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Ortsvorsteher über Frankfurts größtes Volksfest: „Die Dippemess ist uns ans Herz gewachsen“

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Von: Boris Schlepper

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Ortsvorsteher Hermann Steib spricht im Interview über den möglichen Wegzug der Dippemess aus Frankfurt-Bornheim, die Verkehrssituation und die Schulen im Ortsbezirk.

Frankfurt - In einer Serie blicken wir zurück auf das Jahr in den 16 Ortsbeiräten. Was waren die wichtigsten Themen, die den Ortsbezirk in den vergangenen zwölf Monaten bewegt und beschäftigt haben? Welche Erfolge oder Niederlagen gab es für das Stadtteilparlament? Wie geht es im kommenden Jahr weiter? Heute der Ortsbeirat 4 (Bornheim, Ostend).

Herr Steib, seit den 60er-Jahren findet die Dippemess auf dem Festplatz am Ratsweg statt. Wenn dort die Europäische Schule Frankfurt (ESF) errichtet wird, zieht das Volksfest vielleicht in den Rebstockpark. Wäre das ein großer Verlust für die Menschen in Bornheim?

Die Dippemess ist uns ans Herz gewachsen. Sie ist zwar ursprünglich keine Bornheimer Veranstaltung, sondern eine mit langer Frankfurter Tradition, aber für die Familien und Kinder in Bornheim ist das eine schöne Sache. Für den Ortsbeirat war es nie ein Politikum, uns hat vor allem der Parksuchverkehr beschäftigt. Doch haben wir uns zuletzt für den Erhalt ausgesprochen, was man am Antrag sieht, dass wir uns im Herbst eine Verlängerung vorstellen könnten.

Die Dippemess könnte vom Ratsweg in den Rebstockpark umziehen. Sehr zum Ärger des Ortsvorstehers.
Die Dippemess könnte vom Ratsweg in den Rebstockpark umziehen. Sehr zum Ärger des Ortsvorstehers. © Renate Hoyer

In den vergangenen Sitzungen des Ortsbeirats waren aufgebrachte Mitglieder des Kleingartenvereins Riederwald zugegen. Sie wollen verhindern, dass sie ihre Parzellen für den möglichen Bau der ESF verlieren. Die Schule braucht aber mehr Platz. Wie sehe Sie das Dilemma?

Wir setzen uns für die Kleingärtner und Kleingärtnerinnen ein. Der Ortsbeirat hat sich dafür ausgesprochen, dass man die Gärten erhält. Die Schule sucht seit Jahren nach einem neuen Standort, dafür habe ich Verständnis. Doch ist der Platz vor der Eissporthalle für den Schul-Neubau knapp, vor allem wenn dort noch weitere Kinder von Eltern, die in europäische Institutionen arbeiten, unterrichtet werden sollen. Wir haben in der jüngsten Sitzung daher beschlossen, dass die Studie bei uns öffentlich vorgestellt werden soll.

Neuerungen beim ÖPNV in Frankfurt: Bornheims Ortsvorsteher über die Pläne

Sie haben sich auch dafür ausgesprochen, dass geprüft wird, ob eine Buslinie bis zur Eissporthalle verlängert werden kann, wenn die ESF dort gebaut werden sollte – um einen barrierefreien Zugang zum im Bau befindlichen Schwimmbad zu schaffen?

Das neue Bad ist zwar mit der U-Bahn im Prinzip gut an den ÖPNV angebunden, aber beim Panoramabad gibt es direkt davor eine Bushaltestelle. Vor allem Menschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, fürchten die Umstellung, weil der Weg von der U-Bahn-Haltestelle über die vielen Treppen bis zum Eingang des neuen Bads zu umständlich sein könnte. Deswegen wünschen sich viele einen Bus. Der scheitert aber bis jetzt daran, dass es am Festplatz keine Wendestelle gibt. Das würde sich aber lösen lassen, wenn durch die Europäische Schule eine zusätzliche Zu- und Abfahrt zum Riederbruch entstünde.

Zusätzlich zum Panoramabad soll noch ein Schwimmbad entstehen. Um desssen ÖPNV-Anbindung wird noch gerungen.
Zusätzlich zum Panoramabad soll noch ein Schwimmbad entstehen. Um desssen ÖPNV-Anbindung wird noch gerungen. © Monika Müller

Anwohner und Anwohnerinnen an der Saalburgstraße wünschen sich schon lange, dass die Wartepositionen der Busse verlegt werden, die viel Lärm und Abgase bringen. Warum gibt es da bislang keine Lösung?

Es gibt keine Alternativen. Eine Verlegung der Wartepositionen an den Ernst-May-Platz oder vor die Post würde bedeuten, dass die Busse hinter der Kreuzung mit der Wittelsbacherallee wenden müssten – dann wären sie aber wesentlich länger unterwegs.

Dafür soll jetzt mit dem barrierefreien Ausbau der Straßenbahnhaltestellen an der Saalburgstraße begonnen werden. Die Arbeiten sollen bis 2026 umgesetzt werden. Sind Sie mit der Planung zufrieden?

Sie schafft den barrierefreien Zugang zu Bus und Bahn und berücksichtigt zugleich auch den Radverkehr. Der Ortsbeirat wünscht sich, dass der Radverkehr auch vor und hinter der Station mit gedacht wird. Die jetzige Situation ist für Menschen, die auf der Saalburgstraße mit dem Fahrrad unterwegs sind, unbefriedigend. Da die Straße aber schmal ist, wird es schwierig werden, für alle Verkehre etwas separat zu schaffen.

Besserer Radverkehr in Frankfurt: Ortsvorsteher in Bornheim bleibt skeptisch

Verbessert werden soll auch der Radverkehr auf dem Sandweg. Vor allem für Personen, die nach Süden fahren – eine Forderung aus dem Nordend-Ortsbeirat, zu dem die Straße zur Hälfte gehört. Gibt es da Chancen?

Da bin ich noch skeptisch. Der Sandweg ist vor ein paar Jahren durch die Gestaltung der Kreuzungen und Schrägparkplätze bewusst eng gestaltet worden, damit die Autos dort nicht mehr so schnell fahren. Wenn man jetzt eine Radspur einrichtet, müsste man die gesamte Straße aufwendig neu planen – und die Kreuzungen aufweiten. Und dann würde der Sandweg wieder optisch zum Rasen einladen.

Zur Person

Hermann Steib (Grüne), 69 Jahre alt, Diplom-Volkswirt, ist seit 2016 Vorsteher im Ortsbezirk 4. Das Gremium ist für die Stadtteile Bornheim und Ostend zuständig. Im Ortsbezirk leben 60 842 Menschen (Stand 30. Juni 2022).

Im Ortsbeirat 4 gibt es neun Fraktionen. Stärkste Partei sind die Grünen mit sechs Sitzen. SDP und CDU haben jeweils drei Mandate, die Linke zwei, FDP, Ökolinx, Volt, BFF und Die Frankfurter je einen. Stellvertretende Ortsvorsteherin ist Sabine Rosenthal (SPD).

Die erste Sitzung im neuen Jahr findet am 17. Januar, 19.30 Uhr, im Zoogesellschaftshaus, Bernhard-Grzimek-Allee 1, Großer Saal (Erdgeschoss), im Ostend statt. bos

Das Parken war in den vergangenen Jahren ein großes Thema im Ortsbeirat, da in Bornheim stadtweit die ersten Zonen eingerichtet worden sind, in denen man fürs Parken wochentags zahlen muss. Gibt es da noch immer Beschwerden?

Es ist mittlerweile kein großes Thema mehr, es gibt nur noch vereinzelt Anfragen. Es gibt aber Verdrängungseffekte in andere Zonen, wo die Parkraumbewirtschaftung noch nicht umgesetzt worden ist. Die sollen jetzt wohl erst bis 2026 alle eingerichtet werden. Und die Probleme, dass nicht jeder auf den ÖPNV umsteigen kann, etwa weil ein entsprechendes Angebot fehlt, bestehen nach wie vor. Erst vor kurzem hatte ich ein Gespräch mit einer Kindertagesstätte, die Stellen nicht besetzen kann, da Fachkräfte von außerhalb Frankfurts kommen und auf Parkplätze angewiesen sind.

Unbefriedigend ist auch die ÖPNV-Anbindung des Gymnasiums Ost auf dem geplanten Standort an der Dortelweiler Straße.

Der Standort ist für Schülerinnen und Schüler aus dem Frankfurter Osten nur umständlich erreichbar, nämlich nur mit dem 34er-Bus, zu dem sie vorher umsteigen müssten. Die Bahnen auf der Friedberger Landstraße sind da eher keine Alternative.

Auf der Saalburgstraße sollen Radwege und barrierefreie Haltestellen entstehen. Ortsvorsteher Hermann Steib freut sich darüber.
Auf der Saalburgstraße sollen Radwege und barrierefreie Haltestellen entstehen. Ortsvorsteher Hermann Steib freut sich darüber. © Renate Hoyer

Auch im Ostend steht wegen der zunehmenden Zahl an Kindern eigentlich Schulbau an. Der geplante Neubau auf dem Grundstück des Clementine-Kinderhospitals am Zoo hat sich aber verschoben. Was bedeutet das für die Kinder?

Für das Siedlungsgebiet rund um den Osthafen fehlt eine neue Grundschule. Derzeit drängt alles auf die Uhlandschule, wodurch Raumprobleme entstanden sind. Wir haben einen Runden Tisch initiiert, um spätestens bis zum kommenden Schuljahr zu Lösungen zu kommen, beispielsweise durch die Aufstellung von Containern.

Noch offen ist ebenfalls, wann die denkmalgeschützte Schwedlerbrücke endlich wieder eröffnet wird. Ist da eine Lösung in Sicht?

Nein, es ist äußerst ärgerlich, dass sich der Bau weiter verzögert. So viel ich weiß, hat die Ausschreibung nichts gebracht – die Stadt hat keinen gefunden, der das Bauwerk zu dem Preis saniert. Das ist richtig schlecht für diejenigen, die die Fußgängerbrücke etwa auf ihrem Weg zur Arbeit oder zum Einkaufen an der Hanauer Landstraße nutzen könnten. Die müssen seit Jahren viel längere Wege zurücklegen.

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Es gibt aber auch Erfreuliches: Am Paul-Arnsberg-Platz haben im Spätsommer endlich die Umbauarbeiten begonnen. Sind Sie guter Hoffnung, dass die Fläche künftig lebenswerter und weniger heiß wird?

Davon ist auszugehen. Die Bürgerinitiative und die Stadt haben sich da sehr viel Mühe gemacht, wie der Platz so umgestaltet werden kann, dass dort mehr Aufenthaltsqualität entsteht. Ich hoffe, dass die Arbeiten tatsächlich bis Juni abgeschlossen werden können.

Positiv ist auch die Entwicklung auf der ehemaligen Brache zwischen Berger Straße und Ringelstraße. Sind Sie zufrieden mit dem, was dort bis zum kommenden Spätsommer entstehen soll?

Es ist prima, dass die Lücke nach Jahrzehnten endlich zu ist und auch geförderte Wohnungen, eine Kindertagesstätte und ein neuer, großflächiger Einzelhandel entstehen. Der wird zur Belebung der Berger Straße beitragen. (Interview: Boris Schlepper)

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