der Verwaltung zu lösen.

Als der Zoo vor zehn Jahren den Eingang an Waldschmidtstraße dicht machte, organisierte Hannelore Mees mit anderen Leuten aus dem Viertel Demonstrationen. Denn in der Schließung sah sie vor allem für die Bewohner:innen der Senioren-Wohnanlagen und die Kindergärten im Stadtteil ein Problem. Für ältere Menschen oder Eltern mit Kleinkindern sei der Weg bis zum Haupteingang einfach zu weit. Für ihren ehrenamtlichen Einsatz erhielt die gelernte Buchhalterin 1996 den Ehrenbrief des Landes.

Nicht weniger aktiv ist Elsbeth Muche – obwohl die 88-Jährige inzwischen sieben Enkel hat. Bis Ende kommenden Jahres wird die gebürtige Hamburgerin noch im Anstaltsbeirat des Männergefängnisses im Preungesheim aktiv sein. Seit 1992 leitet sie das Gremium, in dem Bürger:innen ehrenamtlich Sprechstunden für Gefangene anbieten.

Bereits seit 1969 ist Muche im ehrenamtlichen Sozialdienst aktiv, seit 1977 als Sozialbezirksvorsteherin – „und damit Dienstälteste in Frankfurt“, sagt sie. Noch länger ist sie nur Mitglied bei der SPD: seit sieben Jahrzehnten. Gemeldet habe sich die Partei deshalb aber bislang noch nicht bei ihr, sagt sie knapp. Dabei geht es ihr nicht um Auszeichnungen – vielleicht auch, weil sie für ihre Ehrenämter unter anderem bereits das Bundesverdienstkreuz, den Ehrenbrief des Landes und die Römerplakette in Bronze, in Silber und in Gold erhalten hat.

Verantwortung zu übernehmen gehört für Muche dazu, das hat sie schon als Kind zu Hause gelernt. Wenn ihr etwas nicht gefällt, steht sie auf und sagt es. Sei es in einem Fall, als der Aufzug in der U-Bahnstation Seckbacher Landstraße monatelang defekt war, und sie einen gesalzenen Brief an die VGF geschrieben hat, dass viele Menschen mit Gehbehinderung oder Eltern mit Kinderwagen ausweichen mussten. Oder vor kurzem erst in ihrer letzten Sitzung als Sozialbezirksvorsteherin im Ortsbeirat 4, in der sie kritisierte, dass sich der geplante Neubau der Grundschule fürs Ostend am Zoo verzögert.

Der Ortsbeirat 4 (Bornheim, Ostend) hat bereits zwei Nachfolgerinnen benannt: Felicitas Herdt folg für Hannelore Mees, Brigitte Born für Elsbeth Muche.

Elsbeth Muche ist dienstälteste Sozialbezirksvorsteherin in Frankfurt.
Elsbeth Muche ist dienstälteste Sozialbezirksvorsteherin in Frankfurt. © Rolf Oeser

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