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Die Herrmann-Brüder, Horst (links) und Rolf, Söhne von Fußball-Nationalspieler und FSVler Richard Hermann, geben ihren Kiosk an Baris Saka (Mitte) ab.
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Die Herrmann-Brüder, Horst (links) und Rolf, Söhne von Fußball-Nationalspieler und FSVler Richard Hermann, geben ihren Kiosk an Baris Saka (Mitte) ab.

Bornheim

Ende einer Bornheimer Familien-Ära

  • VonSabine Schramek
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Horst und Rolf Herrmann, Söhne von Nationalspieler und FSV-Legende Richard Herrmann, haben ihren Kiosk am Uhrtürmchen nach fast 60 Jahren verkauft. Ihr Nachfolger will an dem Laden an der Berger Straße nicht viel verändern.

Am Samstag war der letzte Tag, an dem Horst und Rolf Herrmann die Jalousie mit dem Graffito zu ihrem prominenten Vater herabgelassen haben, um am Uhrtürmchen Tabakwaren, Zeitungen und Lottoscheine zu verkaufen. „Irgendwann ist immer Schluss“, sagt Horst Herrmann (71) und blickt auf seinen Bruder (67), der nickt. „Es geht ja weiter. Nur eben nicht mit uns.“ Beide lächeln, als wollten sie sich wortlos dafür entschuldigen, dass eine Familienära, die seit 1947 besteht, zu Ende gegangen ist.

Kein Geringerer als Fußball-Legende Richard Herrmann hat den Tabak-Presse-Laden ursprünglich ein Stück weiter unten an der Berger Straße eröffnet und ist mit ihm 1960 in das Gebäude gezogen, in dem seit 1992 die kunterbunt dekorierten Schaufenster Kunden anlocken. Der Gründer spielte von 1947 bis 1960 für den FSV Frankfurt und gehörte der Nationalmannschaft an, die 1954 den ersten Weltmeistertitel für Deutschland holte. Seit 2010 ist der Platz vor dem Stadion des FSV Frankfurt nach ihm benannt. Der Fußballstar galt als hilfsbereit und bescheiden. 1962 starb er mit 39 Jahren. Seine Frau Lilo blieb im Geschäft, Horst Herrmann ist nach seiner Banklehre 1970 mit eingestiegen und geblieben. Als Lilo Herrmann 1984 in Rente ging, kam Rolf Herrmann dazu. Die Mutter starb 1990. Noch hängen über Regalen und im Flur ein Schwarz-Weiß-Foto und eine Zeichnung, die Richard Herrmann zeigen. „Die nehmen wir mit, der Rest bleibt.“

Seit Generationen kaufen die Bornheimer dort ihre Zeitung. „So leid es uns um die Kunden tut, irgendwann muss ein Schnitt gemacht werden. Wir wollen etwas mit den Enkelchen unternehmen, zu Hause klar Schiff machen“, sind sich beide einig. „Die eigenen Kinder haben wir ja gar nicht richtig aufwachsen sehen, weil wir immer im Laden waren.“

Verkauft haben sie ihr Geschäft an den Deutschen Tabak-Verband. „Angebote hatten wir einige. Beim DTV konnten wir halt auf Nummer sicher gehen, dass das Geld auch kommt“, verrät Horst Herrmann. Ein neuer Betreiber ist schon da, der das Geschäft nahtlos weiterführt. Baris Saka (32) weiß, in welche großen Fußstapfen er tritt. „Natürlich werde ich das Geschäft genauso weiterführen, wie man es kennt“, sagt er. „Der Übergang wird ohne Unterbrechung sein, ich übernehme auch den Sohn von Rolf Herrmann. Da bleibt ein Stück von der Familie erhalten.“

Saka hat bei einem Discounter gelernt und war stellvertretender Filialleiter, bevor er sich vor gut sieben Jahren selbstständig gemacht hat. In Wiesbaden und Mainz hat er bereits Betriebe. „Das Geschäft in Bornheim wird mein Liebling, ich werde hier sein, um den Kunden weiterhin möglichst alle Wünsche zu erfüllen.“ Das Sortiment werde bleiben, ebenso das Graffito an der Jalousie, verspricht er.

Die Brüder Herrmann bedienten bis zum Schluss weiter. Ruhig und immer zu einem Schwätzchen aufgelegt. In den vergangenen Wochen sei es heftig gewesen. Fast jeder habe sie angesprochen, „dass wir gehen, aber so richtig wollte es noch niemand glauben“, erzählt der Senior. In der letzten Woche dann seien sie mit Blumen und Getränken zum Abschied gekommen. „Das geht uns schon sehr nahe“, sagt Horst Herrmann. Doch irgendwann müsse Schluss sein. „Mit zwölf Jahren habe ich angefangen, hier zu helfen. Das ist schon eine sehr lange Zeit.“

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